Schuldenkrise war gestern: Börsen im Höhenflug

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Ein Börsenhändler an der Frankfurter Börse: Am Dienstag knackte der Deutsche Aktienindex die 7000-Punkte-Marke.

Frankfurt - Insgesamt herrscht an den Börsen seit Wochen Euphorie: Die Angst der Anleger vor einem Flächenbrand in Europa scheint verflogen, die Geldflut der Notenbanken stützt die Erholung.

Krise? Welche Krise? Die Rallye an den Börsen hat längst wieder begonnen. Nach dem besten Jahresstart seiner gut 20-jährigen Geschichte hat der Deutsche Aktienindex am Dienstag die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten geknackt - und am Mittwoch ging es zunächst weiter steil nach oben. Die zwischenzeitliche Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands ist auf dem Parkett nach dem geglückten Athener Schuldenschnitt zunächst verflogen, die Geldflut der Notenbanken stützt die Erholung.

Zudem nähren viele Unternehmen mit besten Jahresbilanzen die Euphorie der Anleger. Nicht einmal der am Mittwoch verkündete erste Verlust des Energieriesen Eon in der Unternehmensgeschichte schockte die Investoren: Das Papier des Düsseldorfer Konzerns setzte sich an die Dax-Spitze. Wegen des Atomausstiegs hatte sich der Markt auf rote Zahlen bei Eon eingestellt - und traut dem Konzern die Trendwende zu.

Die Anleger werden wieder mutiger

„Im vergangenen Jahr waren Anleger extrem zurückhaltend. Doch mittlerweile ist ein Risiko nach dem anderen im Prinzip ausgestrichen. Das führt dazu, dass Anleger mutiger werden“, erklärt Henning Gebhardt, Leiter europäische Aktien bei der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS. „Insbesondere internationale Investoren haben im vergangenen Jahr einen Bogen um den Euro gemacht. Diese sind jetzt zum Teil zurückgekommen.“

Schmierstoff des Aufschwungs ist nach Einschätzung vieler Experten die jüngste Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB). Zweimal binnen knapp zwei Monaten pumpten die Währungshüter Milliarden ins System - und Europas Banken nahmen das extrem billige Geld für eine Laufzeit von bis zu drei Jahren gerne an.

Die EZB-Milliarden nahmen die Angst vor Banken- und Unternehmenspleiten - und erkauften zugleich Zuversicht an den Börsen. „Von Panik bewegen sich die Märkte weg, die Rallye kann noch eine Weile weitergehen“, sagt Thorsten Polleit, Deutschland- Chefvolkswirt von Barclays Capital. Ein Teil des billigen Zentralbankgeldes komme auch an den Aktienmärkten an.

Doch die grundlegenden Probleme sind noch da

Doch Polleit warnt: „Das ist eine Droge, die nur kurze Zeit putschen wird.“ Die unterliegenden Probleme seien nicht aus der Welt geschafft: „Dass Staaten überschuldet sind und Banken künstlich am Leben gehalten werden, das wird irgendwann wieder durchschlagen.“

Noch jedoch sprechen nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) aus der vergangenen Woche „technische und fundamentale Indikatoren (...) dafür, dass Aktien lediglich eine gesunde Konsolidierungsphase durchlaufen“. In der Tat: Die Konjunkturzuversicht nimmt zu. So berichtete das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in dieser Woche, Finanzmarktexperten sähen die Lage der deutschen Konjunktur so positiv wie seit Juni 2010 nicht mehr. Auch die Bundesbank spricht von einer „spürbaren Aufhellung“ der Aussichten.

Die Rekorde von 2011

Dabei ging es der realen deutschen Wirtschaft schon 2011 ausgezeichnet. Beispiel Autoindustrie: Ob VW, BMW, Daimler oder Audi, sie alle bejubelten Rekorde. Nie zuvor verkauften die Hersteller mehr Autos, nie zuvor strömte so viel Geld in die Kassen. An den Börsen mussten sie alle trotzdem herbe Rückschläge einstecken - die brodelnde Staatsschuldenkrise machte Anleger misstrauisch.

Doch seit die Geldflut der EZB und der europäische Fiskalpakt die Zuversicht der Investoren beflügelten, legen auch die Autowerte kräftig zu. Die BMW-Aktie etwa seit Jahresbeginn um fast 40 Prozent. Ein Ende des Höhenflugs ist nicht in Sicht: BMW peilt 2012 ein weiteres Rekordjahr an, Daimler setzt beim Absatz neue Bestmarken.

Das positive Umfeld beflügelt auch die Aktienmärkte - der US-Index Dow Jones Industrial legte zuletzt praktisch im Gleichschritt mit dem Dax zu. Den bislang erreichten Dax-Stand trauten viele Experten dem Index frühestens zum Jahresende 2012 zu. In einer Ende Dezember veröffentlichten „Handelsblatt“-Umfrage prognostizierten 36 Banken und Investmenthäuser zum Ende dieses Jahres im Schnitt sogar nur einen Dax-Stand von 6573 Zählern.

dpa

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