Vom Erfolg des Betriebs profitieren?

Top-Manager fordern mehr Aktien für eigene Mitarbeiter

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Siemens-Chef Joe Kaeser.

Mein Mitarbeiter, mein Aktionär? Dass Konzerne ihre eigene Belegschaft am Unternehmen beteiligen, ist in Deutschland nicht besonders verbreitet. Eine Reihe von Vorständen, Hochschulprofessoren und Aktionärsvertreten würde das gerne ändern.

Berlin - Vorstände großer Firmen wie Siemens, Telekom und RWE fordern, Mitarbeiter stärker direkt am Unternehmen zu beteiligen. Nur etwa die Hälfte der Dax-Konzerne biete ihren Mitarbeitern eine direkte Beteiligung etwa über Mitarbeiteraktien an, betonen Siemens-Chef Joe Kaeser und gut 60 andere Unterzeichner in einem Appell, der diese Woche etwa in Anzeigen veröffentlicht werden soll.

Auch in kleineren und mittelständischen Unternehmen werde das Potenzial mit derzeit etwa 3500 Programmen nur ungenügend ausgeschöpft, heißt es in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehören zum Beispiel Vertreter von Hochschulen, Vorstände des Baukonzerns Bilfinger, des Onlinehändlers Zalando und des Düngemittelproduzenten K+S sowie das Deutsche Aktieninstitut.

Bei Aktiengesellschaften heißt Beteiligung: Mitarbeiter bekommen Aktien und werden so zu Anteilseignern ihres Betriebs. Sie profitieren dann finanziell, wenn ihr Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist. Geht es dem Unternehmen schlechter, kann das aber - neben der möglichen Bedrohung des Jobs - finanzielle Einbuße bringen, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mitteilt.

Siemens-Chef will 200.000 Beschäftigte als Aktionäre sehen

Die Beteiligung an Unternehmen friste ein Schattendasein in Deutschland, kritisieren Köpfe aus der Wirtschaft, die den Appell unterstützen. Nur wenige Deutsche investierten laut Deutschem Aktieninstitut in Aktien, rund 1,1 Millionen Mitarbeiter seien als Belegschaftsaktionäre am Arbeitgeber finanziell beteiligt. Ebenso viele Beschäftigte seien nach Schätzungen an nicht-börsennotierten, meist mittelständischen Unternehmen beteiligt.

Siemens-Chef Kaeser trommelt seit Jahren für eine stärkere Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen und für eine „Kultur des verpflichtenden Eigentums“. Bis 2020 möchte er erreichen, dass mehr als 200.000 Beschäftigte des Elektrokonzerns auch Siemens-Aktionäre werden - aktuell sind es nach Angaben einer Sprecherin rund 165.000. Damit ist knapp die Hälfte der Belegschaft an dem Dax-Konzern beteiligt.

Belegschaftsaktionäre partizipieren nach Ansicht der Unterzeichner des Aufrufs vom Erfolg des Betriebs. Gleichzeitig lohnten sich solche Programme auch für Unternehmen, weil sie Mitarbeiter enger an das Unternehmen binden und so Personalwechsel vermeiden könnten.

Von einer neuen Bundesregierung fordern die Unterzeichner, den Steuerfreibetrag für die Mitarbeiterkapitalbeteiligung anzuheben - „von derzeit 360 Euro auf ein international übliches Niveau von mindestens 3000 Euro“. Langfristige Anleger müssten auch anders besteuert werden als kurzfristig denkende.

Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds muss die Mitarbeiterkapitalbeteiligung verschiedene Voraussetzungen erfüllen: Sie müsse zusätzlich zu den Tariflöhnen sein, nicht nur für das Führungspersonal, sondern für alle Beschäftigten offen stehen und dürfe nicht die betriebliche Altersvorsorge ersetzen. Gerade wenn sich Belegschaftsaktionäre zusammenschlössen, könne das aber ein guter Beitrag für die langfristige Zukunft eines Unternehmens sein.

dpa

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