Kanzlerin wünscht sich Ruhe bei Siemens

Löscher fügt sich in seinen Rauswurf

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Peter Löscher (re.) und sein designierter Nachfolger Joe Kaeser.

München - Ein vergleichbares Drama muss man in der deutschen Wirtschaftswelt lange suchen. Selbst Bundeskanzlerin Merkel wünscht sich, dass bei dem Industriegiganten rasch wieder Ruhe einkehrt.

Der Rauswurf von Konzernchef Löscher wirft ein Schlaglicht auf Siemens.

Der erzwungene Abgang von Siemens-Chef Peter Löscher wird an den Börsen mit einigem Wohlwollen aufgenommen. Abseits des Dramas um den Rauswurf erholte sich am Montag der Aktienkurs des Münchner Industriegiganten ein Stück vom Schock der Gewinnwarnung, die am vergangenen Donnerstag das vorzeitige Ende der Karriere Löschers bei Siemens eingeläutet hatte.

Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns hatte sich am Wochenende nach langen Beratungen auf die vorzeitige Ablösung des Österreichers geeinigt und die für diesen Mittwoch geplante Abwahl in einer knappen Pflichtmitteilung verbreitet. Aus gut informierten Kreisen wurde berichtet, dass Finanzvorstand Joe Kaeser Löschers Nachfolge an der Siemens-Spitze übernehmen soll. Der Konzern schweigt dazu.

Die Schockwellen des Führungsdramas erreichten auch Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wünscht sich ein Ende der Turbulenzen. Aus Sicht der Kanzlerin sei Siemens ein Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag. „Deshalb ist es ihr wichtig, dass dieses Weltunternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser gerät.“

Löscher galt in den vergangenen Jahren als wichtiger Berater Merkels. Sie habe den Manager, seine Arbeit und seine Fachkompetenz immer sehr geschätzt: „Sie erinnert sich auch besonders an sein großes Engagement als Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft“, sagte der Sprecher.

Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag) zufolge wehrt sich Löscher gegen seinen Abschied. Er werde nur dann nachgeben und seinen Posten räumen, wenn auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zurücktrete. Ansonsten wolle er es auf eine Kampfabstimmung in der Sitzung des Aufsichtsrats ankommen lassen. Löscher mache für seinen Rauswurf vor allem Cromme verantwortlich und beklage ein Komplott.

Doch Löscher selbst dementierte den Bericht am Montag. „Es geht mir ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370 000 Siemensianer, die zurecht stolz auf ihr Unternehmen sind“, sagte Löscher der „Bild“-Zeitung (Dienstag). Ein Siemens-Sprecher erklärte, es stimme nicht, dass Löscher seinen Vorstandsposten nur dann räumen wolle, wenn zugleich auch Cromme das Kontrollgremium verlasse.

Spätestens seit der Pflichtmitteilung vom Wochenende ist ohnehin klar, dass die Mehrheit für die Ablösung Löschers als sicher gelten kann. Der Aufsichtsrat, in dem je zehn Vertreter der Anteilseigner und zehn Vertreter der Arbeitnehmerseite sitzen, wird am Mittwoch, einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen, über den Rauswurf entscheiden - und einen Nachfolger bestimmen.

Zwar ist Finanzvorstand Kaeser bislang nicht offiziell dafür auserkoren worden, die Aktienmärkte vergaben am Montag allerdings bereits Vorschusslorbeeren für den mutmaßlichen neuen Boss. Für Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel ist Kaeser der „logische Nachfolger“. Auch andere Branchenexperten zeigten sich mit der vermutlichen Wahl des neuen Siemens-Chefs zufrieden.

Wunder erwartet sich die Börse von Kaeser allerdings nicht, denn die Baustellen des Konzerns blieben erhalten. Kaeser habe zwar die starke Unterstützung der Finanzmärkte, schreibt etwa die Bank JP Morgan. Er werde es dennoch schwer haben, die hohen Erwartungen des Marktes zu erfüllen - denn auch Kaeser habe weiter mit den Problemen zu kämpfen haben, die zu der Gewinnwarnung am Donnerstag führten. Der Kurs der Siemens-Aktie war danach zeitweise auf unter 78 Euro eingebrochen. Am Montag notierte das Papier am Mittag bei knapp unter 80 Euro.

Löscher war nach zahlreichen Misserfolgen bei Deutschlands größtem Elektrokonzern zunehmend in Bedrängnis geraten. Höhepunkt der Pannen-Serie war die zweite Gewinnwarnung in nicht einmal drei Monaten am Donnerstag.

dpa

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