Fusion in der Stahlbranche

Thyssenkrupp will mit Tata neuen Stahlgiganten schaffen

Ein Stahlwerk von Tata im britischen Port Talbot. Foto: Andy Rain
1 von 6
Ein Stahlwerk von Tata im britischen Port Talbot. Foto: Andy Rain
Ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp zieht in Duisburg am Hochofen eine Probe. Foto: Oliver Berg
2 von 6
Ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp zieht in Duisburg am Hochofen eine Probe. Foto: Oliver Berg
Thyssenkrup-Chef Heinrich Hiesinger. Der Industriekonzern hat sich mit dem indischen Konkurrenten Tata auf eine Fusion der europäischen Stahlsparte geeinigt. Foto: Rolf Vennenbernd
3 von 6
Thyssenkrup-Chef Heinrich Hiesinger. Der Industriekonzern hat sich mit dem indischen Konkurrenten Tata auf eine Fusion der europäischen Stahlsparte geeinigt. Foto: Rolf Vennenbernd
Der Betriebsrat sieht tausende Jobs bei Thyssenkrupp in Gefahr. Foto: Oliver Berg
4 von 6
Der Betriebsrat sieht tausende Jobs bei Thyssenkrupp in Gefahr. Foto: Oliver Berg
Thyssenkrupp und Tata Steel haben eine absichtserklärung für ein Joint Venture im europäischen Stahlgeschäft unterzeichnet. Foto: Ina Fassbender
5 von 6
Thyssenkrupp und Tata Steel haben eine absichtserklärung für ein Joint Venture im europäischen Stahlgeschäft unterzeichnet. Foto: Ina Fassbender
Die Mitarbeiter von Thyssenkrupp kämpfen erbittert gegen die Stahlfsion mit Tata. Foto: Roland Weihrauch
6 von 6
Die Mitarbeiter von Thyssenkrupp kämpfen erbittert gegen die Stahlfsion mit Tata. Foto: Roland Weihrauch

Lange haben Thyssenkrupp und Tata verhandelt, nun gibt es eine Absichtserklärung: die Konzerne wollen ihre europäischen Stahlsparten zusammenlegen. Hintergrund sind Überkapazitäten in der Branche. Die Arbeitnehmervertreter kündigen Proteste an.

Essen (dpa) - Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp will mit seinem indischen Konkurrenten Tata gegen massive Proteste einen neuen europäischen Stahlgiganten schaffen.

Nach mehr als einjährigen Verhandlungen einigten sich beide Unternehmen grundsätzlich auf die Fusion ihrer europäischen Stahlsparten. Bei bei den Konzernen sollen jeweils 2000 Stellen wegfallen und insgesamt 400 bis 600 Millionen Euro Synergien entstehen.

Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden, wie Thyssenkrupp heute in Essen mitteilte. Die Kontrollgremien der beiden Unternehmen müssen den Plänen noch zustimmen.

Der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte sprach von einer falschen Entscheidung. "Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen", sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back, der Deutschen Presse-Agentur. Ziel müsse es nun sein, "das Schlimmste" zu vermeiden.

Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2000 Stellen bei Thyssenkrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss "wesentlich mehr" Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er. Für diesen Freitag haben Betriebsrat und IG Metall zu einer Protestkundgebung in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5000 Stahlkocher erwartet werden.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger zeigte sich jedoch überzeugt, dass es gelingen werde, in den bevorstehenden Gesprächen auch die Arbeitnehmerseite von dem Vorhaben zu überzeugen. "Wir wollen den Stahl nicht loswerden", sagte er. Die Arbeitnehmervertreter hatten zuvor angekündigt, bei einer möglichen Abstimmung im Aufsichtsrat geschlossen gegen eine Fusion stimmen zu wollen. Ein solches Votum wäre ein Novum in der Konzerngeschichte. Zu einer Abstimmung werde es bei der am kommenden Samstag geplanten Sitzung des Aufsichtsrats jedoch zunächst nicht kommen, kündigte Hiesinger an.

Die Krupp-Stiftung als wichtige Großaktionärin begrüßte dasVorhaben. Hiesinger stellte durch die Fusion eine "nachhaltige Zukunftsperspektive" in Aussicht. Mit dem Zusammenschluss seien beide Unternehmen "weitaus besser aufgestellt, um den strukturellen Herausforderungen von Europas Stahlindustrie zu begegnen". Durch den Zusammenschluss würden beide Unternehmen von erheblichen Synergien profitieren, hieß es. Tata Steel-Chef Natarajan Chandrasekan sprach von einem "Meilenstein" für beide Partner.

In einem Brief an die Mitarbeiter wies Hiesinger auf "erhebliche Überkapazitäten" in der Stahlbranche hin. Die Nachfrage nach Flachstahl wachse nur sehr langsam. Alle Stahlunternehmen arbeiteten mit Restrukturierungsprogrammen dagegen, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. "Die Wirkung ist aber nur von kurzer Dauer und schnell vom Markt aufgezehrt." Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, die uns dazu zwingt, immer wieder schmerzhaft nachzuziehen." Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, habe man sich für den Zusammenschluss entschieden.

Thyssenkrupp und Tata beabsichtigen je 50 Prozent der Anteile an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen zu halten. Nach dem Zusammenschluss kommt das Unternehmen auf rund 48 000 Mitarbeiter - wovon 27 000 von Thyssenkrupp kommen. Durch die Fusion würde hinter dem Branchenprimus ArcelorMittal das zweitgrößte Stahlunternehmen in Europa entstehen, gemessen an der Produktion. Das neue Unternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel mit aktuell 34 Standorten würde einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro erzielen.

Mitteilung

Der Technologiekonzern Thyssenkrupp mit insgesamt gut 150.000 Mitarbeitern gliedert sich in sechs Geschäftsbereiche. Das traditionsreiche Unternehmen gehört zu den weltweit wichtigsten Herstellern von Aufzügen, zudem liefert es Industriekomponenten etwa für Windkraftanlagen, Schiffe, Rüstung, Baumaschinen oder Ölbohranlagen.

Im Geschäftsjahr 2015/16 lag der Konzernumsatz bei gut 39 Milliarden Euro. Herzstück der Stahlsparte ist die 1891 gegründete Hütte in Duisburg. Der Bereich Steel Europe mit seinen mehr als 27.000 Mitarbeitern trägt etwa ein Fünftel zum Konzernumsatz bei. Rund 12 Millionen Tonnen Stahl werden jährlich erzeugt.

Das könnte Sie auch interessieren

Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Das Deichbrand Festival hat am Freitag einfach nur Spaß gemacht. Die 257ers gaben auf der Bühne Gas. Auf dem Infield und den Campingplätzen staubte …
Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Der Montag beim Schützenfest in Twistringen

Der dritte und letzte Tag des Schützenfestes war auch gleichzeitig der Höhepunkt. Der König ist tot, es lebe der König. Philip Sander gab seine Kette …
Der Montag beim Schützenfest in Twistringen

19. Ristedter Fußball-Turnier um den „Württemberg-Cup“

Der Finaltag beim 19. Ristedter Fußball-Turnier um den „Württemberg-Cup“ übertraf am Freitagabend fast alle Erwartungen. Knapp 600 Zuschauer sahen …
19. Ristedter Fußball-Turnier um den „Württemberg-Cup“

Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Furioser Deichbrand-Auftakt am Freitag. Die mehr als 50.000 Besucher feiern vor den Bühnen und auf den Campingplätzen. Ob beim Flunkyball oder beim …
Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Meistgelesene Artikel

Rückruf bei Ford: Knapp 190.000 Autos müssen zurück in die Werkstatt

Rückruf bei Ford: Knapp 190.000 Autos müssen zurück in die Werkstatt

Ikea-Kunden aufgepasst: Möbel-Riese verschärft das Rückgaberecht

Ikea-Kunden aufgepasst: Möbel-Riese verschärft das Rückgaberecht

Zuckerberg: Darum werden Beiträge von Holocaust-Leugnern auf Facebook nicht entfernt

Zuckerberg: Darum werden Beiträge von Holocaust-Leugnern auf Facebook nicht entfernt

Streik in der Kabine: Ryanair streicht nächste Woche 600 Flüge - viele Ferienziele betroffen

Streik in der Kabine: Ryanair streicht nächste Woche 600 Flüge - viele Ferienziele betroffen

Kommentare