Arcandor

Tauziehen um Karstadt-Rettung

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Baustelle Karstadt: Der Handelskonzern hat eine Millionenbürgschaft beantragt. Falls die nicht gewährt wird, droht laut Konzernleitung die Insolvenz.

Essen - Countdown für Karstadt: Nur noch zweieinhalb Wochen bleiben der traditionsreichen Warenhauskette, um eine 650-Millionen-Euro-Bürgschaft der Bundesregierung zu ergattern.

„Der 12. Juni ist der Tag der Wahrheit“, sagte der Chef des Mutterkonzerns Arcandor, Karl-Gerhard Eick. Ohne Bürgschaft bleibe dem Konzern nur der Weg in die Insolvenz.

Die Bundesregierung wird sich in dieser Woche erstmals mit dem Antrag des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor auf Staatshilfen beschäftigen. Um Druck zu machen, wollen 5000 Beschäftigte von Arcandor am Mittwoch vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin für eine Staatsbürgschaft über 650 Millionen Euro für ihren Konzern demonstrieren. An der Börse wuchs indes die Angst vor einer Pleite. Die Arcandor-Aktie verlor am Montag zeitweise mehr als 25 Prozent an Wert.

Tatsächlich wächst der Widerstand gegen Finanzhilfen für den Handelsriesen. Vor allem die Konkurrenten im Einzelhandel wehren sich. Karl-Erivan Haub, Chef der Handelskette Tengelmann (Kaiser’s, Kik, Obi), bewertete in der „Wirtschaftswoche“ mögliche Staatshilfen für den seit Jahren kriselnden Wettbewerber als einen „Schlag ins Gesicht aller Unternehmer, die ordentlich gewirtschaftet haben“. Auch Deutschlands größter Handelskonzern Metro hat lautstark Protest angemeldet und mit dem Angebot einer Fusion der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt sogar erfolgreich ein Alternativ-Szenario lanciert.

Die Vorbehalte gegen Hilfen für Arcandor scheinen inzwischen in Berlin deutlich größer als im Fall Opel. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte es am Montag strikt ab, sich zu dem Arcandor-Antrag auf eine Staatsbürgschaft zu äußern. „Ich weigere mich, eine politische Zu- oder Absage zu geben, bevor der Bürgschaftsausschuss überhaupt den Antrag gesehen hat“, sagte Merkel am Montag in Berlin . Es sei ganz bewusst festgelegt worden, dass zunächst die zuständigen Gremien entsprechende Anträge prüfen sollten, damit ein „Wettbewerb um die Gunst politischer Entscheidungsträger“ verhindert werde.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion , Laurenz Meyer , sagte: „Das Problem muss privatwirtschaftlich gelöst werden.“ Es habe schon vor der Krise eindeutig Managementfehler bei Arcandor gegeben. „Managementfehler sind keine Dinge, die man auf die Steuerzahler abwälzen kann.“ CDU / CSU -Mittelstandsexperte Michael Fuchs sagte: „Ich bin gegen jeden Cent für Karstadt.“ Der Essener Handelsriese malt unterdessen die Folgen einer Insolvenz in schwärzesten Farben. „Die Biografien von mehr als 50 000 Mitarbeitern würden gebrochen. Zusammen mit den Familien unserer Beschäftigten würden weit mehr als 100 000 Menschen in eine ungewisse Zukunft entlassen“, warnte Karstadt-Chef Stefan Herzberg in der „Bild“-Zeitung.

Auch ein Insolvenzantrag würde aber – wie die Beispiele Woolworth oder Hertie zeigen – nicht bedeuten, dass die Karstadt-Warenhäuser schlagartig ihre Tore schließen müssten. Vielmehr würde ein Insolvenzverwalter versuchen, die Warenhauskette nachhaltig zu sanieren.

Am Ende könnte eine kleinere, aber schlagkräftigere Karstadt-Kette stehen, meinen Branchenexperten. Sie wäre dann für den Konkurrenten Kaufhof als Übernahmeobjekt umso attraktiver. Vielleicht könnte sie aber auch alleine am Markt bestehen. Natürlich würden dabei aber Tausende Arbeitsplätze wegfallen – in den zur Schließung ausgewählten Filialen, aber auch in der Karstadt-Zentrale in Essen. Doch gilt vielen Experten ein derartiger Schrumpfungsprozess angesichts der Marktentwicklung ohnehin als unvermeidlich.

Offen ist, was im Falle eines Konkurses aus dem restlichen Konzern – der Versandhandelssparte Primondo (Quelle) und der Touristiktochter Thomas Cook – werden würde. Auch hier gibt es schon Interessenten für eine Übernahme, wie es heißt. Die völlige Zerschlagung von Arcandor wäre nicht ausgeschlossen.

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