Strompreise sinken für Konzerne - Aber Verbraucher zahlen drauf

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Die Strompreise steigen für Privatkunden und sinken für die Konzerne.

Düsseldorf - Wie kann denn so was sein? Die Großhandelspreise an der Strombörse haben sich im Laufe des letzten Jahres halbiert. Und tzrotzdem müssen private Haushalte 5,8% mehr für Strom zahlen.

Für Verbraucherschützer sind die Schuldigen schnell ausgemacht: Die Energiekonzerne und regionalen Stromversorger halten die Preise hoch, um Extraprofite abzuschöpfen. Aribert Peters von Bundesverband der Energieverbraucher schimpft: “Die Stromversorger haben zu teuer eingekauft, jetzt sollen die Verbraucher dafür bluten“. Gleichzeitig würden Großkunden Preisnachlässe bekommen. “Dafür gibt es überhaupt keine Rechtfertigung“, sagt Peters.

Strompreise steigen seit Jahren

Tatsächlich bewegen sich die Preise für Strom, anders als beim Erdgas, seit Jahren kontinuierlich nach oben. Nach Angaben des Internet-Vergleichsportals verivox.de sind sie seit 2005 um 20 Prozent gestiegen. In diesem Jahr seien es im Vergleich zu 2008 im Schnitt 5,8 Prozent mehr. Wenig Verständnis für diese Entwicklung zeigen Verbraucherschützer vor allem deshalb, weil eine immer größere Lücke zwischen Beschaffungs- und Abgabepreisen klafft.

Betrachte man die Entwicklung an der Strombörse Leipzig, sei der Stillstand der Strompreise bei den Grundversorgern nicht nachzuvollziehen, heißt es bei verivox.de.

Bei einem Vergleich der Quartalspreise für Grundlaststrom, sollen sich die Großhandelspreise im Laufe des letzten Jahres sogar halbiert haben. Preissenkungen aber seien bislang nur bei den Weiterverteilern und Großabnehmern angekommen: So sanken laut Statistischem Bundesamt die Preise für Weiterverteiler um 19,3 Prozent und für Großkunden um 8,5 Prozent.

RWE wehrt sich gegen Kritik

Klaus Schultebraucks von der RWE Vertriebs AG in Dortmund sieht diese Dinge indes völlig anders. Wenn die Stromversorger nach der Logik ihrer Kritiker im vergangenen Jahr die Endkundenpreise berechnet hätten, wäre der Preisanstieg für die Privatkunden exorbitant hoch ausgefallen. Denn an der Strombörse lagen die Beschaffungspreise vor dem Einknicken der Notierungen auf einem sehr hohen Niveau. Schultebraucks: “Solche starken negativen Ausschläge könne man Privatkunden aber nicht zumuten“. So deckten sich die Versorger zu bestimmten Zeitpunkten im Voraus mit Strom ein und könnten so Preisschwankungen auf der Beschaffungsseite über einen längeren Zeitraum ausgleichen.

Erst dann, wenn sich die Großhandelspreise längerfristig auf einem niedrigen Niveau stabilisierten, könnten auch die Endkunden mit Entlastungen rechnen. Doch allzu viel Hoffnungen sollten sich die Verbraucher nicht machen. Ohnehin schlagen die Beschaffungskosten lediglich mit einem Anteil von einem Drittel in den Strompreisen zu Buche. Der Rest entfalle auf Netzentgelte und staatliche Abgaben, die eine Unternehmen nicht beeinflussen könne, rechnet der REW-Sprecher vor.

Bundeskartellamt: Derzeit kein Handlungsbedarf

Das Bundeskartellamt sieht derzeit keinen Handlungsbedarf, auch wenn Verbraucherschützer genau das einfordern. “Wir beobachten die Strommärkte ohnehin seit Jahren sehr aufmerksam und haben zahlreiche Verfahren ausgelöst“, sagt ein Sprecher der Behörde. Er empfiehlt den Verbrauchern vielmehr, genauso wie Peters vom Bundesverband der Energieverbraucher, die Stromanbieter mit den Waffen des Wettbewerbs zu schlagen - sprich: mehr Wechselbereitschaft zu zeigen.

Von Peter Lessmann

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