Forscher: 2012 endet der Job-Boom

Nürnberg - Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen geht der Arbeitsmarkt unsichere Zeiten entgegen. Ein besonders entscheidender Faktor wird die Schuldenkrise sein.

Der Arbeitsmarkt geht unsicheren Zeiten entgegen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erklärte am Freitag in seiner Herbstprognose, die weitere Entwicklung hänge entscheidend von der Lösung der Schuldenkrise ab. Gleichwohl würden bei einem unterstellten Wirtschaftswachstum von einem Prozent 2012 im Jahresdurchschnitt 2,92 Millionen Menschen arbeitslos sein, 50.000 weniger als 2011.

Schuld an der Abschwächung des Aufschwungs sei zum einen das ungünstige wirtschaftliche Umfeld, erklärten die Nürnberger Forscher. Zum anderen habe sich der positive Trend der vergangenen Jahre nicht fortgesetzt, als die Hartz-Reformen griffen. Die davon erschlossenen neuen Potenziale seien weitgehend ausgeschöpft.

BIP-Szenarien zwischen minus 0,2 und plus 1,6 Prozent

Die IAB-Forscher gaben zu bedenken, dass zurzeit Zukunftserwartungen und Einschätzung der aktuellen Lage “ungewohnt weit auseinanderklaffen“. Deshalb schlossen sie nicht aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im nächsten Jahr 2012 sogar leicht schrumpft. Bei einem Rückgang um 0,2 Prozent würde die Arbeitslosigkeit um 20.000 auf einen Jahresdurchschnitt von 2,99 Millionen steigen.

Auch bei leicht rezessiven Tendenzen sei also mit einer insgesamt robusten Entwicklung zu rechnen, erklären die Arbeitsmarktforscher. Sollten sich die jüngsten Einbrüche der Konjunkturindikatoren und Finanzmärkte als überzogen herausstellen und die europäischen Staaten die Schuldenkrise nachhaltig eindämmen, wäre in einem positiven Szenario auch ein Wachstum der Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent denkbar. Dann würde die Arbeitslosigkeit auf 2,89 Millionen Menschen sinken.

Arbeitskräfteangebot sinkt 2012 um 40.000 Personen

Allein aufgrund der demografischen Entwicklung nähme auf der anderen Seite das Arbeitskräfteangebot 2012 um fast 250.000 Menschen ab, haben die Forscher ausgerechnet. Zum größten Teil könne der demografische Rückgang aber ausgeglichen werden. Dies liege zum einen an der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, zum anderen an der Zuwanderung, nicht zuletzt aus den acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten, für die seit Mai 2011 volle Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit gilt. Unterm Strich sinke das Arbeitskräfteangebot im Jahr 2012 daher nur um 40.000 Personen.

dapd

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