Handelskrieg

USA und China verhandeln trotz Eskalation weiter

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Liu He (r) reist erneut in die USA, um mit Steven Mnuchin (M) und Robert Lighthizer zu verhandeln. Foto: Andy Wong/AP POOL

Ungeachtet der Androhung neuer US-Zölle will China erst einmal weiter mit den USA reden. Greift Peking aber zu Vergeltungsmaßnahmen, wären auch deutsche Autobauer wie BMW und Mercedes schwer betroffen.

Peking/Washington (dpa) - Trotz der Eskalation in ihrem Handelskrieg setzen die USA und China ihre Verhandlungen auf Spitzenebene fort.

Nach den Irritationen über die Ankündigung neuer hoher US-Sonderzölle auf Einfuhren aus China wollen die Unterhändler mit einem Tag Verspätung am Donnerstag und Freitag in Washington zusammenkommen, wie beide Seiten bestätigten. Die chinesische Delegation werde unverändert von Vizepremier Liu He angeführt, teilte das Pekinger Handelsministerium mit.

Mit der Ankündigung wurde vorerst die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Handelsgespräche beseitigt, da die Verhängung neuer Zölle in Peking für erkennbare Verärgerung gesorgt hatte. "Zusätzliche Zölle werden keine Probleme lösen", sagte Außenamtssprecher Geng Shuang vor Journalisten in Peking. "Es ist völlig normal für beide Seiten, Differenzen zu haben." China weiche Widersprüchen nicht aus und wolle die Gespräche ernsthaft fortsetzen.

Aus Unzufriedenheit über die chinesische Verhandlungsführung hatte US-Präsident Donald Trump am Sonntag überraschend angekündigt, die bereits geltenden Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von diesem Freitag an zu erhöhen - von bisher 10 auf 25 Prozent. Dies soll in der Nacht zu Freitag in Kraft treten, eine Minute nach Mitternacht. Trump drohte auch damit, bald alle Einfuhren aus China im Wert von mehr als 500 Milliarden US-Dollar mit solchen 25-prozentigen Zöllen zu überziehen.

Die US-Regierung machte China für die Eskalation verantwortlich. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sagte, China habe in den Verhandlungen bereits gemachte Zusagen wieder zurückgenommen. Die "Washington Post" zitierte Lighthizer mit den Worten: "Das ist aus unserer Sicht inakzeptabel." Die neuen Forderungen der Chinesen seien der US-Regierung Ende vergangener Woche übermittelt worden und hätten Trump wütend gemacht, berichtete das Blatt.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sieht in der jüngsten Eskalation zwischen den USA und China eine "Bedrohung für die Weltwirtschaft". "Wir hatten den Eindruck, dass diese Bedrohung nachließ, dass sich die Beziehungen verbesserten und dass wir uns auf ein Abkommen zubewegten", sagte Lagarde der Nachrichtenagentur AFP zufolge in Paris. Man hoffe, dass das immer noch der Fall sei. Aber die Gerüchte, Tweets und Kommentare würden im Moment nicht dafür sprechen.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußerte sich besorgt und sagte am Dienstag in Brüssel, der Handelskonflikt zwischen den USA und China könne Investitionen auf beiden Seiten des Atlantik abschwächen. Angesichts internationaler Spannungen und Unsicherheiten geht die EU-Kommission im laufenden Jahr von einem schwächeren Wirtschaftswachstum in der Eurozone aus. Gründe sind vor allem die Abkühlung der Weltwirtschaft und zunehmende internationale Handelskonflikte, vor allem eben zwischen den USA und China.

Auf neue US-Sonderzölle könnte China mit Vergeltung in ähnlicher Höhe reagieren. Solche "Gegenzölle" würden dann auch deutsche Autobauer wie BMW und Mercedes sowie den amerikanischen Elektro-Auto-Hersteller Tesla hart treffen, warnte der Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Alle drei exportieren im großen Stil von Produktionsstätten in den USA nach China. BMW dürfte 2018 "deutlich mehr als 100.000 Fahrzeuge" nach China verschifft haben.

Bei einem Zollkrieg müsste BMW mit Verlusten "von deutlich mehr als 500 Millionen Euro" im operativen Ergebnis rechnen. "Keine schöne Aussicht", meinte Dudenhöffer. Auch für Mercedes stelle der Handelskrieg "ein Gewinn-Risiko von 200 bis 300 Millionen Euro" dar, errechnete der Branchenfachmann. Der Export von Daimler aus den USA nach China dürfe etwa bei 40.000 Autos liegen.

Besonders dürfte der US-Elektrohersteller Tesla getroffen werden, der nächstes Jahr seine Fabrik in China starten will. In diesem Jahr dürfte mit der Einführung des Model S geplant werden, rund 150.000 Autos in China zu verkaufen - mehr als ein Drittel der Verkäufe weltweit. Bei der schwierigen Lage von Tesla gibt es laut Dudenhöffer damit ein "zusätzliches, außerordentlich hohes Unternehmensrisiko".

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