Insolvenz vor dem Deutschland-Start

Schlecker-Nachfolger Dayli ist pleite

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Dayli-Firmenchef Rudolf Haberleitner bei einer Pk in Wien (Archivfoto vom 09.04.2013). Noch vor dem geplanten Deutschland-Start ist der österreichische Schlecker-Nachfolger Dayli insolvent.

Wien/Linz - Der Schlecker-Nachfolger Dayli ist insolvent: Die Drogeriekette hat am Donnerstag am Landesgericht Linz einen Antrag auf Sanierungsverfahren eingebracht.

Noch vor dem geplanten Deutschland-Start ist der Schlecker-Nachfolger Dayli pleite. Über die österreichische TAP dayli Vertriebs GmbH mit Sitz in Pucking ist am Donnerstag am Landesgericht Linz offiziell ein Sanierungsverfahren eröffnet worden, teilte das Gericht mit. Dayli wollte hunderte Läden der zusammengebrochenen deutschen Drogeriekette übernehmen. Nun scheinen die Hoffnungen tausender ehemaliger Schlecker-Mitarbeiter erneut zerplatzt.

Nach Angaben der Kommunikationsagentur von Dayli ist das Unternehmen auf Basis von Zerschlagungswerten mit 49,2 Millionen Euro überschuldet. Das Gericht geht unter den selben Voraussetzungen von 49,58 Millionen aus. 3468 Arbeitnehmer sind betroffen. Wie viele Angestellte nun ihre Arbeitsplätze verlieren, ist noch unklar. Noch nicht bezahlte Gehälter, Urlaubsabfindungen und Entschädigungen werden aber von einem Insolvenzentgeltfonds übernommen.

Die Fortführung der Firma sei geplant, auch wenn die Regale in den Filialen seit Wochen nur noch halbleer sind. Dayli-Chef Rudolf Haberleitner sieht trotzdem kein Scheitern seiner Idee: „Ich glaube immer noch an das Nahversorger-Konzept“, sagte der 68-Jährige der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Was die Pleite für die ehemaligen Schlecker-Filialen in Deutschland bedeutet, die Dayli wiederbeleben wollte, ist ungewiss. Die Firma zögerte die Eröffnung der ersten Shops in Deutschland immer wieder hinaus. Ursprünglich war die erste Testphase für Mai geplant. Branchenkenner bezweifelten von Beginn an das Geschäftsmodell.

Die Drogeriemarkt-Kette Schlecker war Anfang 2012 in die Insolvenz gerutscht und hatte zu dem Zeitpunkt allein in Deutschland noch über 5000 Filialen. Ende Juni vergangenen Jahres war endgültig Schluss.

Haberleitner wollte mit seinem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens hunderte Läden in Deutschland übernehmen. In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sollten zunächst 400 Filialen entstehen. Bis 2016 sollten Kunden deutschlandweit in 2500 Geschäften einkaufen können, hatte Haberleitner angekündigt. Seine ehrgeizigen Pläne gingen sogar noch weiter. Europaweit plante er 4800 Filialen bis 2016, wo vom Autoservice bis zur Zahnbürste alles angeboten werden sollte.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wartet nach der Pleite noch auf Geld, wie ein Sprecher von ihm bestätigte. Branchenkreisen zufolge hat er noch Forderungen von 4,6 Millionen Euro an Haberleitner. Der Wiener Investor soll Schlecker-Österreich 2012 für 7 Millionen Euro gekauft haben. Der Geiwitz-Sprecher äußerte sich zur Höhe des Kaufpreises nicht, bestätigte aber, dass bereits erste Raten gezahlt worden seien. Die Ratenzahlung für Ende Juni sei aber noch nicht eingegangen. Sorgen um sein Geld muss sich Geiwitz aber nicht machen: „Unsere Forderungen sind gesichert“, sagte sein Sprecher.

Am Mittwoch hatten die Dayli-Gläubiger in Österreich gedroht, selbst einen Insolvenzantrag bei Gericht einzubringen, sollte es die Firma nicht machen. Das nun selbst eingeleitete Sanierungsverfahren ist in Österreich eine Form eines Insolvenzverfahrens. Den Gläubigern werden dabei mindestens 20 Prozent ihres ausstehenden Geldes zugesichert. Dayli will seinen rund 1340 Gläubigern 25 Prozent zurückzahlen. Die Firma hat dafür zwei Jahre lang Zeit. Dem Unternehmen wird dazu ein Insolvenzvertreter zur Seite gestellt.

„Gründe für die Insolvenz sind unter anderem, dass Teile des Nahversorger-Konzepts nicht wie geplant umgesetzt werden konnten“, teilte Dayli mit. In Österreich gab es zuletzt Streit um die Sonntagsöffnung, die Dayli nicht umsetzen durfte. „Die dadurch verursachte öffentliche Diskussion führte zur Verunsicherung von potenziellen Investoren“, hieß es.

Der Glücksspielkonzern Novomatic war als Miteigentümer nach Streitigkeiten im Mai wieder ausgestiegen. Seitdem suchte Dayli einen Investor. Haberleitner hat sich selbst kurz vor dem Sanierungsantrag von seiner Firma getrennt. Seine Beteiligungsgesellschaft TAP 09 hat er an Martin Ziegers ICU Unternehmensberatung GmbH abgetreten. Haberleitner sieht sich laut APA aber noch immer als Geschäftsführer, allerdings übernehme im Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung der Insolvenzverwalter das Ruder. Haberleitner habe somit rein rechtlich nichts mehr zu sagen.

dpa

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