Warnstreiks: Nahverkehr in Berlin steht still

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Zahlreiche Busse der BVG stehen am Samstag auf dem Betriebsbahnhof Müllerstraße in Berlin hinter verschlossenen Toren.

Berlin - Seit dem frühen Samstagmorgen fahren in Berlin keine Busse, U- und Straßenbahnen mehr. 1,8 Millionen Fahrgäste sind betroffen. Und die Situation soll sich sogar noch zuspitzen.

Ein Warnstreik bei den landeseigenen Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat am Samstag den öffentlichen Nahverkehr in der Hauptstadt erheblich behindert. Seit dem frühen Morgen rollten keine Busse, U- und Straßenbahnen. Lediglich einige private Buslinien fuhren im Auftrag der BVG. Die S-Bahn war von dem Ausstand, der bis 19.00 Uhr andauern sollte, nicht betroffen.

Um 4.00 Uhr traten nach Angaben der Gewerkschaft ver.di rund 5.000 BVG-Beschäftigte der Früh- und Mittagsschicht in den Ausstand, um ihre Forderungen in der laufenden Tarifrunde zu bekräftigen. Busse und Straßenbahnen blieben in den Depots oder wurden zurückgeholt. Vor den Betriebshöfen zogen Streikposten auf. Die Gitter an den U-Bahnhöfen wurden verschlossen. Die Stimmung sei „sehr kämpferisch“, sagte ein ver.di-Sprecher auf dapd-Anfrage.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta informierte sich am Morgen nach Angaben eines Sprechers in der zentralen Leitstelle über die Einstellung des Verkehrs. Die von Subunternehmen betriebenen Buslinien, zumeist am Stadtrand, seien planmäßig bedient worden.

Bei der S-Bahn, die zur Deutschen Bahn gehört, gab es nach Angaben eines Sprechers keine größeren Probleme. Auch der Verkehr auf den Straßen lief am Morgen ruhig an. Nach Polizeiangaben wurden keine Staus oder Unfälle gemeldet.

ver.di mit Streik zufrieden

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di, Lothar Andres, zeigte sich mit dem Streikbeginn zufrieden. Der Ausstand sei „gut angelaufen“. Andres bekräftigte erneut die Forderungen nach Tariferhöhungen, die den Inflationsverlust ausgleichen. Das Angebot der Arbeitgeber von 4,9 Prozent bis 2015 hält ver.di für unzureichend.

Andres lehnte einen Tarifvertrag mit dreijähriger Laufzeit erneut ab. Damit könne nicht flexibel reagiert werden. Mit Blick auf die teils massive Kritik an dem 15-stündigen Warnstreik sagte er, der Tag sei bewusst gewählt worden, um die „Masse der Berufstätigen und den Schülerverkehr“ nicht zu beeinträchtigen. Er fügte hinzu: „Die Fahrgäste sind nicht unsere Gegner, sondern die Arbeitgeber.“

Allerdings befördert die BVG laut eigenen Angaben auch an Samstagen 1,8 Millionen Fahrgäste. Hinzu kamen diesmal die Veranstaltungen der Berlinale und das für den Nachmittag geplante Fußballbundesligaspiel Hertha BSC gegen Borussia Dortmund im Olympiastadion.

Situation könnte sich noch zuspitzen

Verdi-Sprecher Andreas Splanemann warb um Verständnis bei den Fahrgästen. „Der Samstag ist die weichere Variante des Warnstreiks“, betonte er. Die Situation könne sich in der kommenden Woche noch zuspitzen. Er hoffe auf ein neues Angebot der Arbeitgeber.

Ein BVG-Sprecher ging davon aus, dass der Verkehr nach dem offiziellen Streikende um 19.00 Uhr nur langsam wieder anläuft. Als erstes sollte die U-Bahn wieder fahrplanmäßig fahren, Busse und Straßenbahnen vermutlich erst nach zwei Stunden.

Weitere Aktionen nicht ausgeschlossen

Sollte der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) bei den nächsten Tarifverhandlungen am Montag ver.di nicht deutlich entgegenkommen, werde es weitere Streiks geben, kündigte Andres an. Die Positionen der Tarifparteien lägen „noch weit auseinander“.

Die Arbeitgeber hatten den Warnstreik als überzogen kritisiert. Sie verwiesen auf den engen finanziellen Spielraum des hoch verschuldeten Unternehmens und schlossen aus, über den bisherigen finanziellen Rahmen von 38,6 Millionen Euro hinauszugehen.

dapd/dpa

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