Umbau noch lange nicht beendet

VW steht vor Personalrochade: Weiterer Chef muss Posten räumen

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Nach Matthias Müller (r.) muss wohl auch Karlheinz Blessing (l.) seinen Posten bei VW räumen.

Der Umbau bei VW ist mit dem Wechsel an der Konzernspitze noch lange nicht beendet. Mindestens ein weiterer Manager muss Platz machen. Der Konzern will sich für die großen Herausforderungen der Branche rüsten.

Wolfsburg - Bei dem überraschend angekündigten Umbau der VW-Führungsetage werden neben der geplanten Ablösung von Konzernchef Matthias Müller weitere Personalien bekannt. In Konzernkreisen heißt es, dass auch Personalchef Karlheinz Blessing gehen muss. Sein Nachfolger soll demnach Gunnar Kilian und damit ein enger Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh werden. Anstelle von Müller soll der bisherige Markenchef Herbert Diess künftig die wichtigen Entscheidungen im Konzern treffen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus Kreisen des Kontrollgremiums erfuhr, wird dem amtierenden VW-Konzernchef Matthias Müller intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen. Der geplante Konzernumbau bei Volkswagen soll nach Darstellung aus Aufsichtsrats-Kreisen einen neuen „Aufbruch“ bei Europas größtem Autokonzern ermöglichen. Der notwendige Umbau gehe unter Müller nicht schnell genug, hieß es mit Blick auf den grundlegenden Wandel der Automobilindustrie. „Das war keine einfache Zeit, mit einem hohen Druck von außen“, sagte Branchenexperte Stefan Bratzel der dpa. Müller habe aber beim Umbau positive Akzente gesetzt.

„Volkswagen muss sehr viel flexibler werden“

Müllers voraussichtlicher Nachfolger Diess gilt als jemand, der strategisch denkt und schnell Entscheidungen treffen kann. Bei einer Aufsichtsratssitzung sollen die Personalien am Freitag auf den Weg gebracht werden. Diess war früher BMW-Vorstandsmitglied und ist seit Sommer 2015 bei VW, kurz bevor der Diesel-Abgasskandal ins Rollen kam. Der 59-Jährige galt bereits länger als „Kronprinz“ Müllers (64). In seiner Zeit als Chef der Marke VW mit Modellen wie Golf oder Passat hat er die Effizienz bei den ertragsschwachen Wolfsburgern bereits verbessert. Er scheut auch Konflikte mit dem Betriebsrat nicht.

VW steht wie die gesamte Branche vor einem massiven Wandel. Die Zukunftsthemen sind alternative Antriebe und das autonome Fahren, dies bringt große Veränderungen mit sich. „Volkswagen muss sehr viel flexibler werden in seinen Strukturen“, sagte Autoexperte Bratzel, der das Automanagement-Institut CAM in Bergisch Gladbach leitet. Er hält kleinere Einheiten im Konzern für nötig. „Bei VW braucht es eine neue Kultur von Flexibilität und schnellen Entscheidungswegen, aber das kann nicht von heute auf morgen gehen.“

Der frühere Porsche-Chef Müller war kurz nach Bekanntwerden des Abgasskandals im Herbst 2015 neuer VW-Konzernchef geworden. Er hatte damals den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn abgelöst, der zurückgetreten war.

Müller hatte zuletzt auch branchenintern für Aufsehen gesorgt, weil er die bestehenden Steuervorteile für Dieselsprit in Zweifel gezogen hatte. Konkret schlug er eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen hin zu alternativen Antrieben vor. Die Diesel-Neuzulassungen sind seit Monaten auf Talfahrt, der Diesel ist für VW aber sehr wichtig. Der Konzern hat viel Geld in die Entwicklung der komplizierten und teuren Motoren gesteckt.

dpa

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