Lokführer stimmen über unbefristete Streiks ab

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Frankfurt/Berlin - Die Lokführergewerkschaft GDL präsentiert am Montagnachmittag das Ergebnis der Urabstimmung über flächendeckende Streiks. Die werden immer wahrscheinlicher:

Die Lokführergesellschaft GDL hat mit der Auszählung ihrer Urabstimmung begonnen und geht davon aus, die Streiks in den nächsten Tagen auszuweiten. Man erwarte eine hohe Beteiligung und eine deutliche Unterstützung für die Arbeitskämpfe, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag in Frankfurt. “In der Folge werden wir noch in dieser Woche die Arbeitskampfmaßnahmen ausdehnen, sofern wir keine Angebote von den Arbeitgebern erhalten.“

Dabei solle der Güterverkehr stärker getroffen werden. “Wir werden aber auch nicht darauf verzichten können, den Personenverkehr weiterhin ein Stück weit zu bestreiken.“ Die Auszählung soll am Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr beendet sein. Dann will sich die GDL erneut äußern.

Die Zeichen stehen also auf Streiks im Bahnverkehr. Dann könnten aus den dreistündigen Warnstreiks an ausgesuchten Orten längere, flächendeckende Arbeitsniederlegungen werden. Das Chaos scheint vorprogrammiert. 

Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat unterdessen der Lokführergewerkschaft GDL angeboten, im festgefahrenen Tarifstreit mit den Bahn-Arbeitgebern zu vermitteln. “Wenn man mich bittet, noch einmal zu schlichten, wäre ich dazu bereit“, sagte er dem Berliner “Tagesspiegel“ (Montag). Er halte es für geboten, dass die GDL das Angebot der Deutschen Bahn und der sechs Privatbahnen, sich an einen Tisch zu setzen, annehme. Dann sollte sie auf der Grundlage des bereits erzielten Branchentarifvertrags weiter verhandeln.

GDL fordert einheitliche Tarifbedingungen

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky rechnet damit, dass über 90 Prozent der Lokführer bei der Urabstimmung für einen Arbeitskampf stimmen. Dann könnten die Streikaktionen schon ab Dienstag massiv ausgeweitet werden.

Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) warnte vor möglichen schweren Folgen für die deutsche Wirtschaft. Streiks im Schienengüterverkehr könnten bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen führen. Eine Verlagerung der Transporte auf die Straße oder das Binnenschiff sei kurzfristig oft nicht möglich.

Die GDL will einheitliche Tarifbedingungen für rund 26 000 Lokführer auf dem Niveau der Deutschen Bahn (DB). Diese Forderung hat sie in den vergangenen zwei Wochen mit drei Warnstreiks unterstrichen. Betroffen von den Warnstreiks waren sowohl die DB als auch deren Konkurrenten, die Lokführer zu schlechteren Konditionen beschäftigen. Die Verhandlungen sind festgefahren, sechs Anbieter wollen auch nicht mehr gemeinsam mit der GDL sprechen.

Pro Bahn: Gewerkschaften dürfen Bahnkunden nicht als Geiseln nehmen

Passau (dapd). Vor dem in dieser Woche drohenden erneuten Ausstand der Lokführer hat der Fahrgastverband Pro Bahn die Gewerkschaften dazu aufgefordert, sich in Zukunft Gedanken über andere Formen des Arbeitskampfes zu machen. “Der Streik sollte vor allem die Bahnunternehmen treffen und nicht in erster Linie die Fahrgäste“, sagte Verbandsvorsitzender Karl-Peter Naumann der “Passauer Neuen Presse“ (Montagausgabe). Es könne nicht sein, “dass die Kunden von den Gewerkschaften als Geiseln genommen werden, obwohl sie eigentlich dieselben Interessen haben wie die Gewerkschaften.“

Zwar hätten auch die Bahnkunden Verständnis für die Forderung nach einem Branchentarifvertrag. “Wenn Pendler jedoch wegen eines Streiks bei der Bahn nicht zur Arbeit kommen, ist das schon eine massive Einschränkung“, sagte Naumann.

Eine Ausweitung der Streiks auf den Güterverkehr könne nach Ansicht des Fahrgast-Verbandschefs auf die Lokführer zurückschlagen. Wenn der Schienenverkehr nicht zuverlässig laufe, würden nicht nur Fahrgäste, sondern auch Unternehmen wieder verstärkt auf die Straße wechseln. Weniger Fahrgäste und Fracht bedeuteten aber auch weniger Bahnverkehr, und dann würden auch weniger Lokführer benötigt.

dapd

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