Naser verteidigt HGAA-Kauf

Der frühere Sparkassenpräsident Siegfried Naser verteidigt HGAA-Kauf.

München - Nach den Milliardenverlusten der BayernLB kämpft der frühere Sparkassenpräsident Naser um seinen Ruf. Bei seinem zweiten Auftritt verteidigt er das verhängnisvolle Geschäft: “strategisch genial“.

Die Szenen und die Argumente gleichen sich: Niemand will schuld sein am Balkan-Desaster der BayernLB. Zwei Tage nach dem langjährigen Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) rechtfertigt sich nun der frühere Sparkassenpräsident Siegfried Naser mehrere Stunden vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags. Der einst geachtete Naser ist im Laufe der Affäre mehr als jeder andere Beteiligte zum Buhmann geworden. Am Dienstag war es zum Eklat im Ausschuss gekommen, weil Naser die Aussage verweigerte. Durch die Androhung von Beugehaft eines Besseren belehrt, sagt Naser am Donnerstag beim zweiten Anlauf ausführlichst aus - und kämpft um seinen guten Ruf.

“Nach bestem Wissen und Gewissen“ habe er gehandelt, betont Naser. Exakt die selben Worte hatte auch Faltlhauser schon verwendet. Beide wechselten sich über Jahre an der Spitze des BayernLB-Verwaltungsrats ab und waren damit die wichtigsten Kontrolleure der BayernLB. 2007 stimmten sie dem Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria zu, die der BayernLB 3,7 Milliarden Euro Verlust einbrachte. Und wie Faltlhauser argumentiert Naser, dass die unvorhersehbare Finanzkrise schuld sei an dem Debakel. Und wie Faltlhauser beschuldigt Naser den Vorstand, den Kontrolleuren wichtige Hinweise auf versteckte Risiken vorenthalten zu haben.

Die Warnungen kamen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, doch der BayernLB-Vorstand übermittelte diese nicht an den Verwaltungsrat. “Das ist schon heftig. Das hätte mir vorgelegt werden müssen“, sagt Naser. In einem wichtigen Punkt aber unterscheidet sich Nasers Aussage von der Faltlhausers. Naser lässt den Untersuchungsausschuss wissen, dass nach seiner Einschätzung die Staatsregierung eine sinnvolle Lösung der BayernLB-Probleme lange vor dem Kauf der HGAA verhindert habe. Die BayernLB war nach seiner Überzeugung ohne Partner auf Dauer zum Scheitern verurteilt. “Eine BayernLB als Bayernbank wäre vermutlich nicht überlebensfähig gewesen“, sagt er. Eine Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder einem anderen Institut kam nicht zustande, bis schließlich Anfang 2007 die Hypo Alpe Adria in den Blick der BayernLB geriet. “Ich habe das für strategisch genial befunden“, sagt Naser zum Kauf der einstigen Kärntner Landesbank. “Die BayernLB kriegt jetzt die letzte freie Bank in Osteuropa.“

Was der Verwaltungsrat nicht wusste: Die Bank war - so der heutige Erkenntnisstand - eng verbandelt mit der Clique des Kärntner Rechtspopulisten Jörg Haider und in allerlei undurchsichtige und zum Teil kriminelle Geschäfte auf dem Balkan verwickelt. Klar ist, dass die BayernLB kein tragfähiges eigenes Geschäftsmodell hatte und unbedingt einen Partner brauchte - so viel sagt Naser selbst. Unklar ist aber nach wie vor, ob der Verwaltungsrat deswegen die nötige Vorsicht vermissen ließ. Und unklar ist auch, ob der BayernLB-Vorstand Naser, Faltlhauser und die anderen Kontrolleure im Verwaltungsrat absichtlich täuschte. “So viel ich weiß, waren alle Ehrenmänner und korrekte Kaufleute“, sagt Naser dazu. “Wenn's anders war, ich weiß es nicht.“

Einer könnte Licht ins Dunkel bringen, schweigt aber im Ausschuss, um sich nicht selbst zu belasten. Der Investor Tilo Berlin ist ein langjähriger Bekannter des früheren BayernLB-Vorstandschefs Werner Schmidt. Berlins Investorengruppe lieh sich Geld von der BayernLB, um vergleichsweise billige Hypo-Anteile zu kaufen und diese wenig später sehr viel teurer an die BayernLB zu verkaufen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob das ein kriminelles Insider- Geschäft war. Und weil die Justiz gegen ihn ermittelt, schweigt Berlin im Ausschuss. “Mit welcher Technik auch immer sie es versuchen, es wird keine Aussagen geben“, pfeift Berlins Anwältin Marion Westpfahl die Abgeordneten an. Berlin selbst lächelt verschämt und wird als Zeuge entlassen.

“Der Berlin hatte einen äußerst guten Leumund in der deutschen Finanzwelt“, berichtet Naser anschließend. Ob Naser seinen eigenen guten Leumund retten kann, ist eine weitere der vielen offenen Fragen. Die Opposition ist nicht überzeugt von Nasers Erklärungen: “Er macht es im Prinzip wie der Faltlhauser“, sagt der Grüne Sepp Dürr. “Sie haben alles richtig gemacht, falsch gemacht hat es nur der Vorstand.“ Und Harald Güller (SPD), der Vizevorsitzende des Ausschusses, spottet: “Es ist interessant, wie sich in kurzer Zeit mit allen Wassern gewaschene Banker in Unschuldslämmer verwandeln.“

dpa

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