Zinsen im Keller

Rendite klassischer Lebensversicherung unter Druck

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Branchenprimus Allianz hatte jüngst angekündigt, die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschüssen 2016 bei klassischen Verträgen auf 3,1 Prozent zu senken. Foto: Jens Büttner/Symbol

Frankfurt/Main - Die Zinsen am Kapitalmarkt sind im Keller - das bekommen auch Kunden von Lebensversicherungen deutlich zu spüren. Die Aussichten für die nächsten Jahre sind wenig vielversprechend.

Kunden klassischer Lebensversicherungen müssen sich wegen der Niedrigzinsen Branchenvertretern zufolge in den kommenden Jahren auf weiter sinkende Renditen einstellen.

"Wenn die Zinsen im Euroraum so niedrig bleiben, dürfte die Überschussbeteiligung im Jahr 2018 im Branchenschnitt 0,2 bis 0,4 Prozent geringer ausfallen als derzeit", sagte der Vorstandschef der Alten Leipziger, Walter Botermann, der Deutsche Presse-Agentur. Der Garantiezins für Neuverträge dürfte ebenfalls weiter sinken. "Entscheidender als die Rendite ist für die Kunden aber die lebenslange Rente", sagte Botermann.

Branchenprimus Allianz hatte jüngst angekündigt, die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschüssen 2016 bei klassischen Verträgen auf 3,1 Prozent zu senken. Für 2015 bekommen die Kunden auf den Sparanteil ihrer Beiträge noch 3,4 Prozent gutgeschrieben. Mit der Kürzung reagieren Allianz und Co. auf die anhaltenden Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten. Auch Konkurrent Axa kappt die laufende Verzinsung von 3,4 auf 3,1 Prozent. Die Alte Leipziger hält sie konstant bei 3,05 Prozent.

Für die Lebensversicherer sind die hohen Garantien in Altverträgen von bis von 4 Prozent angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen ein Problem. Sie können die Zinsen an den Kapitalmärkten kaum erwirtschaften.

Botermann hofft, dass das Bundesfinanzministerium auch in Zukunft, den Garantiezins vorgibt: "Wenn das Bundesfinanzministerium den Höchstzins weiter festsetzt, werden auch mögliche Geisterfahrer verhindert."

Die Höhe des Garantiezinses, mit dem Kunden sicher rechnen können, wird bisher vom Ministerium auf Empfehlung von Versicherungsmathematiker und der Finanzaufsicht Bafin festlegt. Ab 2016 will das Ministerium nach einem Referentenentwurf keine Vorgaben mehr machen. Hintergrund sind die europaweit einheitlichen strengeren Eigenkapitalvorschriften (Solvency II) für Versicherungen. Die Versicherer könnten aber weiterhin Garantieversprechen abgeben. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Verbraucherschützer und Branchenvertreter hatten gewarnt, dass Versicherer ohne verbindliche Vorgaben des Ministeriums bei steigenden Zinsen Produkte mit lebenslangen Garantieversprechen anbieten, die sich wieder als zu hoch erweisen könnten.

Die Alte Leipziger werde auch künftig klassische Produkte mit Zinsgarantien anbieten, sagte Botermann. "Aber es wird weniger Anbieter geben, die sich Garantien leisten können oder wollen." Botermann geht zudem davon aus, dass es bei einigen Versicherern Überlegungen gibt, "sich von Teilen des Bestandes zu trennen". Der Vorstandschef der Alten Leipziger betrachtet dies mit Sorge: "Wir haben mit der Altersvorsorge auch einen sozialpolitischen Auftrag, wir sind keine Hedgefonds".

Mitteilung Alte Leipziger

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