Unternehmen investieren Milliarden in Kraftwerke

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Unternehmen wollen Milliarden in neue Kraftwerke investieren.

Berlin - Gibt es genug Kraftwerke, um das Atomaus zu verkraften? Eine neue Projektleiste zeigt: Es ist einiges in der Pipeline. Doch noch sind einige Fragen offen.

Die deutschen Energieunternehmen wollen rund 60 Milliarden Euro in neue Windparks, Gas- und Kohlekraftwerke investieren, um so den Atomausstieg abzufedern. Die Branche gehe die Energiewende “mit erheblichem Investitionsoptimismus“ an, sagte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), am Montag auf der Hannover Messe. Nach der vom BDEW erstellten neuen Kraftwerksliste gebe es 84 große Kraftwerksprojekten mit einer Leistung von 42.000 Megawatt.

Das Engagement bei Wind-Anlagen auf See, Pumpspeicherwerken sowie bei Kohle- und Gaskraftwerken, werde derzeit aber teilweise gebremst durch Rechtsunsicherheiten, fehlende politische Rahmenbedingungen und durch Zweifel, ob sich Projekte rechnen.

“Wenn wir das Verhältnis von 20 Prozent erneuerbaren und 80 Prozent konventionellen Energien bis 2050 umkehren wollen, haben wir noch einen weiten Weg vor uns“, betonte Müller. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte am Montag in Berlin, dass womöglich gerade bei Planungsverfahren nachgesteuert werden müsste. “Fristen für den Neubau von Gaskraftwerken von zehn Jahren, da ist zu lang.“

Rechnet sich die Investition?

Die Branche hadert eigenen Angaben zufolge zudem damit, dass noch ein klares Marktdesign fehlt, wie der künftige Energiemarkt aussehen soll. Da es einen Einspeisevorrang für Wind- und Solarstrom gibt, ist bei immer mehr Ökoenergie unklar, ob sich eine Milliardeninvestition in ein Gaskraftwerk rechnet. Denn bisher ist nicht klar und unabsehbar, wie viele Stunden das Kraftwerk pro Jahr Strom produzieren kann. Dieses zunehmend größere Problem war vergangene Woche auch Thema eines Kraftwerksforums im Bundeswirtschaftsministerium.

Müller warnte insgesamt vor einem Schönreden und Ausblenden von Realitäten. Der BDEW verwies am Montag zwar erneut auf bereits Anfang des Jahres vorgestellte Zahlen, wonach Deutschland trotz des Aus für acht Kernkraftwerke 2011 netto sechs Milliarden Strom exportiert hat. Allerdings waren es 2010 noch 18 Milliarden Kilowattstunden und im vergangenen Jahr wurde unter anderem aufgrund einer milden Witterung insgesamt verhältnismäßig wenig Strom hierzulande verbraucht.

"Genügend Projekte in der Pipeline"

Zu den wichtigsten Problemen gehören laut Müller neben fehlenden Stromtrassen vor allem Haftungsfragen. Bei der Risikoabsicherung von Schäden oder Verzögerungen sollte eine Versicherungslösung gefunden werden, die es bislang aber noch nicht gebe, so Müller. Die Politik müsse zudem für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen, auch beim Erneuerbare-Energien-Gesetz gebe es noch viele offene Fragen.

“Die Kraftwerksliste zeigt, dass genügend Projekte in der Pipeline sind, um die abgehende Kernenergie zu ersetzen und als Backup für Erneuerbare Energien zu fungieren“, betonte Müller. Die Politik sei jetzt aber gefragt. Sie müsse sich dringend mit der Frage des künftigen “Marktdesigns“ auseinandersetzen, um die Bedingungen für den Bau neuer Kraftwerkskapazitäten zu klären.

dpa

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