Siemens will trotz Gewinnzuwachs Stellen streichen

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Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher spricht am Dienstag während der Siemens-Jahreshauptversammlung in München vor den Aktionären.

München - Trotz gestiegener Gewinne sieht Siemens die Krise längst nicht überwunden und hat einen weiteren Stellenabbau angekündigt. Im ersten Quartal 2010 verbuchte der Konzern einen deutlichen Rückgang bei Neuaufträgen und Umsatz.

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Siemens-Mitarbeiter müssen Stellenabbau befürchten

Dank eines bereits laufenden Sparprogramms konnte Siemens aber den operativen Gewinn im ersten Finanzquartal steigern. Konzernchef Peter Löscher kündigte am Dienstag den neuerlichen Stellenabbau an. Für “spezifische Geschäfte und einzelne Standorte“ seien trotz Kurzarbeit “Anpassungsmaßnahmen unumgänglich“, sagte er in München. Grund seien “dauerhafte strukturelle Veränderungen der Märkte und der Wettbewerbssituation“. Man werde mit den Betriebsräten am kommenden Donnerstag “eine Reihe punktuell notwendiger Maßnahmen“ besprechen und danach Mitarbeiter und Öffentlichkeit informieren. “Wo immer sich Brücken zur Überwindung von Nachfrage-Tälern bauen lassen, gehen wir diesen Weg“, versprach Löscher.

Arbeitnehmervertreter rechnen vor allem in der Industrie-Sparte mit dem Verlust von Jobs in Deutschland. “Wir reden auf jeden Fall über eine vierstellige Zahl“, erfuhr die Nachrichtenagentur DAPD aus Arbeitnehmerkreisen. Auch eine Standort-Schließung sei nicht ausgeschlossen. Die Pläne bedeuteten aber nicht automatisch, dass die betroffenen Mitarbeiter entlassen würden. Siemens hat bis 30. September 2010 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Siemens erwägt bessere Prognose

Zur Hauptversammlung präsentierte Siemens den Aktionären trotz Krise gestiegene Gewinne. Das Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf 2,255 Milliarden Euro. Damit hat Siemens schon fast ein Drittel des für 2010 angepeilten operativen Gewinns von bis zu 6,5 Milliarden Euro eingefahren. “Zum Halbjahr, also auf halber Wegstrecke, werden wir unsere Prognose überprüfen“, kündigte Löscher eine mögliche Anhebung der bisher verhaltenen Vorhersagen an. Zur Überraschung von Analysten blieb im Quartal von Oktober bis Dezember unter dem Strich ein Gewinn von 1,531 Milliarden Euro und damit fast ein Viertel mehr als im Vorjahresquartal. Im DAX war auf diese Nachricht hin Siemens der Gewinner.

Deutlich bemerkbar macht sich die Krise aber beim Umsatz. Er sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 12 Prozent auf 17,352 Milliarden Euro. Der Auftragseingang brach um 15 Prozent auf 18,976 Milliarden Euro ein, war aber höher als im letzten Quartal 2009. Am stärksten getroffen wurden der Industrie- und der Energiesektor, während der Gesundheitssektor sich stabiler zeigte. Der Auftragsbestand lag Ende Dezember bei 83 Milliarden Euro.

Vergleichszahlungen “lächerlich gering“

Die Aktionäre lobten zwar den geschäftlichen Kurs, nahmen aber die Vergütung der Vorstandsriege ins Visier, über die sie erstmals abstimmen durften. Auch die Vergleichssumme in Höhe von 19,5 Millionen Euro, die der frühere Siemenschef Heinrich von Pierer und acht weitere Ex-Topmanager im Zuge der Schmiergeldaffäre als Schadenersatz zahlen sollen, stieß auf Kritik. “Das ist aus meiner Sicht lächerlich gering“, sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Zahlungen der betroffenen Manager deckten nicht einmal ein Prozent der entstandenen Schadenssumme ab.

Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erklärte, die Beträge seien “Peanuts“. “Trotz der geringen Höhe ist es gut, dass es zu den Vergleichen gekommen ist“, meinte sie zugleich. Siemens habe gezeigt, “dass Vorstände keine geschützte Spezies sind“. Zugleich hielt Bergdolt Löscher vor, bei einer Gesamtvergütung von 27 Millionen Euro für den gesamten Vorstand habe er im vergangenen Jahr mit 7,1 Millionen Euro deutlich mehr als seine sieben Kollegen verdient. Bergdolt forderte zudem eine nachhaltigere Vergütung, etwa indem die Haltefrist für Aktienoptionen von drei auf vier Jahre erhöht wird.

Von Maria Marquart

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