Schifffahrt mit hohen Verlusten

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Die Schifffahrt erlitt hohe Verluste.

Hamburg - Schiffe im Hafen ohne Ladung sind kein gutes Zeichen für die Wirtschaft. Auf kaum eine andere Branche haben sich die sinkenden Umschlagzahlen in der Krise so unmittelbar ausgewirkt wie auf die Schifffahrt.

Weltweit 500 Schiffe und damit etwa elf Prozent der Containerkapazität werden nach Angaben des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) zurzeit nicht genutzt. Das hat auch Folgen für den Schiffbau und die deutschen Werften. Die Zahl der Beschäftigung hat hier mittlerweile einen historischen Tiefstand erreicht. Erholung ist nur allmählich in Sicht. Erst im Dezember hatten die deutschen Reeder das ganze Ausmaß der Krise vorgestellt. Sichtlich besorgt um die Zukunft der Branche sagte VDR-Vorsitzender Michael Behrendt in Hamburg: “Viele große Linienreedereien weisen Rückgänge von bis zu 20 Prozent aus.“ Die Chartermärkte seien um bis zu 80 Prozent eingebrochen.

Eine ganze Reihe Reeder hätten zunehmend Probleme bei der Kapitalbeschaffung, um den Betrieb ihrer Unternehmen aufrecht zu erhalten. Zudem seien die Preise für Frachtfahrten um etwa 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau gefallen. Das prominenteste Beispiel für den Niedergang war 2009 die Entwicklung von Hapag-Lloyd. Die wichtigste deutsche Containerreederei konnte im Sommer nur durch eine gemeinsame Aktion des Reisekonzern TUI, den Haupteigentümern des Hamburger Konsortiums Albert Ballin, und der Bundesregierung vor der Pleite gerettet werden. Der Umsatz war um fast 30 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro eingebrochen. Nur mit dem Verkauf der Mehrheit an der Containerreederei hat TUI sich 2009 noch in die Gewinnzone retten können.

15 Prozent weniger Arbeitsplätze

Die Krise im Umschlaggeschäft wirkt sich ohne Verzögerung auch auf den Schiffbau aus. Viele Werften sind derzeit in Bedrängnis, weil die Reederein bei ihnen in besseren Zeiten Schiffe bestellt hatten, die sie nun nicht mehr bezahlen können. Vor zwei Jahren noch, als viele dieser Schiffe geordert wurden, habe es noch keine Anzeichen für die Krise gegeben, erklärt VDR-Chef Behrendt. Einer Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) in Bremen zufolge ging die Zahl der Arbeitsplätze auf den Werften in den vergangenen zwölf Monaten um 15 Prozent auf 17.500 zurück.

Auftragseinbrüche und Stornierungen insbesondere im Container- und Kreuzschifffahrtbau haben sechs der 37 deutschen Seeschiffwerften in die Insolvenz gezwungen, heißt es in der Untersuchung. Zu befürchten sei, dass industrielle Kapazitäten, Arbeitsplätze und Know-how unwiderruflich verloren gingen. Die IG Metall fordert deshalb einen Verzicht auf weitere Entlassungen in diesem und im kommenden Jahr. Nach dem Ende der Krise benötige die Branche wieder qualifizierte Facharbeiter, sagt Gewerkschaftsbevollmächtigter Karsten Behrenwald.

Millionenaufträge zurückgenommen

Für die 2.500 Beschäftigten der früheren Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde sah es in der ersten Jahreshälfte 2009 auch gar nicht gut aus. Anfang August ging der Betrieb in Insolvenz, viel Hoffnung auf eine Rettung des Unternehmens gab es nicht. Hunderte Millionen Euro staatlicher Bürgschaften und Kredite von Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern hatten die Insolvenz nicht verhindert, da unter anderem die schwedische Fährreederei Stena Line von einem weitgehend fertiggestellten Millionenauftrag zunächst zurückgetreten war und auch andere Reedereien Verträge storniert hatten.

Dann aber erschien mit Witali Jussufow ein russischer Investor, der immerhin versprach, mittelfristig insgesamt bis zu 1.600 Arbeitsplätze zu sichern. Jussufow will sich nun unter dem neuen Namen Nordic Yards nach eigenen Angaben als “Spezial-Schiffbauer mit hervorragendem Zugang zum wachstumsstarken russischen Markt“ positionieren. Immerhin konnte er die Abnahme der schwedischen Fähren zu einem leicht reduzierten Preis sichern, und auch für zwei fertige Frachtschiffe hat sich ein Kaufinteressent gefunden.

Mehr staatliche Unterstützung gefordert

Angesichts der schweren Verluste in der Branche hat der VDR finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung gefordert. “Es geht um eine Überbrückung in einem überschaubaren Zeitraum von zwei bis drei Jahren“, sagt der VDR-Vorsitzende Behrendt. Die deutsche Schifffahrt habe im Jahr 2009 größere Rückschläge erlitten, als die Branche erwartet habe. Zudem habe man noch ein weiteres, unvorhersehbares Probleme dazubekommen: die Piraterie. Die EU-Operation “Atalanta“ und der Einsatz von Marine-Einheiten vieler Staaten habe nur begrenzten Erfolg gezeigt, sagt der Verbandschef. In jedem Fall solle das Mandat der Deutschen Marine um ein weiteres Jahr verlängert werden.

AP

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