Spaniens Banken leihen sich Rekordsumme

Madrid/Frankfurt - Spaniens angeschlagener Bankensektor ist wohl trotz der massiven Liquiditätsversorgung im Euroraum weiter in Geldnöten.

Neue Hiobsbotschaften aus Spanien haben zum Wochenende für Nervosität an den Finanzmärkten gesorgt. Die angeschlagenen Bankhäuser der viertgrößten Volkswirtschaft im Euroraum saugen sich weiter mit Zentralbankgeld voll, während die Risikoprämien an den Anleihemärkten steigen. An den europäischen Börsen zogen die Sorgen um Spanien die Finanzwerte nach unten, am Devisenmarkt sank der Euro-Kurs. Anleger wurden auch durch weitere typische Krisenanzeichen alarmiert: So stiegen die Prämien für Versicherungen gegen einen spanischen Zahlungsausfall deutlich an.

Spaniens kriselnder Bankensektor ist trotz der massiven Liquiditätsversorgung im Euroraum weiter in Geldnöten. Die Ausleihungen der spanischen Institute bei der Europäischen Zentralbank (EZB) stiegen im März um fast 50 Prozent und erreichten damit einen Rekord, wie aus Angaben der spanischen Nationalbank vom Freitag im Internet hervorging. Danach sind die Netto-Ausleihungen der spanischen Geldhäuser beim Eurosystem aus EZB und den anderen nationalen Notenbanken im Vergleich zum Vormonat von 152,4 Milliarden Euro auf 227,6 Milliarden Euro geklettert. Die spanischen Banken machen damit den Löwenanteil der im März von der EZB verliehenen Netto-Summe von 361,7 Milliarden Euro aus.

Diese Entwicklung löste einen Anstieg der Renditen spanischer Anleihen aus. Richtungsweisende Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit bewegten sich wieder auf die kritische Marke von sechs Prozent zu - auch die italienischen Pendants wurden im Fahrwasser mitgezogen. Die leichte Entspannung, die Aussagen von EZB-Vertretern zum derzeit ruhenden Anleihekaufprogramm seit Wochenmitte auslösten, ist damit vorerst gestoppt. Auch der Euro geriet im Zuge der neuen Nervosität unter Druck.

Weitere Krisensignale sendete auch der Markt für die umstrittenen Kreditausfallversicherungen (CDS) aus: Die Prämien für spanische Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Stand seit November vergangenen Jahres, also noch bevor die EZB die Lage mit ihren beiden riesigen Geldspritzen beruhigen konnte. Am Freitag legte die Prämie für eine Versicherung auf spanische Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit auf rund 490 Basispunkte zu. Bei einem Staatstitel über beispielsweise 10 000 Euro entspricht dies einer jährlichen CDS-Zahlung von 490 Euro.

An den europäischen Aktienmärkten litten Finanzwerte besonders unter den Problemen Spaniens. Papiere der spanischen Großbank Santander sackten um rund 4 Prozent ab. Anteilsscheine der italienischen Banken Unicredit und Intesa SanPaolo verbilligten sich jeweils um knapp 3 Prozent. Wie ein Börsianer kommentierte, haben Banken einen “besonders schweren Stand, seit Spanien wieder in den Mittelpunkt gerückt ist“. Es gebe beachtliche Zweifel, dass die Iberer ihr Haushaltsdefizit unter Kontrolle bringen können. Ein weiterer Marktteilnehmer zielte auf die hohen Ausleihungen der EZB an spanische Banken ab. Das sei kein gutes Zeichen und trübe die Stimmung, sagte er.

In der Diskussion um die wieder aufflammende Schuldenkrise hat sich US-Investor George Soros erneut mit harten Vorwürfen gegen das deutsche Vorgehen zu Wort gemeldet. “Die Bürokraten bei der Bundesbank und anderswo sind gerade dabei, den Euro zu zerstören“, sagte Soros der “Süddeutschen Zeitung“ (Freitag). Die Eurozone steuere “mit den ganzen Sparpaketen“ auf eine Weltwirtschaftskrise wie in den 1930er Jahren zu. “Europa spart sich kaputt, statt auch etwas fürs Wachstum zu tun“, kritisierte er mit Blick auf das europäische Krisenmanagement. Die EZB habe mit ihrer Geldspritze von einer Billion Euro zwar für Beruhigung gesorgt. “Damit förderte sie aber die Nationalisierung der Finanzsysteme.“

Soros schlägt unter anderem vor, dass die Euro-Staaten gemeinsam ihre Schulden reduzieren, also Deutschland stärker für angeschlagene Länder haftet. Der Aufstieg und Fall Europas “wird ablaufen wie bei einer Finanzblase, wenn wir nicht die Politik verändern“, sagte er.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd (Symbolbild)

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