30.000 Arbeitsplätze betroffen

Spielwarenriese Toys R Us in den USA vor dem Aus

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Toys R Us ist in Milliardenhöhe verschuldet und bemüht sich schon länger erfolglos um einen Käufer. Foto: Jason Szenes/EPA

Große Läden, in denen sich ein Regal voller Spielzeug ans nächste reiht. Toys R Us war in den USA über viele Jahrzehnte eine feste Größe. Nun muss das Unternehmen seine Filialen schließen oder verkaufen.

Wayne (dpa) - Nach einem gescheiterten Rettungsversuch steht der Spielwarenhändler Toys R Us in den USA nach mehr als 70 Jahren vor dem Aus. Das Unternehmen aus dem Bundesstaat New Jersey kündigte an, in den kommenden Monaten alle 735 Filialen in den USA schließen oder verkaufen zu wollen.

Rund 30 000 Arbeitsplätze sind laut US-Medienberichten betroffen. Der Vorstandsvorsitzende Dave Brandon sprach von einem "traurigen Tag" für das Unternehmen und Millionen von Kindern und Familien. "Ich bin sehr enttäuscht mit diesem Resultat, aber wir haben nicht mehr den finanziellen Rückhalt, um das US-Geschäft des Unternehmens fortzuführen", sagte Brandon.

Der 1948 gegründete Spielwarenriese mit Sitz in Wayne ist in Milliardenhöhe verschuldet und bemüht sich schon länger erfolglos um einen Käufer. Im September 2017, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, hatte Toys R Us in den USA bereits Gläubigerschutz beantragt und die Schließung von 180 Filialen angekündigt. Am Mittwoch teilte das Unternehmen auch mit, die Tochterfirma in Großbritannien abwickeln zu wollen. Der Betrieb der etwa 100 Filialen in dem Land soll in den kommenden Wochen heruntergefahren werden.

Der Vorstandsvorsitzende Brandon sagte weiterhin, dass man sich um den Verkauf und die Restrukturierung der internationalen Unternehmenseinheiten bemühen wolle. Dabei geht es neben Asien auch um Deutschland, Österreich und die Schweiz.

In einer Mitteilung des deutschen Ablegers in Köln hieß es, die Landesgesellschaft in Zentraleuropa werde auch weiterhin allen Verpflichtungen und Verbindlichkeiten für Dienstleistungen und Warenlieferungen gegenüber ihren Geschäftspartnern und Mitarbeitern nachkommen. Die Filialen und Onlineshops hätten weiterhin geöffnet.

"Wir können in Zentraleuropa auf ein sehr solides Geschäftsjahr und eine gute Weihnachtssaison zurückblicken und werden auch weiterhin daran arbeiten, unser Unternehmen voranzutreiben und unseren Kunden sowohl im stationären Handel als auch online ein hervorragendes Einkaufserlebnis zu bieten", teilte der Geschäftsführer von Toys R Us Zentraleuropa, Detlef Mutterer, mit.

Die Insolvenz von Toys R Us in den USA war eines der jüngsten Beispiele für den von Branchenexperten als "Retail Apocalypse" bezeichneten Niedergang des klassischen amerikanischen Einzelhandels. Käufer wandern in Scharen ins Netz ab - vor allem zum Online-Riesen Amazon. In den USA sind Kaufhäuser und Shopping-Meilen deshalb inzwischen zunehmend vom Aussterben bedroht.

Mehr als ein Dutzend Ketten wie Payless, Gymboree oder Perfumania beantragten im vergangenen Jahr ebenfalls Gläubigerschutz. Andere Größen wie die Elektronikkette RadioShack oder Sports Authority sind schon vom Markt verschwunden. Kaufhaus-Ikonen wie Macy's, Sears, JC Penney's oder Kohl's ächzen schon lange unter dem Trend zum E-Commerce. Das ist eine Bedrohung für die gesamte US-Wirtschaft, da zahlreiche Jobs am klassischen Einzelhandel hängen. Analysten haben einen eigenen Fachbegriff für die Entwicklung entworfen: Sie sprechen vom "Amazon-Effekt".

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