Griechenland-Rettung: Die wichtigsten Fragen

Brüssel - Der Streit über die Gläubigerbeteiligung blockiert die Griechenland-Rettung - Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Schuldenkrise

Athen braucht neue Notkredite in Milliardenhöhe. Doch der Streit über die Gläubigerbeteiligung blockiert den Rettungsfahrplan. Was will Berlin? Warum ist der Widerstand so hart? Steht am Ende doch die Pleite Griechenlands? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum kämpft Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für die Mithaftung von Banken und Investitionsfonds?

Griechenland braucht bis zu 120 Milliarden Euro zusätzliches Geld, weil das erste Rettungspaket von 110 Milliarden Euro nicht reicht. Im deutschen Parlament, aber auch in Finnland und den Niederlanden will man neue Hilfe aber nur freimachen, wenn nicht wieder der Steuerzahler alleine in die Bresche springen muss. Die Niederlande wollen sogar, dass der Privatsektor künftig bis zu 30 Prozent übernimmt.

Wie soll das geschehen?

Schäuble pocht darauf, dass Banken und Investitionsfonds ihre Griechenland-Papiere schon vor dem Ablauf in neue Staatsanleihen mit einer siebenjährigen Laufzeit umtauschen, ein sogenannter Bond Swap. Dadurch würde Athen deutlich mehr Luft erhalten, um seine Schulden abzutragen und die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Zugleich bräuchte das Land weniger Unterstützung von den Europartnern.

Was spricht dagegen?

Das Vorgehen könnte als teilweiser Kreditausfall Athens gewertet werden. Die befürchtete Folge: Griechische Banken kollabieren, Investoren ziehen sich auch aus anderen Wackelkandidaten wie Irland, Portugal und am Ende womöglich Spanien zurück. Die EZB steckt mit im Boot und warnt vor Panik an den Finanzmärkten. Die Ratingagentur Moody's erklärte am Mittwoch, sie prüfe wegen der Risiken nun auch eine Herabstufung von drei französischen Banken. Die Angst vor massiven Turbulenzen wie nach dem Fall der Lehman-Pleite geht um.

Sind die Warnungen berechtigt?

Experten sind sich nicht einig. Daniel Gros, Leiter des Center for European Policie Studies in Brüssel, sieht in dem Vorschlag einen Test für den Markt. “Es wäre ein erster Schritt. Und wenn er kein Chaos auslöst, könnte eine intelligentere Umschuldung vorbereitet werden.“ Also ein echter Schuldenschnitt, bei dem die Investoren nur 30 oder 50 Prozent ihres verliehenen Geldes zurückbekommen. Viele Analysten gehen davon aus, dass Athen seine Schuldenlast von 160 Prozent des BIP ohnehin nicht mehr abtragen kann.

Ist die griechische Pleite ein realistisches Szenario?

Auf absehbare Zeit nicht. Schon Schäubles Vorstoß, der einen teilweisen Kreditausfall riskieren würde, geht der EZB viel zu weit. Und die meisten Europartner plädieren für eine sanfte Umschuldung nach dem Vorbild der Wiener Initiative: Banken lassen ihre griechischen Staatsanleihen einfach bis zur Fälligkeit auslaufen, und zeichnen dann neue Schuldtitel im gleichen Volumen - aber ohne vorgegebene Laufzeit. Mit dieser absoluten Freiwilligkeit könnte sich auch die EZB abfinden. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass sich Schäuble mit einem derart vagen Vorgehen zufriedenstellt. Schließlich wäre völlig offen, wie stark sich der Privatsektor dann tatsächlich engagiert. Laut Experte Gros würde dadurch allenfalls ein Betrag von zehn Milliarden Euro am neuen Rettungspaket für Griechenland herausspringen. Zudem ist fraglich, ob eine Umschuldung, die nur nicht so genannt wird, die Märkte überzeugt.

Was passiert, wenn sich Deutschland nicht mit der EZB und den anderen Eurostaaten einigt?

Dann käme es zu einer ungeordneten Pleite Athens - mit unabsehbaren Erschütterungen für die gesamte Eurozone. Da weder Berlin noch Brüssel oder Frankfurt daran gelegen ist, wird man sich in der Mitte zwischen Schäubles verbindlichem Anleihentausch und einer vollständig unverbindlichen Forderung zu Laufzeitverlängerungen treffen. Noch ungeklärt ist zudem die Frage, zu welchen Zinsen Anleihen getauscht oder verlängert werden sollen.

Wann ist die Hängepartie endlich vorüber?

Eigentlich sollte die Entscheidung auf dem EU-Finanzministertreffen am kommenden Montag getroffen werden. Weil sich aber noch keine Annäherung abzeichnet, wurde für Sonntag ein weiteres Krisentreffen einberufen. Die Zeit läuft aus: Wenn Athen nicht Anfang Juli die nächste Tranche von zwölf Milliarden Euro aus dem vor einem Jahr aufgesetzten Rettungspaket überwiesen wird, ist das Land zahlungsunfähig. Grünes Licht für die nächste Tranche kann es aber nur bei einem Deal für das weitere Vorgehen geben. Gelingt dies auf dem EU-Gipfel Ende kommender Woche nicht, dann wird das nächste Krisentreffen notwendig.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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