In diesem Bad stieg die Versicherungs-Sex-Party

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Das Gellert-Heilbad in Budapest: Dort soll die Sexparty stattgefunden haben. 

Düsseldorf - Belohnung mit 20 Prostituierten: Die zum Ergo-Versicherungskonzern gehörende Hamburg-Mannheimer hat für ihre besten 100 Vertreter eine rauschende Sex-Party in Budapest organisiert.

“Topverkäufer in den Tropen“, “Exklusivauftritt der Rolling Stones“ - für ihre Besten lassen es gut verdienende Unternehmen gerne krachen. Die Incentive-Branche organisiert den Spaß und lebt davon. Für die Ergo-Versicherung hat eine Sprecherin am Donnerstag einräumen müssen, über das Ziel hinausgeschossen zu sein.

Bei einer rauschenden Sex-Party in Budapest sollen mindestens 20 Prostituierte die altehrwürdigen Gellert-Thermen in ein Freiluftbordell verwandelt und die Top-Vertreter der Hamburg-Mannheimer verwöhnt haben. Die Zahl 20 bestätigte eine Ergo-Sprecherin. Teilnehmer berichteten dem “Handelsblatt“ sogar von etwa 100 Damen mit eindeutigem Auftrag.

Bei Lustwandeln und Entspannung im historischen Jugendstil-Ambiente ist es am 5. Juni 2007 nicht geblieben. Himmelbetten - mit Tüchern verdeckt - lockten die Herren Handelsvertreter zum deutsch-ungarischen Beziehungsaustausch mit Damen des horizontalen Gewerbes.

Für Ergo kommt die Affäre sehr ungelegen. Die Versicherungsgruppe gibt gerade Millionen aus, um die Marke Ergo bekannt zu machen und ihr ein positives Image einzuhauchen. Die groß angelegte Werbekampagne mit TV-Spots kostet in diesem Jahr etwa 20 Millionen Euro nach ungefähr 50 Millionen Euro im Vorjahr.

Konzernchef Torsten Oletzky ersetzte im vergangenen Sommer die Traditionsnamen Hamburg-Mannheimer und Victoria durch den Holdingnamen Ergo. Für den Ergo-Großaktionär Munich Re hatte Oletzky, bis 2004 selbst bei der Hamburg-Mannheimer, mit stark steigenden Gewinnen zuletzt nur gute Meldungen aus Düsseldorf.

“Verstanden“, heißt es in den TV-Spots von Ergo, die sich als besonders problembewusst und kundenorientiert darstellt. Jetzt wird Oletzky beim Wort genommen: Der Bund der Versicherten fordert Aufklärung, auch wenn die Sexparty bereits vier Jahre zurückliegt und sieht beim Image des Versicherers bereits den Schadensfall eingetreten.

Auch in Ungarn werden nun Fragen laut: Die Budapester Heilbäder-Gesellschaft, die das Gellert-Bad betreibt, erklärte am Donnerstag einer ungarischen Internet-Zeitung, dass man nichts von der Sex-Orgie gewusst habe.

Die Versicherungs-Hauspostille “Profil“ soll von dem Kurztrip nach Ungarn dagegen später geschwärmt und sich in Andeutungen ergangen haben (“Wer diesmal seine Badehose vergessen hatte, der hatte selbst Schuld.“) Frauen sind in jenem Jahr offenbar nicht unter den besten 100 Handelsvertretern der Hamburg-Mannheimer gewesen, jedenfalls waren sie nicht eingeladen. “Warum nicht, wird noch geprüft“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Nun bedauert die Ergo den Vorfall, der “einen gravierenden Verstoß gegen geltende Richtlinien des Unternehmens“ darstelle. Die geltenden, schärferen Richtlinien existieren allerdings erst seit dem Jahr 2008. Arbeitsrechtliche Konsequenzen müssen die Teilnehmer nicht befürchten, denn es handelt sich um selbstständige Handelsvertreter. Die Enthüllung dürfte allerdings privat manchen “Stress-Test“ auslösen.

Die verantwortliche Führungskraft und das verantwortliche Vorstandsmitglied seien “für uns nicht mehr tätig“, so Ergo - aber nicht wegen der Sex-Party in Budapest: “Die sind gegangen, bevor die Vorwürfe bekannt waren.“ Wie viel die Vertreter-Bespaßung gekostet hat, wollte die Versicherung nicht mitteilen. Jeder Teilnehmer habe aber später 3000 Euro als geldwerten Vorteil versteuern müssen.

Das “Handelsblatt“ beruft sich auch auf eidesstattliche Versicherungen mehrerer Teilnehmer der Orgie: Am Einlass hätten auch Foto-Handys abgegeben werden müssen: “Dann kamen die Damen und zeigten uns, was sie hatten. Allen Beteiligten war klar, dass es sich um Prostituierte handelte.“

Sogar während der Orgie war die Firmen-Hierarchie gegenwärtig: “Die Damen trugen rote und gelbe Bändchen. Die einen waren als Hostessen anwesend, die anderen würden sämtliche Wünsche erfüllen. Es gab auch Damen mit weißen Bändchen. Die waren aber reserviert für die Vorstände und die allerbesten Vertriebler.“

dpa

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