Eine spanische Euro-Münze

Spanien benötigt 40 Milliarden Euro

Madrid - Nach einem Stresstest schätzt der Internationale Währungsfonds den Finanzbedarf der spanischen Banken auf mindestens 40 Milliarden Euro. Doch noch zögert Spanien - aus gutem Grund.

Der IWF erklärte am Freitag, der spanische Bankensektor sei gut geführt, aber anfällig. Für eine Restrukturierung werde empfohlen, dass die Banken zusätzliches Kapital in nicht genannter Höhe aufbringen.

Es sei besser, den Finanzbedarf zu über- statt zu unterschätzen, sagte die stellvertretende IWF-Direktorin Ceyla Pazarbasioglu, die gemeinsam mit ihrem Team den Bericht verfasste. Darin hieß es, die meisten großen Banken in Spanien seien belastbar, sie würden jedoch durch die schwächeren Banken in Mitleidenschaft gezogen. Der IWF lobte Spanien für die bereits eingeleiteten Schritte zur Stärkung des Finanzsektors.

Die stellvertretende spanische Ministerpräsidentin Soraya Saenz de Santamaria erklärte am Freitag, das Land könne in diesem Monat über einen Antrag auf europäische Finanzhilfen entscheiden. Dies werde jedoch erst geschehen, wenn der Internationale Währungsfonds und die zwei beauftragten Beratungsfirmen ihren Bericht zur Lage der Geldhäuser vorgelegt hätten. Die Berichte werden bis 21. Juni erwartet.

Eurogruppe bereit für spanischen Hilferuf

Die Eurogruppe hat sich am Freitag für einen spanischen Hilfsantrag bereit erklärt. Dass Madrid, wie in Medienberichten behauptet, noch am Wochenende unter den Rettungsschirm schlüpfen wolle, wurde in den Hauptstädten allerdings weder bestätigt noch dementiert.

Aus dem Umfeld des Rettungsschirms EFSF hieß es: Der Fonds könne „sehr schnell größere Beträge zur Stabilisierung des spanischen Bankensektors bereitstellen“. Nach spanischen Angaben werden bis zu 100 Milliarden Euro gebraucht. Laut EFSF handelt es sich dabei aber nicht um Kredite, für die sich der Fonds selbst verschulden müsste, sondern um Schuldverschreibungen, mit denen sich die spanischen Banken dann bei der Europäischen Zentralbank frisches Geld besorgen könnten.

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Würde Madrid sein Zögern aufgeben und unter den Schirm schlüpfen, wäre Spanien nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Land am Eurotropf. Allerdings braucht Spanien nur Hilfe für seine maroden Banken, die mit faulen Immobilienkrediten vollgesogen sind. Dafür ist im EFSF das Instrument der gezielten Restrukturierungshilfe vorgesehen. Dabei müsste sich die Regierung nicht einem umfassenden Sanierungsprogramm unterwerfen, dass von der Troika diktiert wird.

Moody's erwägt Herabstufungen in Europa

Die US-Ratingagentur Moody's droht Ländern der Eurozone mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit, sollte Spanien den Rettungsschirm in Anspruch nehmen oder Griechenland aus dem Euro aussteigen. Das Unternehmen erklärte am Freitag, es schätze derzeit die Folgen eines spanischen Hilfegesuchs für die Gläubiger ab. Sollte Griechenland die Eurozone verlassen, könnte dies die Ratings anderer Länder der Region gefährden.

Moody's erklärte, die Probleme der spanischen Banken seien weitgehend auf Spanien beschränkt. Daher sei die Gefahr gering, dass die Probleme auf andere Länder übergreifen könnten - mit Ausnahme von Italien. Moody's bewertet Spanien derzeit mit „A3“, allerdings mit negativem Ausblick.

Juncker drängt auf rasche Lösung der spanischen Bankenkrise

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean Claude Juncker, hat sich unterdessen für eine rasche Lösung der spanischen Bankenkrise ausgesprochen. „Die Lösung wird schnell erfolgen müssen“, sagte Luxemburgs Premierminister am Freitagabend im Deutschlandradio Kultur. Juncker betonte zugleich unter Hinweis auf die Konsolidierungsbemühungen der Regierung in Madrid, die Situation in Spanien und Griechenland sei nicht vergleichbar.

Spanien habe ein Bankenproblem, Griechenland ein viel breiteres. „Vielleicht haben wir in Griechenland zu sehr aufs Tempo gedrückt“, sagte Juncker. Er plädierte dafür, glaubhafte Wachstumsperspektiven zu eröffnen, und sei auch nicht dagegen, die Modalitäten im Falle Griechenlands zu überdenken. Athen solle auf alle Fälle in der Euro-Zone bleiben.

dapd/dpa

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