Trotz Risiken: Franchiseunternehmen auf Erfolgskurs

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Gegen ein Entgelt von der genialen Idee anderer Geschäftsleute profitieren – kein Konzept ermöglicht dies besser als Franchising.

Doch obwohl die 1075 Franchisegeber und 72.384 Franchisenehmer mit 541.000 Beschäftigten in Deutschland laut des Deutschen Franchise-Verbands ihren Umsatz in den letzten 13 Jahren auf 73,4 Milliarden Euro verdreifacht haben, lauern sowohl für Franchisegeber und Franchisenehmer viele Gefahren.

Alles begann 1940 an der Westküste der USA: Die Brüder Richard und Maurice McDonald eröffneten am 15. Mai „McDonald’s Bar-B-Q“. Durch die innovativen Herstellungsmethoden und die Umstellung auf Selbstbedienung wurde Neil Fox auf das gut funktionierende Restaurant aufmerksam – und 1953 erster Franchisenehmer der Brüder. Mittlerweile betreibt McDonald’s 6258 Restaurants in 119 Ländern – davon rund 80 Prozent nach dem Franchise-System.

Der Franchise-Begriff entstand ursprünglich im Frankreich des Mittelalters und meint heute die Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung von Rechten Dritter. In Deutschland hat McDonald's 235 Franchisenehmer. Durchschnittlich haben sie die Verantwortung für fünf Restaurants und damit für im Schnitt 250 Mitarbeiter. Da die Franchise-Rechte nur an Einzelpersonen vergeben werden, müssen Interessenten die Investitionssumme von mindestens 760.000 Euro allein aufbringen. Im Gegenzug versorgt McDonald's Deutschland die neuen Partner bei regelmäßigen Treffen mit Informationen und Erfahrungen. Dies ist natürlich auch in Bremen der Fall, denn hier gibt es mittlerweile zahlreiche Franchise-Anbieter.

Nach dem Erfolg von McDonald Anfang der 60er-Jahre kopierten in den USA viele Systemgastronomen wie KFC oder Subway‘s das Franchise-Modell. In Deutschland hielt das Business Format erst Ende der 60er-Jahre Einzug – zählt aber mittlerweile auch zu den am stärksten wachsenden Absatzmärkten. 2014 wuchs die Anzahl der Franchisesysteme im Vergleich zum Vorjahr um acht, der Umsatz sogar um 16,9 Prozent. In Bremen ist beispielsweise auch Pizzahut sehr präsent.

Die meisten Franchisenehmer kommen mit jeweils rund 20 Prozent aus Hotellerie/Gastronomie und Einzelhandel/Fachhandel. Unternehmen wie Apollo-Optik, Mobilcom Debitel, Engel & Völkers, Obi, Reno, Portas oder das Nachhilfeunternehmen Studienkreis zeigen aber die Bandbreite der Franchisesysteme. In jüngster Zeit gewinnen insbesondere Fitness- und Social-Franchisesysteme immer mehr an Bedeutung. So unterstützt zum Beispiel die Non-Profit-Organisation „Wellcome“ Familien nach der Geburt eines Kindes.

Die Vorteile für Franchisegeber liegen auf der Hand: Sie profitieren von den durch die Investitionen hochmotivierten Franchisenehmern und haben schnell Expansionsmöglichkeiten – ohne das finanzielle Risiko selbst zu tragen. Gleichzeitig erhalten sie durch den Kauf hoher Stückzahlen Einkaufsvorteile und von den Franchisenehmern zusätzliches Geld durch Serviceleistungen wie Trainings. Seit der zunehmenden Globalisierung ist ein klarer Trend zugunsten einer Internationalisierung von Franchisesystemen zu erkennen. Der Franchisegeber wird dadurch unabhängiger von Gewinneinbrüchen in einem Land.

Der Franchisenehmer wiederum profitiert durch die Globalisierung von einem international bekannten Markennamen. Dadurch sind die Gründungskosten viel geringer und der Markteintritt wird beschleunigt. Das System ist erfolgreich erprobt und durch das Know-how des Franchisegebers lassen sich typische Gründungsfehler vermeiden. Und natürlich profitiert auch der Franchisenehmer von den günstigen Einkaufskosten der Zentrale.

Doch die Entwicklung geht nicht nur nach oben. So gab es laut der Industrie- und Handelskammer 2013 schon einmal mehr Franchisenehmer in Deutschland. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt, Franchisenehmer seien bei ausbleibendem Erfolg immer die ersten Leidtragenden – selbst wenn er zum Beispiel wegen eines Imageschadens des Mutterkonzerns nichts dafür kann. Die Franchisegebühr von bis zu 33 Prozent des eigenen Umsatzes muss dennoch weitergezahlt werden.

„Der einzige Bereich, in dem der Franchisenehmer noch unternehmerische Freiheiten hat, ist die Personalpolitik“, sagt NGG-Sekretär Christian Wechselbaum. Das führe für Angestellte zu einem niedrigen Lohn und wenig Pausen, dafür aber zu überlangen Arbeitszeiten und hohem Druck. Und nicht selten kommt es über die erwarteten Leistungen zwischen Franchisegebern und Partnern zu Streit, was für Heerscharen von Anwälten sehr lukrativ ist.

Selbst für den Franchisegeber bleiben Risiken. Nach harten Auseinandersetzungen mit der NGG müssen sich inzwischen alle Franchisenehmer von McDonald‘s an einen Tarifvertrag halten – das kostet natürlich. Außerdem muss in allen Branchen immer wieder mit Auseinandersetzungen mit Arbeitsgerichten, Sozialversicherungsträgern und dem Finanzamt wegen Scheinselbstständigkeit gerechnet werden. Nicht zuletzt sind aufwendige Kontrollen nötig, die zum Beispiel bei Hygienemängeln wie bei Burger King in München vor zwei Jahren auch das Image des Franchisegebers beeinträchtigen können.

Die Risiken für beide Seiten minimieren könnte ein Franchise-Gesetz. Solche existieren bereits in Belgien, Frankreich, Italien, Schweden und Spanien. In Deutschland hingegen gibt es keine Ambitionen der Bundesregierung, für mehr Rechtssicherheit ein solches Gesetz zu verabschieden. Seit der Bundestagswahl 2013 ist das Thema von der Agenda verschwunden.

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