"Wartburg"-Comeback: Rollt der DDR-Oldie bald wieder vom Band?

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Marktchancen mit Billig-Angebot und ein bisschen DDR-Nostalgie: Opel will die Marke Wartburg eventuell wiederbeleben.

Eisenach - Der “Wartburg“, seit Mitte der 1950er Jahre bis zur Produktionseinstellung am 10. April 1991 das Mittelklasseauto der Ostdeutschen, droht in Vergessenheit zu geraten. Doch das könnte sich ändern. Diskutiert wird ein Comeback des Markennamens.

Fast eine halbe Millionen Menschen kommen jährlich zur geschichtsträchtigen Wartburg, die hoch über Eisenach thront. Die Burg, auf der Luther die Bibel übersetzte und Burschenschaftler ein einiges Deutschland beschworen, ist weit über Thüringen und Ostdeutschland bekannt.

Die Wartburg ist gefragt wie eh und je - jetzt soll der Name auch als Automarke wiederbelebt werden. Opel bestätigt Planspiele für eine neue Billigmarke - schließlich hat die französische Konkurrenz mit Dacia Erfolg. Und für ein “preiswertes Auto“ auf Corsa-Basis könnte der Markenname “Wartburg“ genutzt werden.

“Es gibt Arbeitsgruppen, die sich mit einem Auto zu einem Preis unter 9000 Euro beschäftigen. Auch über den Namen Wartburg ist geredet worden“, sagt der Eisenacher Opel-Betriebsratschef Harald Lieske. Seit 1992 produziert Opel in Eisenach in einem eigenen Montagewerk. Von den 1700 Opel-Mitarbeitern, die derzeit ausschließlich den Kleinwagen “Corsa“ bauen, haben viele in der DDR in der “Wartburg“- Produktion begonnen.

Nach der Stilllegung des Automobilwerks Eisenach (AWE), in dem seit 1956 insgesamt 1,2 Millionen Autos der Marken Wartburg vom eleganten 311 bis zum kastenförmigen 353 und zuletzt dem 1.3 mit VW-Motor gebaut wurden, gingen viele AWE-Leute zu Automobilzulieferfirmen in Eisenach wie Bosch, aber auch zu Opel. Viel mehr Gemeinsamkeiten zwischen Opel und dem DDR-Auto namens Wartburg gibt es allerdings nicht.

Eine hauseigene Billigmarke bei Opel unterhalb des Corsa, die dem um seine Zukunft bangenden Eisenacher Werk mehr Stabilität geben könnte, sei keine “Schnapsidee“, sagt Lieske. Am Markennamen “Wartburg“ hat aber selbst der Betriebsrat seine Zweifel. “Das ist nur so eine Idee aus einer Laune heraus, die leider in die Öffentlichkeit gekommen ist.“ Publik wurde sie durch “AUTO Bild“. Als Markenname europaweit tauge Wartburg eher nicht, glaubt Lieske, der seine berufliche Laufbahn im Wartburg-Werk begann.

In Osteuropa, wohin das AWE das in der DDR wegen seiner Blechkarosse und Größe als Mittelklassemodell begehrte Auto geliefert hatte, habe der Wartburg eher das Image eines “Premiumprodukts“. Im westlichen Teil Deutschland und Europas sei es eher das Gegenteil.

Aber als regionale Marke hätte ein “Wartburg made by Opel“ schon Charme. Viele Ostdeutsche verbinden mit dem Wartburg, auf den jahrelang gewartet werden musste, Erinnerungen. Auf der Straße ist das Auto, an dem im Gegensatz zum “Plastebomber“ Trabi der Rost nagt, aber kaum noch zu sehen. Auch die Tatsache, dass sich Opel bisher nicht für die Namensrechte interessiert hat, spricht eher gegen ein Wartburg- Comeback.

Hüter der Rechte ist der Wirtschaftsbetrieb der Eisenach Wartburg-Stiftung, die für die Burg zuständig ist. “Wir haben uns die Wortmarke Wartburg für verschiedene Produktklassen schützen lassen, unter anderem für Automobile“, sagt deren Geschäftsführer Matthias Launert. An eine Anfrage des Automobilbauers Opel kann er sich nicht erinnern. Launert kann der Idee, den Namen der Burg für einen “abgespeckten Corsa“ herzugeben, ohnehin “nicht viel abgewinnen“. Das geht auch manch anderem Ostdeutschen so. “Tote soll man ruhen lassen“, findet eine Erfurterin. Der letzte rot lackierte AWE- Wartburg steht in Eisenach im Museum.

Simone Rothe, dpa / mol

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