Toyota ruft 1,5 Millionen Autos zurück

Tokio/Köln - Die beispiellose Pannenserie bei Toyota setzt sich fort. Nach klemmenden Gaspedalen und rutschenden Fußmatten macht nun das Brems- und Kraftstoffsystem Probleme. Auch deutsche Autofahrer sollten Obacht geben.

Toyota beordert weltweit erneut 1,5 Millionen Autos in die Werkstätten. Bremsflüssigkeit kann austreten und im schlimmsten Falle können dadurch die Bremsen ausfallen. Zudem können Kraftstoffpumpen ihren Dienst verweigern. Dies bestätigte ein Toyota-Sprecher am Donnerstag in Köln. Neben Toyota-Autos sind auch etliche Modelle der Nobeltochter Lexus betroffen. Auf dem wichtigen US-Markt ruft Toyota vorsorglich rund 740 000 Autos Wagen zurück, in Japan sind es knapp 600 000. In Deutschland sind nach Angaben des Sprechers 4593 Autos in Mitleidenschaft gezogen. Grund sei ein mögliches Leck an der Manschette des Hauptbremszylinders. Betroffene Halter würden per Post über das Kraftfahrt-Bundesamt benachrichtigt.

Die Rückrufe beziehen sich hierzulande auf die Lexus-Baureihen GS, IS und RX. Wenn es zu Problemen kommt, springt allerdings die Warnlampe des Bremssystems an. Darüber hinaus kann es beim Lexus GS zu Defekten an der Benzinpumpe kommen. Unfälle im Zusammenhang mit dem freiwilligen Rückruf habe es weltweit bislang nicht gegeben, versicherte der Sprecher. Toyota musste Anfang des Jahres bereits weltweit mehr als 8 Millionen Autos wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten zurückrufen, die meisten davon in den USA. Zudem setzten bei etwa einer halben Million Hybridautos die Bremsen kurzzeitig aus, weil das elektronische Bremssystem falsch programmiert war.

Das Image des bisher für seine Zuverlässigkeit bekannten Herstellers nahm enormen Schaden. “Ein Rückruf ist kein Problem, das verzeiht jeder, einen zweiten auch“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. “Aber wenn sich diese Rückrufe häufen, dann setzt sich bei vielen Menschen und Kunden im Kopf fest, dass etwas mit der Qualität und der Zuverlässigkeit der Fahrzeuge nicht stimmen kann. Dieser erneute Rückruf ist für Toyota deshalb sehr, sehr gefährlich.“ Vor allem in den USA hagelte es zu Jahresbeginn Kritik, ein Kongressausschuss zitierte sogar den Toyota-Chef herbei. Durch die amerikanischen Medien geisterten über Monate Horrorgeschichten von tödlichen Unfällen.

Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass der weitaus überwiegende Teil der Unglücke auf das Konto der amerikanischen Fahrer ging. Ein ähnliches Desaster hatte Audi in den 1980er Jahren in den USA erlitten. Damals hatte ein Fernsehsender darüber berichtet, dass der Audi 5000 von selbst beschleunigen würde. Der Absatz brach dramatisch ein, über Jahre fristete die VW-Tochter ein Schattendasein in den USA, während der nahezu baugleiche Audi 100 in Europa zum Erfolg wurde. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Amerikaner schlicht das Gas- mit dem Bremspedal verwechselt hatten. Von dem neuerlichen Toyota-Rückruf sind neben den Lexus-Autos die Toyota-Modelle Crown, Kluger, Harrier, Alphard, Majesta, Mark X, Highlander, Avalon und Reiz betroffen. Die Schwierigkeiten reichen nach einer Mitteilung von Toyota USA bis in die Modelljahre 2004 zurück. Toyotas Pannenserie hat die gesamte Autoindustrie sensibilisiert. Vor allem in den USA häufen sich die Rückrufe. So hatte der größte Hersteller des Landes, General Motors, jüngst vor falsch befestigten Sicherheitsgurten in Impala-Limousinen gewarnt. Auch Toyota hatte zwischenzeitlich immer wieder mit Problemen zu kämpfen wie etwa Motoraussetzern beim beliebten Kompaktwagen Corolla.

Autodebakel - die größten Rückrufaktionen

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dpa

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