Erste Schätzung der Insolvenzmasse

Wirecard: Gläubiger mit Milliarden-Forderungen - Werden sie überhaupt etwas davon zu sehen bekommen?

Wirecard-Zentrale in Aschheim: Das Kerngeschäft geht an die spanische Großbank Santander.
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Wirecard-Zentrale in Aschheim: Das Kerngeschäft geht an die spanische Großbank Santander.

Die spanische Großbank Santander hat sich das Kerngeschäft des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard gesichert. Doch auch nach diesem Deal hellt sich die Lage für die Gläubiger kaum auf.

  • Beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard haben die Gläubiger milliarden-schwere Ansprüche angemeldet.
  • Doch allzu viel Hoffnungen dürfen sich geprellte Geschäftspartner und Aktionäre nicht machen.
  • Das gibt die Insolvenzmasse nicht her.

Update 18. November, 15.38 Uhr: Nach dem Zusammenbruch des Skandalkonzerns Wirecard haben die Gläubiger des insolventen Zahlungsdienstleisters Forderungen von rund 12,4 Milliarden Euro angemeldet. Das teilte das Münchner Amtsgericht am Mittwoch nach der ersten Gläubigerversammlung im Münchner Löwenbräu-Keller mit.

Die Summe liegt damit um ein Vielfaches über der Insolvenzmasse. Bei der Verwertung der verbliebenen Vermögensgegenstände hat der Insolvenzverwalter Michael Jaffé nach Informationen von Merkur.de* bislang „über 500 Millionen Euro“ erzielt.

Auf der ersten Gläubigerversammlung am Mittwoch erschienen insgesamt 74 Personen, darunter zahlreiche Anwälte. Neben Banken machen auch frühere Geschäftspartner sowie zahlreiche Wirecard-Aktionäre Ansprüche geltend.

Das Amtsgericht hat insgesamt sieben Gläubigerversammlungen einberufen, die zwei Tage dauern sollen. Neben der Muttergesellschaft Wirecard AG sind auch sechs Tochtergesellschaften insolvent, für jede Gesellschaft ist eine eigene Gläubigerversammlung angesetzt.

Wirecard: Kerngeschäft geht an Santander - So viel Geld ist jetzt für die Gläubiger in der Kasse 

Erstmeldung vom 17. November:

München - Das europäische Kerngeschäft des insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard* geht an die spanische Großbank Banco Santander. Die Spanier würden die Technologieplattform sowie alle dafür notwendigen Vermögenswerte übernehmen, teilte der Wirecard-Insolvenz-Verwalter Michael Jaffé am späten Montagabend in München mit. Zudem würden mit rund 500 Beschäftigten der Großteil der noch verbliebenen Mitarbeiter zu Santander wechseln, hieß es.

Man habe damit auch den Investorenprozess für das Wirecard-Kerngeschäft trotz „ungünstigster Voraussetzungen erfolgreich abschließen können“, erklärte Jaffé. Dies sei „umso bemerkenswerter, als der gesamte Prozess durch immer neue Skandal-Meldungen über Geschehnisse in der Vergangenheit überschattet wurde und anfänglich keine Liquidität zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs verfügbar war.“

Wirecard: Kerngeschäft bringt Betrag im „unteren dreistelligen Millionen-Bereich“

Finanzielle Details nannte der Insolvenzverwalter nicht. Aus Finanzkreisen hieß es jedoch, Santander zahle einen Kaufpreis „im unteren dreistelligen Millionen-Bereich“. Einschließlich der früheren Verkäufe von Unternehmensteilen dürfte die Insolvenzmasse damit inzwischen bei insgesamt „über 500 Millionen Euro“ liegen, hieß es am Dienstag. Diesem Betrag stehen jedoch alleine offene Bankkredite von 1,6 Milliarden Euro entgegen. Dazu kommen milliarden-schwere Schadenersatz-Ansprüche geprellter Aktionäre.

Zuletzt war neben Santander noch der britische Mobilfunkanbieter Lycamobile im Rennen um das Kerngschäft bei Wirecard. Rechtlich würden bei dem Erwerb der Technologie-Plattform keine Wirecard-Gesellschaften übernommen, betonte Santander. Die Bank übernehme auch keine rechtlichen Risiken des Skandalkonzerns. Auch andere Interessenten hatten im Verlauf des Verkaufsprozesses peinlich genau auf den Ausschluss möglicher Rechtsrisiken geachtet. Dem Deal müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden noch zustimmen.

Bis Ende des Jahres soll die Transaktion abgeschlossen werden. Zuvor waren bereits die Wirecard-Töchter in Brasilien, Rumänien und Nordamerika verkauft worden. Bei den verbliebenen Tochtergesellschaften unter anderem in Indonesien, Südafrika und der Türkei rechne man in den „nächsten Wochen“ ebenfalls mit Ergebnissen, hieß es.

Wirecard: Gläubiger-Versammlung am Mittwoch und Donnerstag in München

Das Amtsgericht München hat für Mittwoch und Donnerstag (18./19.11.) zur Gläubigerversammlung der Wirecard AG sowie von sechs weiteren Wirecard-Töchtern in den Münchner Löwenbräu-Keller eingeladen. Dort wird Jaffé über die wirtschaftliche Lage sowie die Verwertung der Unternehmensteile berichten.

Am 10. Dezember entscheidet das Insolvenzgericht auf Basis einer Übersicht des Insolvenzverwalters dann über die Rechtmäßigkeit und die Höhe der Forderungen. Doch bis die sichergestellten Vermögenswerte tatsächlich auch ausgeschüttet werden können, brauchen die Gläubiger wohl noch viel Geduld.

Wirecard: Bis Gläubiger wenigstens einen Teil ihres Geldes sehen, kann es noch Jahre dauern

Dazu müssten zunächst sämtliche Vermögenswerte des Unternehmens verkauft sein, heißt es aus informierten Kreisen. Außerdem dürften auch keine rechtlichen Risiken mehr vorhanden sein. Dies gilt etwa für Fragen wie die entsprechende Überarbeitung der Jahresabschlüsse oder mögliche Steuererstattungsansprüche aus Luftbuchungen. „Das kann durchaus noch Jahre dauern“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Dienstag gegenüber Merkur.de*.

Das Insolvenzverfahren von Wirecard war vor knapp drei Monaten eröffnet worden. Zuvor hatte der Konzern Luftbuchungen im Umfang von 1,9 Milliarden Euro einräumen müssen. Der langjährige ehemalige Vorstandschef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft, nach dem untergetauchten hochrangigen Ex-Vorstand Jan Marsalek wird gefahndet. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf bandenmäßigen Betrug und Untreue gegen ehemalige Führungskräfte, darunter auch Braun. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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