Volks-PC bald aus der Volksrepublik?

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Weil Medion sich sehr eng an seinen Hauptkunden Aldi band, schlitterte der Elektronikhersteller Medion Mitte des Jahrzehnts in eine Krise.

Essen - Der chinesische Computerkonzern Lenovo will das deutsche Elektronikunternehmen Medion übernehmen. Bekannt ist es für den Bau von Aldi-PCs - auch "Volks-PC" genannt.

Der bekannte Elektronikhersteller und Aldi-Lieferant Medion soll chinesisch werden: Der Computerproduzent Lenovo will für die Essener rund 629 Millionen Euro zahlen. Medion ist vor allem für seine bei Aldi vertriebenen Computer, Kameras oder Navigationsgeräte bekannt. Lenovo bietet den Medion-Aktionären 13 Euro je Aktie in bar, wie die Chinesen am Mittwoch in Düsseldorf mitteilen. Das sind etwa 18 Prozent mehr, als die Aktie am Dienstagabend wert war. Der Computerhersteller hatte vor einigen Jahren bereits die PC-Sparte des US-Konzerns IBM erworben und will Medion am liebsten komplett übernehmen - mindestens sollen es aber 51 Prozent des Grundkapitals sein.

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Damit greift erstmals ein chinesischer Investor nach einem sehr bekannten deutschen Unternehmen. Über einen solchen Schritt war zuletzt wegen der vollen chinesischen Kassen immer wieder spekuliert worden. In den vergangenen Jahren waren Investoren aus China unter anderem bei angeschlagenen deutschen Unternehmen wie Opel oder Dresdner Bank im Gespräch. Aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen waren diese Versuche aber gescheitert.

Stattdessen griffen Chinesen bei weniger bekannten Unternehmen zu, wie beispielsweise beim angeschlagenen Autozulieferer SaarGummi oder den Werkzeugmaschinenherstellern Schiess und Waldrich Coburg.

Beim weithin bekannten Elektronikspezialisten Medion dürfte es jetzt klappen: Denn der 1984 gegründete und inzwischen weltweit viertgrößte PC-Hersteller Lenovo hat Erfahrung mit Auslandsübernahmen. Bereits 2005 schlug Lenovo spektakulär zu und übernahm die PC-Sparte des amerikanischen IT-Konzerns IBM für 1,75 Milliarden Dollar. Dies war die erste größere Übernahme eines chinesischen Unternehmens in den Vereinigten Staaten.

Lenovo will zudem bei der PC-Produktion künftig mit dem japanischen Konzern NEC zusammenarbeiten. Bei seiner Expansion hat Lenovo mächtige Rückendeckung: Hinter dem Konzern steht mit Legend ein vom Staat kontrollierter Großaktionär.

Medion mit Hauptsitz in Essen hat sich vor allem um die Jahrtausendwende durch billige Computer für die Handelskette Aldi einen Namen gemacht. Nach wie vor ist der Discounter einer der wichtigsten Kunden von Medion. Das 1983 gegründete und 1998 an die Börse gebrachte Unternehmen schlitterte Mitte des vergangenen Jahrzehnts - unter anderem wegen der hohen Abhängigkeit von Aldi - in eine Krise, von der es sich nur langsam erholt.

Auf dem Weg zur angestrebten Medion-Mehrheitsübernahme hat Lenovo bereits einen großen Schritt gemacht: Der Unternehmensgründer, Mehrheitseigentümer und Vorstandschef Gerd Brachmann nahm das Angebot zu großen Teilen bereits an - er wird laut der Mitteilung knapp 17,75 Millionen Aktien für rund 230,7 Millionen Euro an die Chinesen abgeben. Brachmann erhält 80 Prozent davon in bar und 20 Prozent in Form von Lenovo-Aktien.

2010 setzte Medion 1,64 Milliarden Euro um und verdiente vor Zinsen und Steuern 28,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 hatte der Erlös noch knapp drei Milliarden Euro betragen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 179,9 Millionen Euro.

Medion beschäftigte zuletzt etwas mehr als 1000 Mitarbeiter. Der Angebotspreis für die Medion-Aktionäre liegt knapp 18 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Dienstagabend und rund 30 Prozent über dem Kurs vom vergangenen Freitag. Vorbörslich lag der Medion-Kurs am Mittwoch rund 19 Prozent im Plus. CeBit-Rückblick: Das sind die Trends 2011

dpa

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