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Wegen Brexit: S&P entzieht Großbritannien die Top-Bonität

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New York - Die EU-Müdigkeit vieler Briten kann teuer werden für das Vereinigte Königreich: Zumindest eine der großen Ratingagenturen senkt jetzt den Daumen und entzieht London das seltene Gütesiegel „AAA“ - Schulden machen kann damit die Regierung spürbar mehr Geld kosten.

In Reaktion auf das Brexit-Votum hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Großbritannien die Top-Kreditwürdigkeit aberkannt. Die Bonität des Landes sei von der besten Bewertung „AAA“ um zwei Stufen nach unten auf „AA“ herabgestuft worden, teilte die Agentur am Montag mit. Zudem sei der Ausblick negativ.

Die Abstufung sei darauf zurückzuführen, dass das Brexit-Votum „die Vorhersehbarkeit, die Stabilität und die Effektivität der politischen Prozesse in Großbritannien“ schwächen werde, so die Ratingagentur. Zudem seien Auswirkungen auf die britische Wirtschaft und die Staatsfinanzen zu erwarten.

Ein schlechteres Rating kann letzten Endes dazu führen, dass ein Land höhere Zinsen am Kapitalmarkt zahlen muss oder allgemein schlechter an frisches Geld gelangt. Großbritannien gehörte zu den wenigen Ländern mit der Top-Note „AAA“, dem sogenannten Triple-A. Deutschland wird weiterhin mit der Bestnote bewertet.

Die S&P-Analysten warnten, dass das Brexit-Votum zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes führen könnte. Sie nannten dabei explizit die Finanzbranche, die einen wesentlichen Teil zur Beschäftigung und zu den öffentlichen Einnahmen beitrage.

Darüber hinaus warnte S&P vor einem Zerfall Großbritanniens. Das Ergebnis des Referendums „könnte eine konstitutionelle Krise auslösen, wenn es zu einem zweiten Referendum um die schottische Unabhängigkeit von Großbritannien führt“.

Die anstehenden Verhandlungen um einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union seien „mit einem hohen Maß an Unsicherheit“ darüber verbunden, wie der Brexit letztlich ausgestaltet werde, so die Ratingagentur weiter. Die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen könnten sich weit über die zwei Jahre hinaus hinziehen, die für den eigentlichen EU-Austritt veranschlagt würden.

Bislang ist S&P die einzige der führenden Ratingagenturen, die Großbritannien in Reaktion auf das Brexit-Votum herabgestuft hat. Moody's hatte den Ausblick für die Bonitätsbewertung allerdings schon am Freitag von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Das Rating ließ Moody's indes zunächst unverändert bei „AA1“, also eine Stufe unter der Top-Note.

dpa

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