Wirtschaftskrise: Zahl der Firmenpleiten steigt 

Düsseldorf - Insolvenzverwalter haben Hochkonjunktur. Die Firmenpleiten in Deutschland steigen nach einem vierjährigen Rückgang und einem moderaten Anstieg 2008 jetzt rasant an.

Im ersten Halbjahr 2009 mussten nach Hochrechnung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 16 650 Unternehmen Insolvenz anmelden - gut 2000 Unternehmen oder 14 Prozent mehr Fälle als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Wirtschaftskrise wirkt sich nach Angaben der Experten schneller auf das Firmensterben aus als bei früheren Konjunkturabschwüngen.

Als Grund wird die Kombination von Finanz- und Wirtschaftskrise gesehen. Finanzierungslücken und Liquiditätsprobleme sind Hauptauslöser der Pleiten. Acht von zehn Insolvenzanträgen erfolgen inzwischen aus nur einem Grund: wegen Zahlungsunfähigkeit. Vor wenigen Jahren waren es sechs von zehn Fällen ausschließlich aus diesem Grund. Bis dahin kamen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung häufig zusammen.

“Das finanzielle Umfeld spielt für die Stabilität der Unternehmen eine zentrale Rolle“, unterstrich Helmut Rödl , Vorstand von Creditreform, bei der Vorstellung der Statistik am Donnerstag in Düsseldorf. Schlechte Auftragslage, verspätete Kundenzahlungen und geringes Eigenkapital sind Faktoren, die häufig zur Insolvenz führten. “Die Ertragslage im Mittelstand ist desaströs“, schilderte Rödl.

Gut die Hälfte der von Creditreform befragten Betriebe berichtete im Frühjahr 2009 über gesunkene Erträge. Nicht einmal jeder zehnte Betrieb vermeldete Gewinnsteigerungen. Unter einer zu kleinen Eigenkapitaldecke leidet laut Umfrage unter 4000 Unternehmen fast jeder dritten Mittelständler. Nur knapp jeder vierte Betrieb ist nach Angaben von Creditreform mit einer soliden Eigenkapitaldecke (mehr als 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme) versorgt.

Die Wirtschaftskrise drückt auch auf die Zahlungsmoral. Rechnungen bleiben immer häufiger liegen. Bei nur sieben von zehn Unternehmen ist das Geld innerhalb von 30 Tagen auf dem Konto. Wenn Forderungen nicht bezahlt werden, fehlt insbesondere Kleinbetrieben wichtige Liquidität. Auch die Möglichkeit, einen Kredit zu bekommen, haben sich verschlechtert. Jeder sechste Mittelständler spricht von einer Kreditklemme. Das sind laut Creditreform mehr als doppelt so viele als 2008. Unter abgelehnten Kreditanträgen hätten vor allem Unternehmen im Einzelhandel und im Baugewerbe zu leiden.

Anzeichen für eine flächendeckende Kreditklemme gebe es aber nicht. Die erste große Pleitewelle traf die Autoindustrie. Im ersten Halbjahr 2009 mussten 40 der rund 1000 deutschen Autozulieferer aufgeben. Betroffen sind den Angaben zufolge 20 000 Mitarbeiter. Unter den Wirtschaftszweigen ist die exportorientierte Industrie am stärksten betroffen, die lange Zeit die Konjunkturlokomotive war. Hier stiegen die Insolvenzen um fast ein Drittel auf 1550 Fälle.

Von der Insolvenz ihres Arbeitgebers waren quer durch die Wirtschaft im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 254 000 Mitarbeiter betroffen. Wegen großer Fälle wie Arcandor und Qimonda stieg die Zahl der Mitarbeiter, deren Arbeitsplatz gefährdet ist, um über 50 Prozent. Creditreform warnt zugleich vor einer Dramatisierung der Lage. “Wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist der Tag nicht fern“, betonte Rödl. Vom Pleitenrekord 2003 mit fast 40 000 Firmenzusammenbrüchen sei die deutsche Wirtschaft noch weit entfernt. Für das Gesamtjahr 2009 erwartet Creditreform 33 000 bis 35 000 Firmenpleiten.

dpa

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