Dax gibt nach

So reagiert die Wirtschaft aus das Scheitern von Jamaika

Die Verwirrung nach den gescheiterten Gesprächen über ein Jamaika-Bündnis ist auch in der Wirtschaft groß. Zumindest an den Börsen ist die erste Lähmung aber schnell verflogen.

Das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen hat die Finanzmärkte am Montag nur begrenzt beeindruckt. In ersten Reaktionen erkannten Bankvolkswirte in dem Aus für ein schwarz-gelb-grünes Regierungsbündnis auch keine ernste Gefahr für den Aufschwung. Unmittelbar nach dem Ausstieg der FDP aus den Gesprächen war der Euro in der Nacht noch um ein halbes Prozent abgerutscht. Zeitweise fiel der Kurs bis auf 1,1722 US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung erholte sich dann aber schnell und wurde am Vormittag kaum verändert an der Marke von 1,18 Dollar gehandelt.

Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank bezeichnete die erste Kursbewegung des Euro als „signifikant, aber nicht dramatisch“. Eine ähnliche Reaktion zeigte sich beim Handel mit Bundesanleihen. Die am Markt als sicherer Anlagehafen geschätzten Papiere konnten zum Handelsauftakt nur vergleichsweise leicht profitieren. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag am Morgen bei 0,36 Prozent.

Auch der Dax erholte sich am Vormittag ein Stück weit von frühen Verlusten. Der deutsche Leitindex hatte den Handel mit einem Minus von 0,51 Prozent auf 12 927,74 Punkte eröffnet. Im Vormittagshandel ging es aber nur noch um 0,13 Prozent auf 12 977,39 Punkte nach unten. Zu den Gewinnern unter den deutschen Standardwerten zählten Papiere der großen Stromversorger.

„Die Wirtschaft ist mit 2,5 Prozent Wachstum, starkem Unternehmensvertrauen, Vollbeschäftigung und einem Haushaltsüberschuss in so guter Verfassung, dass vorerst nur wenige wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen“, kommentierte Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Berenberg-Bank.

Auch der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski, sah nach dem Abbruch der Jamaika-Gespräche kurzfristig keine Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft. Allerdings hätten die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass Europa um eine Illusion ärmer ist: „Deutschland ist nicht länger das Vorbild politischer Stabilität.“ Verschiedene Wirtschaftsverbände appellierten an die Parteien, sich nun rasch um eine Lösung der festgefahrenen Lage zu bemühen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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