Unter bestimmten Umständen

Urteil: Arbeitgeber darf Tragen von Kopftüchern verbieten

Luxemburg - Arbeitgeber dürfen das Tragen von Kopftüchern und anderer religiöser Zeichen verbieten. Das entschied der EuGH am Dienstag.

Arbeitgeber dürfen Kopftücher am Arbeitsplatz laut Europäischem Gerichtshof verbieten. Voraussetzung ist aber, dass weltanschauliche Zeichen im Unternehmen generell verboten sind und dass es gute Gründe gibt. Das entschied der Europäische Gerichtshof am Dienstag in Luxemburg (Rechtssachen C-157/15 und C-188/15). Allein der Wunsch eines Kunden, dass keine Frau mit Kopftuch für ihn Leistungen erbringt, genügt nicht für ein Verbot.

In Deutschland sind Kopftücher am Arbeitsplatz im Prinzip erlaubt, Einschränkungen sind aber möglich - es ist am Ende Abwägungssache. Bei der Beurteilung müssen sich deutsche Gerichte künftig an die Klarstellungen des EuGH halten.

So entschied das Bundesarbeitsgericht 2002, einer Kaufhausverkäuferin habe wegen Tragens eines islamischen Kopftuchs nicht gekündigt werden dürfen. Das Bundesarbeitsgericht urteilte 2014 aber auch, dass kirchliche Arbeitgeber das Tragen des muslimischen Kopftuchs im Dienst in der Regel verbieten dürfen.

Anlass der aktuellen EuGH-Urteile sind Klagen muslimischer Frauen. In Belgien war der Rezeptionistin Samira A. nach drei Jahren Arbeit in einem Sicherheitsunternehmen entlassen worden. Zuvor hatte sie angekündigt, das Kopftuch künftig auch während der Arbeitszeit tragen zu wollen. Das widersprach jedoch der internen Arbeitsordnung, die sichtbare Zeichen von „politischen, philosophischen oder religiösen Überzeugungen“ nicht erlaubte.

Unter diesen Umständen stelle ein Kopftuchverbot keine unmittelbare Diskriminierung dar, erklärten die Luxemburger Richter. Allerdings könne es um „mittelbare Diskriminierung“ gehen, also eine Regelung, die Personen mit einer bestimmten Religion oder Weltanschauung besonders benachteiligt. Dies könne jedoch gerechtfertigt sein, etwa um politische, philosophische oder religiöse Neutralität gegenüber Kunden zu wahren. Relevant sei auch, ob die Regelung nur Angestellte mit Kundenkontakt betreffe.

Etwas unklarer ist der Fall aus Frankreich. Asma B. verlor ihren Job als Software-Designerin bei einem Unternehmen, nachdem ein Kunde sich beschwert hatte, weil sie mit Kopftuch arbeitete. Hier sei unter anderem nicht klar, ob das Tragen des Tuchs gegen unternehmensinterne Regelungen verstoße, so die Richter. Das Verbot sei hingegen nicht gerechtfertig, wenn es allein aus dem Willen des Arbeitgebers entstehe, den Wünschen eines Kunden zu entsprechen, der seine Leistungen nicht von einer Frau mit Kopftuch erbringen lassen wolle.

Die konkreten Einzelfälle von Samira A. und Asma B. müssen nun Gerichte in Belgien und Frankreich nach Maßgabe der Luxemburger Richter entscheiden.

afp/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Schmelzer schießt Dortmund in Bergamo ins Achtelfinale

Schmelzer schießt Dortmund in Bergamo ins Achtelfinale

Elfter Markt der Möglichkeiten im Weyher Rathaus

Elfter Markt der Möglichkeiten im Weyher Rathaus

"Jugend forscht" in Diepholz

"Jugend forscht" in Diepholz

Boliden-Ranking: Das sind die schnellsten Sportwagen der Welt

Boliden-Ranking: Das sind die schnellsten Sportwagen der Welt

Meistgelesene Artikel

Edeka nimmt 160 Nestlé-Produkte aus Sortiment - So reagiert der Konzern

Edeka nimmt 160 Nestlé-Produkte aus Sortiment - So reagiert der Konzern

Stiftung Warentest untersucht 30 Lachsfilets und gibt Kunden allgemeinen Tipp

Stiftung Warentest untersucht 30 Lachsfilets und gibt Kunden allgemeinen Tipp

Planen Aldi Süd und Aldi Nord den Mega-Coup? Experte erklärt was dahinter steckt

Planen Aldi Süd und Aldi Nord den Mega-Coup? Experte erklärt was dahinter steckt

Geplante Deutschland-Expansion: Burger King holt sich Verstärkung

Geplante Deutschland-Expansion: Burger King holt sich Verstärkung

Kommentare