Strohhalm alkoholfreies Bier

Das Wetter drückt auf die Bierlaune

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Der Bierdurst lässt nach - im ersten Halbjahr 2013 ging der Umsatz zurück. 

Düsseldorf - In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken. Mit dem schlechten Wetter verstärkte sich der Abwärtstrend im ersten Halbjahr. Mit neuen Produkte wie alkoholfreien Bieren wollen viele Brauer gegensteuern.

Alkoholfreies Bier könnte für die deutschen Brauer so etwas der berühmte Strohhalm sein. Seit Jahren schrumpft der deutsche Biermarkt, weil die Einwohnerzahlen zurückgehen und eine alternde Gesellschaft außerdem auch weniger trinkt. Wetterkapriolen beschleunigten die Talfahrt im ersten Halbjahr kräftig. Mit neuen Produkten stemmen sich große wie kleine Bierhersteller gegen den Abwärtstrend. Ein Hoffnungsträger ist Fassbrause, die ebenfalls zu den alkoholfreien Bieren gezählt wird. Auch das Exportgeschäft bietet Brauern Absatzchancen abseits des hartumkämpften Heimatmarktes.

„Diese Wetterfühligkeit der Produkte ist ja grausam“, sagt der Generalbevollmächtigte der Brauerei Veltins, Michael Huber. Die Brauer scheinen in diesem Jahr regelrecht Achterbahn zu fahren. Bis Ende Juni ging es steil bergab, der deutsche Biermarkt schrumpfte so stark wie mindestens seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Langer Winter und verregneter Frühling sorgten dafür, dass der Durst klein war und Bierzelte leer blieben. „Schützenfeste, 1. Mai, Ostern und Pfingsten - die Umsätze sind sprichwörtlich ins Wasser gefallen“, schildert der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Peter Hahn.

Mit der Hitze schießt Umsatz in die Höhe

Mit der Hitzewelle schoss die Nachfrage nach oben. Allerdings dürfte ein langer Sommer nicht ausreichen, um die Absatzverluste des ersten Halbjahres auszugleichen. Dauerhafte Hitze über 30 Grad könnte den Trend zu alkoholfreien Getränken sogar verstärken. Auch viele Bierhersteller wollen von diesem Trend profitieren. Das Volumen der alkoholfreien Biere wird auf mehr als vier Millionen Hektoliter im Jahr geschätzt. Damit haben sie die Biermischgetränke eingeholt. Auch im Ausland sehen Brauer Potenzial. Allerdings gilt es eine Reihe von Hürden wie umfangreiche Einfuhrbestimmungen zu überwinden. Bislang wird jeder sechste Liter des deutschen Bierausstoßes exportiert.

Die deutsche Braubranche wird dieses Jahr durcheinandergewirbelt. Das liegt nicht allein am Wetter. Mit Verweis auf kräftig gestiegene Kosten bei Rohstoffen, Energie und Glas erhöht eine Reihe Großbrauer die Abgabepreise gegenüber Einzelhandel und Gastronomie. Die Welle an Preiserhöhungen, die im Januar begann und bis in den Herbst reicht, ist die breiteste seit 2008. Ob und wie sich Verbraucherpreise verändern werden, bleibt abzuwarten. Höhere Preise können aber die Nachfrage drosseln. So führt Veltins das eigene Absatzminus von 6,6 Prozent im ersten Halbjahr auch auf die schon umgesetzte Preiserhöhung zurück.

Die besten Brauereien Deutschlands

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„Der Biermarkt hängt im tiefsten Loch seit Jahren“, verdeutlicht der Chefredakteur des Branchenmagazins „Inside“, Niklas Other, den Rückgang im ersten Halbjahr. Trotz Kronkorken- und Zugabe-Orgien, hohem Werbeetat sowie Niedrigpreisen für den Verbraucher hätten fast alle Top-Pils-Marken Federn gelassen. „Die seit drei Jahren eskalierte Niedrigpreis-Offensive blieb ohne Wirkung. Spannen und Markenwert wurden umsonst geopfert.“ Die Erkenntnis, dass es nicht so weiter gehen könne, scheine zu reifen. So habe bereits eine große Brauerei-Gruppe einen Kurswechsel in ihrem Vertrieb angekündigt.

Angesichts des drastischen Nachfragerückgangs der vergangenen Monate und gestiegener Kosten könnten insbesondere mittelgroße Brauereien unter Druck geraten. „Mittelgroße Brauereien sind zu groß, um in der engeren Region bestehen zu können, und sie sind zu klein, um national mithalten zu können“, schildert Hahn. Aber auch so manche große Brauerei könnte bald Federn lassen: Das Bundeskartellamt will seine Ermittlungen gegen elf Unternehmen und einen Verband wegen des Verdachts auf Preisabsprachen noch im laufenden Jahr abschließen.

dpa

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