RWE-Atomkraftpläne in Bulgarien vor dem Aus?

Essen/Sofia - Das umstrittene bulgarische Kernkraftprojekt Belene des Energiekonzerns RWE steht laut “Financial Times Deutschland“ vor dem Aus.

Voraussichtlich in der kommenden Woche werde die Regierung in Sofia das Ende des Vorhabens verkünden, berichtete die Zeitung (Freitag) unter Berufung auf Branchenkreise. “Die Finanzierung ist nicht gelungen“, zitierte das Blatt eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Die bulgarische Regierung dementierte noch am gleichen Tag, das Projekt stoppen zu wollen. “Bulgarien hat nie erklärt, es wolle das Projekt für das AKW Belene kündigen“, sagte Wirtschaftsminister Trajtscho Trajkow. Die neue Regierung werde die Vereinbarungen über Belene sowie künftige Möglichkeiten analysieren.

RWE sieht keine neue Situation gegeben. “Wenn die neue bulgarische Regierung das Projekt überprüft, ist das ihr gutes Recht“, sagte RWE- Sprecher Martin Pack der dpa in Essen. Das hatte die Regierung aber schon nach der Wahl angekündigt. An der Donau sollen nach bisherigen Plänen für vier Milliarden Euro zwei Meiler mit einer Leistung von je 1000 Megawatt entstehen.

Derzeit prüft RWE zusammen mit dem staatlichen bulgarischen Energieunternehmen NEK, ob das Projekt umgesetzt werden kann. “Im Rahmen des Joint Venture Agreements überprüfen wir alle wichtigen Punkte. Dazu gehören die Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, technische Machbarkeit und Finanzierung des Projekts“, sagte Pack. Kritiker lehnen das Projekt ab, weil das Gebiet um Belene erdbebengefährdet sei. Außerdem befürchten sie veraltete Technik, weil der russische Konzern Atomstroyexport die Reaktoren liefern soll. Sollte die Prüfung aus Sicht von RWE und NEK positiv verlaufen, werde eine Projektgesellschaft gegründet, an der NEK 51 Prozent und RWE 49 Prozent der Anteile halten soll.

RWE würde von seinem geplanten Anteil die Hälfte auch an einen weiteren Partner abgeben. Schon vor Monaten hatte es Berichte gegeben, wonach die bulgarische Regierung die Finanzierung ihres Anteils nicht zusammenbekommt. Bulgariens Ex-Außenminister Iwajlo Kalfin kritisierte das mögliche Aus für das Projekt. Die Energieprojekte mit Russland, darunter das Kraftwerk Belene, seien wichtig für Bulgarien.

In Großbritannien verfolgt RWE zusammen mit Eon ein weiteres Neubauprojekt. Dazu haben die Energiekonzerne Grundstücke für den Bau von Kernkraftwerken erworben. RWE sei Europas größter Emittent des Klimagases Kohlendioxid und brauche dringend CO2-freie Kraftwerksleistung, schreibt die “ FTD “. Sonst drohten RWE nach 2012 Millionensummen für zusätzliche Verschmutzungsrechte.

dpa

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