Arbeitskräftemangel

Ukrainer bewahren Polens Wirtschaft vor Katastrophe

Einwohner von Awdijiwka in der Ukraine stehen für Lebensmittel an. Foto: Evgeniy Maloletka
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Einwohner von Awdijiwka in der Ukraine stehen für Lebensmittel an. Foto: Evgeniy Maloletka

Auf der Suche nach besser bezahlten Jobs verließen zahlreiche Polen nach dem EU-Beitritt das Land. Nun fehlt es an Arbeitskräften. Polnische Wirtschaftsvertreter hoffen, dass der seit der Krimkrise anhaltende Zustrom aus der Ukraine den Mangel mildert.

Warschau (dpa) - Die Krise im eigenen Land treibt immer mehr arbeitssuchende Ukrainer in das Nachbarland Polen - sie werden dort auch dringend gebraucht.

"Ohne die Ukrainer würde es in der Wirtschaft eine absolute Katastrophe geben", sagte Cezary Kazmierczak, Vorsitzender des polnischen Verbands für Unternehmer und Arbeitgeber, in Warschau. Denn der Arbeitskräftemangel sei groß. Rund zwei Millionen Polen sind seit dem EU-Beitritt ihres Landes im Jahr 2004 auf der Suche nach besser bezahlten Jobs abgewandert, etwa nach Großbritannien und Deutschland. Der anhaltende Zustrom aus der Ukraine hilft diese Lücken zu schließen.

Seit 2014 stieg die Zahl der Ukrainer, die in Polen arbeiten wollen, um das Doppelte auf fast eine Million an, wie aus einer Studie der polnischen Nationalbank hervorgeht. Hintergrund ist der bewaffnete Konflikt gegen russische Separatisten im Osten des Landes und die dadurch schlechte Wirtschaftssituation.

Im vergangenen Jahr wurden in Polen nach Angaben der Ausländerbehörde rund 90 Prozent der Anträge auf eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung von Ukrainern gestellt. Die östlichen Nachbarn würden sich schnell anpassen und von der Bevölkerung gut aufgenommen, betonte Kazmierczak. "Sie lernen von alleine die Sprache und führen die ihnen aufgetragene Arbeit gewissenhaft aus", sagte er.

In Polen übernehmen die ukrainischen Gastarbeiter meist Jobs im Haushalt, auf dem Bau oder in der Landwirtschaft.

Arbeiten, die polnische Migranten wiederum wegen der besseren Bezahlung oft im EU-Ausland übernehmen. Auf dem polnischen Markt stellen Ukrainer keine Konkurrenz dar. "Es sind Jobs, die Polen nicht ausüben wollen", sagte Kazmierczak. Oft bieten polnische Firmen den Einwanderern Hilfe bei Behördenangelegenheiten und der Wohnungssuche an.

Doch polnische Unternehmen planen zunehmend, auch einen drohenden Fachkräftemangel mit Personal aus der Ukraine auszugleichen. Experten fürchten aber, höhere Löhne könnten die Ukrainer schon bald in andere EU-Länder ziehen. Die Sorge ist berechtigt: Das Durchschnittsgehalt in Polen fällt mit rund 1080 Euro monatlich im Vergleich zu westlichen EU-Staaten niedrig aus. Zudem machte die EU erst kürzlich den Weg für eine visafreie Einreise für Ukrainer frei.

Arbeitenhmerverband Mitteilung

Studie der Nationalbank zu Ukrainern in Polen

Ausländerbehörde Polen

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