Berufsbildungsbericht

Wirtschaft: Lehrer sollen mehr für Ausbildungsberufe werben

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Eine Schülerin arbeitet mit einem Grafikrechner: Die Alternativen zur Universität sind vielen Abiturientinnen nicht bewusst.

Berlin - Im neuen Berufsbildungsbericht steht es schwarz auf weiß: Immer weniger Lehrstellen werden hierzulande besetzt. Dafür boomen die Unis mit Hunderttausenden Studienanfängern. Die Wirtschaft fordert mehr Beratung, um Schülern auch Lehrberufe wieder schmackhaft zu machen.

Angesichts sinkender Lehrlingszahlen verlangt die Wirtschaft, Schüler besser über Zugänge in die Arbeitswelt zu informieren.

"Es ist wichtig, jungen Menschen mehr Informationen zu den verschiedenen Berufswegen bereitzustellen, damit sie eine richtige Entscheidung treffen können. Das ist bislang nicht in Perfektion gelungen - vor allem an Gymnasien", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Beim Thema Berufsorientierung liege noch einiges im Argen. Gefragt seien auch die Lehrer, sagte er. "Wenn Fast-Abiturienten von der "anderen Welt" der beruflichen Bildung nichts wissen, entscheiden sie sich quasi automatisch und vielleicht aus falschen Beweggründen für ein Studium. Wir müssen Gymnasiallehrer überzeugen, dass sie nicht immer nur fürs Studium werben, sondern den Schülerinnen und Schülern eine Abwägung möglich machen."

Unter dualer Ausbildung versteht man die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule oder an einer Berufsakademie. Mit einem 1,3 Milliarden Euro teuren Berufseinstiegs- und Beratungsprogramm will die Regierung diese betriebliche Ausbildung in Deutschland stärken.

Der Mitte April im Kabinett verabschiedete Berufsbildungsbericht 2015 zeigt, dass die Zahl der neuen Lehrverträge im Vorjahr abermals zurückging - je nach Berechnung auf gut 518 000 oder 522 000 (minus 1,4 Prozent). Zugleich liegt die Zahl der Studenten auf Rekordniveau, die der Studienanfänger mit gut 500 000 nur knapp darunter. Mit dem neuen Programm will die schwarz-rote Bundesregierung bis 2018 rund 500 000 junge Leute erreichen.

DIHK-Experte Dercks stimmte im dpa-Gespräch dem früheren Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin teilweise zu, der einen "Akademisierungswahn" in Deutschland beklagt. Den umstrittenen Begriff selbst mache er sich nicht zu eigen, aber: "Herr Nida-Rümelin adressiert das zu Recht - weil der Akademisierungstrend der vergangenen Jahre allzu lange gar nicht thematisiert worden ist oder zu pauschal als durchweg positiv dargestellt wurde." Zugleich gebe es rund 100.000 Studienabbrecher pro Jahr. Dercks: "Da wird Lebenszeit investiert in erfolglose Aktivitäten an der Hochschule. Wie viele hätten vielleicht den individuell erfolgreicheren Weg gewählt, wenn sie direkt in die berufliche Bildung gegangen wären?"

Dercks fügte hinzu: "Wir haben ein Klima geschaffen, dass Eltern fast durchweg ihren Kindern ein Studium empfehlen. Es ist nun wichtig, die guten Chancen auf eine Ausbildung und weitere Aufstiegsperspektiven in der beruflichen Bildung herauszustellen." Orientierungs-Praktika für Schüler seien inzwischen "in vielen Bereichen schon Standard und ein guter Weg, um in die Arbeitswelt reinzuschnuppern. Auch an Gymnasien muss das die Regel werden." Eine betriebliche Lehre habe auch "den direkten Link zum Arbeitsmarkt. Denn die Betriebe bieten eine Ausbildung an, weil sie die Azubis nach der Ausbildung als qualifizierte Mitarbeiter einsetzen können."

DIHK zum Thema Ausbildung

Webseite DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung

dpa

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