Bonität: Standard & Poor's verteidigt Entscheidung

Berlin - Der Europa-Chefanalyst von Standard & Poor's, Moritz Krämer, hat die Entscheidung der Ratingagentur verteidigt, die Kreditwürdigkeit fast aller Euro-Länder unter verschärfte Beobachtung zu stellen.

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Investoren würden nicht blind Ratingveröffentlichungen folgen. Wer dies glaube, unterschätze die Intelligenz der Marktteilnehmer. Zudem könnte der EU-Gipfel Ende dieser Woche noch einiges bewegen. „Wir glauben, dass der Krisengipfel eine ganz maßgebliche Chance ist, diesen Prozess umzukehren“, sagte Krämer am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Die Risiken, die von der Krise ausgingen, könnten in den kommenden Wochen deutlich steigen, warnte Krämer. Die Krise sei in einer Art und Weise ausgeufert, die nicht nur die Staatenfinanzierung betreffe, sondern auch das Bankensystem geschwächt habe: „Es ist eine systemische Vertrauenskrise.“

S&P hatte am Montagabend auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 Staaten der Eurozone unter Beobachtung gestellt. Je nachdem, wie der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag ausfällt, droht eine massenhafte Herabstufung.

„Wir glauben, dass die bisherige Erfolglosigkeit, die Krise wirklich effektiv und nachhaltig in den Griff zu bekommen, die Risiken einer realwirtschaftlichen Bremswirkung nach sich zieht“, sagte Krämer. Die Gefahr einer Rezession im kommenden Jahr sei gestiegen - nicht nur in Europa, sondern weltweit. Eine Exportnation wie Deutschland werde davon wehr stark betroffen sein.

Ökonom Schmieding: Mehr Druck auf Politik

Unterstützung bekommt die Agentur durch den Ökonomen Holger Schmieding. Die drohende Massen-Abstufung der Kreditwürdigkeit der Euroländer ist nach dessen Überzeugung überfällig. Dass die US-Ratingagentur Standard & Poor's den Ausblick für Deutschland und weitere 14 Länder der Eurozone auf „negativ“ gesenkt habe, erhöhe den Druck auf die Politik, beim Eurogipfel am Freitag endlich ein ernsthaftes Reformpaket aufzulegen, schrieb der Chefvolkswirt der Berenberg Bank am Dienstag in einer Analyse.

S&P mache deutlich, dass das Paket den Weg für eine nachhaltige Fiskalpolitik ebnen und es der Europäischen Zentralbank (EZB) ermöglichen müsse, vehementer an den Märkten als bislang einzugreifen. Nur so könne die Vertrauenskrise schnellstens beigelegt werden.

Nach Schmiedings Überzeugung rechtfertigt der Teufelskreis aus höheren Risikoprämien für Staatsanleihen, Kreditengpässen und Rezessionsrisiken eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Euroländer: „Dieser Teufelskreis muss durch entschiedenes Handeln durchbrochen werden.“

dpa

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