Prozess um Quelle-Erbin

Schickedanz erscheint nicht im Gericht

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Madeleine Schickedanz ist nicht persönlich zu dem Prozess erschienen, in dem es für sie um alles oder nichts geht.

Köln - Ein Sitz ist leer geblieben im Gerichtssaal. Die Ex-Milliardärin Madeleine Schickedanz erscheint nicht persönlich zu dem Prozess, in dem es für sie um alles oder nichts geht.

Das passt zu dem Bild, das sich die Öffentlichkeit von der scheuen 69-Jährigen macht. Und auch zu der Beschreibung, die Anwalt Stefan Homann im Kölner Landgericht von seiner prominenten Mandantin gibt. „Frau Schickedanz hat das gemacht, was man ihr vorgelegt hat.“

Die Quelle-Erbin fordert von der abgetretenen Führungsmannschaft der einst größten europäischen Privatbank Sal. Oppenheim und dem einflussreichen Unternehmer Josef Esch gigantische Geldsummen zurück: insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Sie habe ihnen vertraut, selbst nicht groß über die Geschäftsdetails nachgedacht, gibt Homann zu Protokoll. Er kritisiert, dass man Schickedanz nie die Risiken eines Aktienkaufs auf Kredit erklärt, nie ein Worst-Case-Szenario vor Augen geführt habe. Heute müsse Schickedanz die Zeche zahlen.

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Es ist noch gar nicht lange her, da stand Schickedanz auf den Reichen-Listen ganz oben. Sie hatte Quelle geerbt, 1999 mit Karstadt fusioniert, was sich als schwierig erwies. Es wurde gestrafft bei KarstadtQuelle, 2007 in Arcandor umfirmiert, der Handelskonzern ging trotz der Rettungsversuche Pleite. Großaktionärin Schickedanz, die immer wieder Geld hineingepumpt hatte - auch mittels Darlehen von Sal. Oppenheim - steht seitdem vor dem Ruin. Esch und die Ex-Chefs der Kölner Bank hätten sie falsch beraten, seien zu risikoreich vorgegangen und damit Schuld an ihrer Finanzmisere, sagt Schickedanz. 2009 beklagte sie in einem Interview: „Wir leben heute von 500 bis 600 Euro im Monat. Wir kaufen auch beim Discounter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten.“

Doch vor Gericht zählen nur Beweise. Und der Vorsitzende Richter Stefan Singbartl gibt sich an diesem Dienstag keine Mühe, sein Staunen über die angeblich so unbedarfte Milliardärin zu verbergen. Dass eine Großanlegerin wie Schickedanz von all den Risiken nichts gewusst haben wolle, das leuchte ihm nicht ein. Wenig glaubhaft erscheint Singbartl auch, dass ihr dritter Ehemann Leo Herl sie nicht auf dem Laufenden gehalten habe. „Dass da überhaupt keine Informationen geflossen sein sollen, ist ein bisschen schwer nachzuvollziehen.“ Die Anwälte der namhaften Gegnerschaft - auch aus ihren Reihen lässt sich niemand blicken - müssen kaum noch etwas vorbringen nach diesen deutlichen Richter-Worten.

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In dem komplexen Fall steht jedoch nicht nur Schickedanz als Verliererin da. Auch Sal. Oppenheim - das über 200 Jahre alte Bankhaus - zählt zu den Gefallenen. Unter einem Milliardenverlust brach es 2009 fast zusammen - auch weil es ein riesiges Arcandor-Aktienpaket von Schickedanz übernommen hatte. Seit 2010 gehören die Kölner in stark verkleinerter Form zur Deutschen Bank. Aus dem noblen, diskreten Institut für reiche und superreiche Privatkunden ist eine abhängige Tochter geworden, die personell schrumpft und schrumpft.

Die Ex-Chefs der Bank - seit einiger Zeit aus dem Rampenlicht verschwunden - haben ebenfalls wenig Grund zur Freude. Einige hatten persönlich für die Kreditnehmerin Schickedanz gebürgt - und später für sie dreistellige Millionensummen zurückzahlen müssen. Sie fordern nun im selben Zivilverfahren via Gegenklage ihr Geld zurück. Vor allem aber stehen die namhaften Ex-Privatbankiers kurz vor einem spektakulären Strafprozess.

Im kommenden Frühjahr müssen sich die ehemals vier persönlich haftenden Gesellschafter Matthias Graf von Krockow, Friedrich Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim und Dieter Pfundt in Köln wegen des Verdachts der schweren Untreue verantworten. Es geht um Immobiliengeschäfte, mit denen sie die Bank um Millionenschaden geprellt haben sollen. Angeklagt ist auch Immobilienentwickler Esch aus Troisdorf, der eine schwer durchschaubare, weit verzweigte Holding steuert und mit der damaligen Bank-Führungscrew eng zusammengearbeitet hatte. Alle fünf bestreiten die Vorwürfe. Ist der Streitfall Schickedanz mit mehreren Widerklagen schon kompliziert, so dürfte der anstehende Strafprozess noch komplexer werden.

dpa

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