RWE profitiert von Innogy

Abgestürzte Strompreise drücken Bilanzen von RWE und EnBW

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Die RWE-Ökostromtochter Innogy macht dem Energieversorger Freude. Foto: Ina Fassbender

Die Energiewende drückt weiter auf die Bilanzen der Stromriesen. RWE verdient mit Braunkohle und Atom kaum noch Geld und hängt am Tropf der Ökostromtochter Innogy. Bei EnBW sieht es kaum besser aus. Die Branche hofft weiter auf Geld für das Bereithalten von Strom.

Essen (dpa) - Die Energieversorger RWE und EnBW ächzen weiter unter niedrigen Börsenstrompreisen als Folge der Energiewende. RWE verdient 2017 immer weniger Geld mit Kohle-, Gas- und Atomstrom und wird damit zunehmend abhängig von seiner Ökostrom-Tochter Innogy.

EnBW konnte nur dank des Verkaufs von knapp 50 Prozent der Anteile an einem Offshore-Windpark im ersten Quartal sein Ergebnis von 51 auf gut 380 Millionen Euro steigern. Die Strompreise an der Börse fallen - die Branche hofft weiter auf eine Vergütung für das Bereithalten von konventionellem Strom, wie bei den Quartals-Pressekonferenzen deutlich wurde.

Wie RWE mitteilte, brach der betriebliche Gewinn aus der Braunkohle- und Kernenergieverstromung im ersten Quartal 2017 um fast die Hälfte auf 213 Millionen Euro ein. Bei der Stromerzeugung mit Gas- und Steinkohle gab es wegen der höheren Nachfrage im kalten und windstillen Januar ein Plus - aufs ganze Jahr gerechnet sei aber auch hier mit Rückgängen zu rechnen, teilte RWE mit.

Wie stark die Margen sinken, zeigt sich an den Verkaufsabschlüssen von RWE: 2016 hatten die Essener im Schnitt noch 35 Euro pro Megawattstunde erzielt, im laufenden Jahr sind es 31 Euro, für 2018 erzielte RWE im Schnitt nur 27 Euro, für 2019 sind es 26 Euro.

Alles in allem sprach RWE-Finanzchef Markus Krebber bei der Quartalsbilanz dennoch von einem guten Start ins Jahr. RWE bestätige seine Ziele eines leichten Gewinnzuwachses für 2017 und einer Dividende von 50 Cent. Die Dividende ist bei den zahlreichen kommunalen RWE-Aktionären regelmäßig fest eingeplant. Dividendenstreichungen wie 2015 und 2016 führen deshalb regelmäßig zu harter Kritik.

Insgesamt ging das betriebliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Quartal wegen der niedrigen Strompreise um sechs Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zurück. Die 77-Prozent-Finanzbeteiligung Innogy, die ein betriebliches Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro erreichte, wird dabei für die RWE-Bilanz aber immer wichtiger. Das bereinigte Nettoergebnis, aus dem die Dividende berechnet wird, ging um fast ein Fünftel auf 690 Millionen Euro zurück.

Bei EnBW sank der operative Gewinn um 17,3 Prozent auf gut 513 Millionen Euro, wie der Karlsruher Konzern am Montag weiter mitteilte. Finanzvorstand Thomas Kusterer führte dies vor allem auf den außerplanmäßigen Stillstand des Kernkraftwerks Philippsburg 2 zurück sowie auf gefallene Großhandelspreise für Strom. An der Ergebnisprognose von null bis fünf Prozent über Vorjahr für den operativen Gewinn hält der Konzern fest.

Die Branche setzt weiter große Hoffnung auf eine Entlohnung für das Vorhalten konventionell erzeugter Energie. Das Thema werde nach der Bundestagswahl sicher wieder auf die Tagesordnung kommen, prognostizierte RWE-Vorstand Krebber. Andere Länder wie Großbritannien hatten solche Modelle angesichts der weiter großen Schwankungen bei Wind- und Solarenergie eingeführt. Eine ähnliche Umsetzung für Deutschland würde um die zwei Milliarden Euro im Jahr kosten, sagte Krebber. Das sei nicht zu viel für Versorgungssicherheit rund um die Uhr.

RWE-Quartalsbericht

EnBW-Quartalsbericht

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