Siemens: Lukrativer Einstieg in Lokproduktion in Russland

München/Jekaterinburg - Siemens steigt ins russische Bahngeschäft ein. Das Projekt ist 200 Millionen Euro schwer, der Antrag bei der EU-Kommission lediglich eine Formalie.

Der Mischkonzern Siemens steht vor einem wichtigen Schritt in den wachstumsträchtigen Bahntechnik-Markt Russland. Die Verhandlungen zwischen dem Elektrokonzern und dem russischen Lokomotiven-Hersteller OJSC Sinara über eine enge Kooperation sollten in den nächsten Monaten abgeschlossen sein, bestätigte ein Siemens-Sprecher am Montag einen entsprechenden Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Antrag lediglich Formalie

Das Gemeinschaftsunternehmen solle im Sommer seine Arbeit aufnehmen. Die Eigentümer dürften angesichts der Projektgröße zwischen 150 und 200 Millionen Euro in das neue Unternehmen investieren. Eine Absichtserklärung für das Joint-Venture war bereits im vergangenen Mai unterzeichnet worden.

Der in dieser Woche bei der EU-Kommission gestellte Antrag gilt nach Angaben des Unternehmenssprechers als Formalie. Es handele sich um ein vereinfachtes Kartellverfahren. Siemens werde 49 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, Sinara übernehme mit 51 Prozent die Mehrheit. Sie gehört dem russischen Milliardär und Industriemagnaten Dmitry Pumpyansky, dessen Gruppe im Immobiliengeschäft, der Finanz- und Eisenbahnindustrie tätig ist und Stahlröhren sowie Maschinen fertigt.

Grundsatzvereinbarung über eine enge Zusammenarbeit

Das Gemeinschaftsprojekt ist das bislang bedeutendste, seit der Siemens-Industriebereich Mobility vor rund zwei Jahren mit der neuen Konzernstruktur geschaffen wurde. In dem Werk in der Nähe von Jekaterinburg sollen jährlich 100 Doppel-Loks für den russischen Markt gefertigt werden. Noch in diesem Jahr soll die Produktion beginnen.

Es handelt sich um zwei zusammengekoppelte leistungsstarke Elektrolokomotiven, die anders als sonst üblich nur mit je einem Fahrerhaus ausgestattet sind. Abnehmer wird der russische Bahnbetreiber RZD sein. Mit ihm und mit Sinara hatte Siemens im Mai vergangenen Jahres eine Grundsatzvereinbarung über eine enge Zusammenarbeit getroffen. Zum Vergleich: Im Siemens-Werk München Allach werden 120 Lokomotiven gefertigt.

dpa

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