"Hätten früher handeln können"

Krise: ThyssenKrupp-Chef verteidigt Entscheidung

Bochum - ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat die Arbeit des Kontrollgremiums verteidigt. Er räumte gleichzeitig auch Fehler ein.

„Wir haben die Kraft gehabt, Fehler zu erkennen, zu korrigieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen“, hieß es am Freitag in einem vorab verteilten Redemanuskript des Aufsichtsratsvorsitzenden. Bereits im Vorfeld des Aktionärstreffens in Bochum hatte es massive Kritik an Gerhard Cromme gegeben. Die in der Öffentlichkeit geäußerte Kritik bezeichnete Cromme als „bisweilen auch unberechtigt“. „Was in den Medien steht, ist letztlich nicht maßgeblich“, meinte er. An die Aktionäre appellierte der Aufsichtsratschef: „Lassen Sie sich nicht beirren.“

Cromme räumte aber auch ein: „Ja, wir haben zu lange vertraut, wir hätten früher handeln können.“ Immer dann, wenn entsprechende Fakten dies ermöglicht hätten, habe der Aufsichtsrat konsequent gehandelt. Erste Erfolge seinen bereits erkennbar. Trotz aller Anstrengungen sei es in der Vergangenheit jedoch nicht gelungen, Fehlentwicklungen im Stahlgeschäft in Übersee zu verhindern.

„Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen“, meinte er. Durch massive Probleme bei den Stahlwerken in den USA und in Brasilien war ThyssenKrupp im zurückliegenden Geschäftsjahr mit einem Verlust von fünf Milliarden Euro tief in die roten Zahlen gestürzt. Als Geste der Betroffenheit und Solidarität mit den Anteilseignern des Konzerns habe der Aufsichtsrat beschlossen, für das Geschäftsjahr 2011/2012 auf die Hälfte seiner Vergütung zu verzichten, so Cromme.

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Vor dem Hintergrund von Kartell- und Korruptionsfällen betonte Cromme, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt werden. „Dem Aufsichtsrat ist es außerordentlich wichtig, dass Verantwortung und persönliche Integrität unumstößliche, unverrückbare Maßstäbe in unserem Unternehmen sind und bleiben“, so Cromme.

dpa

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