Wegen Streiks in Frankreich

In Deutschland wird der Diesel wieder teurer

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Wegen der Blockade von Raffinerien und Treibstofflagern spitzt sich die Lage in Frankreich zu. Die Arbeiter protestieren gegen die umstrittene Arbeitsrechtsreform.

München - Durch die Streiks an Ölraffinerien in Frankreich steigen die Kraftstoffpreise auch an deutschen Tankstellen an. Je länger der Ausstand anhält, desto teurer könnte der Kraftstoff werden.

Der Preisunterschied zwischen Rohöl und Diesel erhöhte sich in der vergangenen Woche um zwei Dollar pro Barrel (159 Liter) der Öl-Sorte Brent, wie aus einer Analyse der Commerzbank hervorgeht, die am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Heruntergerechnet auf einen Liter Diesel bedeutet das einen Preisanstieg von einem Cent. Die Mineralölwirtschaft befürchtet jedoch keine größeren Auswirkungen für deutsche Autofahrer.

In Frankreich werde ein "relativ großer Teil" des in Westeuropa verbrauchten Diesel hergestellt, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch der "Bild", die zuerst über die Analyse berichtet hatte. "Wegen des Streiks steht somit auch bei uns weniger Diesel zur Verfügung." Auch der Preis für Benzin könnte von den Streiks beeinflusst werden. "Sollten die Streiks über einen längeren Zeitraum fortgeführt werden, sind weitere moderate Preissteigerungen nicht auszuschließen."

Deutschland unabhängig von Frankreich

Der deutsche Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sieht die Entwicklung dagegen gelassen: "Der Dieselpreis steigt und fällt auch ohne Streiktage in Frankreich", sagte Verbandssprecher Alexander von Gersdorff AFP.

Richtig sei aber, dass es zwischen den Streiks unter anderem an den Raffinerien von ExxonMobil bei Le Havre oder von Total bei Nantes eine "auffällige Korrelation" zur Entwicklung des für Europa maßgeblichen Preises an der Rotterdamer Ölbörse gegeben habe. "Ein Zusammenhang mit Frankreich ist möglich", sagte von Gersdorff.

Für den Preis in Deutschland bedeute dies aber grundsätzlich nicht viel: "Die Versorgung der Raffinerien, der Tankstellen und Heizölhändler in Deutschland ist unabhängig von der in Frankreich", erklärte von Gersdorff.

"Ein Cent ist schon drin"

Auch die Gefahr, dass der Preis in Deutschland regional aufgrund französischer Hamsterkäufe entlang der Grenze steigen könnte, sehe der MWV nicht. Die Kraftstoffversorgung sei etwa aus den Niederlanden oder aus Russland gesichert. Auch werde die deutsche Total-Raffinerie bei Leuna nicht bestreikt, was die Versorgung im Land weiter sichere.

Zwar habe der MWV keinen Einblick in gesamteuropäische Lagerbestände und halte auch eine kurzfristige und geringfügige Preisteigerung für möglich. "Ein Cent ist schon drin", räumte der Verbandssprecher ein. Die Gefahr für größere Auswirkungen auf Deutschland durch die Streiks in Frankreich hält er aber für äußerst gering.

afp

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