Studie: Deutsche tauschen Elektrogeräte schneller aus

Alles Pfusch?

Halle/Nürnberg - Von Burkhard Peters. Wer hat das noch nicht erlebt? Nach nur vier Jahren Betriebsdauer gehen Waschmaschine, Fernseher oder Kühlschrank kaputt. Eine Reparatur würde 300 Euro kosten, ein Neugerät 500 Euro. Da fällt die Entscheidung leicht, die defekte Technik auszumustern, und ein böser Verdacht keimt auf. Helfen Hersteller womöglich nach, damit Produkte vorzeitig den Geist aufgeben und Kunden ein neues kaufen?

Die Anbieter verneinen dies nachdrücklich, doch eine Studie des Umweltbundesamtes (Uba) in Halle an der Saale untermauert den Verdacht, dass manche Produzenten doch für vorzeitigen Verschleiß sorgen. „Verbraucher nutzen neu erworbene Produkte heute kürzer als früher“, lautet das Ergebnis. Dahinter müsse aber nicht unbedingt vorzeitiger Verschleiß stecken, räumt das Uba ein. Vielleicht wollten sich die Kunden einfach ein technisch moderneres, umweltfreundlicheres und sparsameres Gerät gönnen. Vor allem einwandfrei funktionierende Fernseher würden Kunden nach wenigen Jahren gegen noch bessere eintauschen, hat das Uba herausgefunden.

Doch gerade bei großer Haushaltstechnik fällt den Autoren der Uba-Studie auf, dass der Anteil der Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke, die schon innerhalb der ersten fünf Jahre den Dienst quittieren, von 3,5 Prozent bei der bisher letzten Untersuchung im Jahr 2004 auf jetzt 8,3 Prozent „auffallend stark“ gestiegen ist. Roland Stehle, Pressesprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU) in Nürnberg, stellt klar: „Die Industrie verkauft keine Produkte, die ein eingebautes Verfallsdatum haben. Eine so genannte geplante Obsoleszenz gibt es nicht.“

 Damit würden sich Hersteller am Ende ins eigene Knie schießen: „Den Vertrauensverlust bei einem Defekt holt sich ein Unternehmen sehr schwer zurück. Ein enttäuschter Kunde kauft beim nächsten Mal sicher nicht mehr die betreffende Marke, egal welches Unternehmen dies betrifft“, sagt GFU-Sprecher Stehle und betont: „Markengeräte bieten erstklassige Qualität und lange Lebensdauer.“ Gerade bei hochwertigen Markenprodukten würde sich daher auch eine Reparatur lohnen, sollte doch mal ein Defekt auftreten, sagt der GFU-Sprecher.

Weil die Technik bei Haushaltswaren und in der Unterhaltungselektronik schnell Fortschritte macht und die Betriebskosten sinken, könne es sich für Verbraucher rechnen, ein altes Gerät vorzeitig durch ein neues zu ersetzen, meint Stehle. Das Umweltbundesamt will seine Studie fortsetzen und prüfen, inwieweit geplanter Verschleiß im Spiel ist, kündigt die Hallenser Behörde an.

Rubriklistenbild: © dpa

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