Wegen Steuernachzahlungen

Reisebranche fürchtet Pleitewelle

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Kataloge des Reiseanbieters Tui liegen in Hannover (Niedersachsen) in einem Reisebüro.

Hannover - Die Reisebranche ist in Aufruhr. Sie sieht die Existenz vieler Betriebe in Gefahr. Grund: Höhere steuerliche Belastungen. Marktführer Tui deutet bereits Verlagerungen ins Ausland an.

Wegen drohender Gewerbesteuer-Nachzahlungen befürchtet die Reisebranche eine Pleite- und Entlassungswelle. Der Deutsche Reise Verband (DRV) schätzt die rückwirkend ab 2008 erhobenen Steuern auf bundesweit 1,4 Milliarden Euro. Dem Magazin „WirtschaftsWoche“ sagte DRV-Präsident Jürgen Büchy: „Die Existenz mittelständischer Reiseveranstalter und damit Zehntausender Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.“

Der Chef des Reisekonzerns Tui, Friedrich Joussen, hatte bereits in einem Brief die Ministerpräsidenten der Länder auf das Problem aufmerksam gemacht. Ziel sei es, gemeinsam mit Bund und Ländern eine Einigung über die Auslegung der Gewerbesteuer-Hinzurechnung zu erzielen, sagte eine Tui-Sprecherin am Samstag der dpa in Hannover. „Es sind ja nicht nur die Großen der Branche betroffen, sondern vor allem viele mittelständische Reisebusbetriebe, die es in jeder Stadt und in jedem Landkreis gibt.“

Tui hat bereits gedroht, einen Geschäftszweig ins Ausland zu verlagern

Die Finanzämter begründen die höheren Belastungen mit der Reform des Gewerbesteuergesetzes vor fünf Jahren. Demnach wird bei der Berechnung der Gewerbesteuer auch die Hälfte aller Pacht- und Mietzahlungen sowie Leasinggebühren für „unbewegliche Anlagegüter“ berücksichtigt.

Betriebsprüfer in Nordrhein-Westfalen hätten diese Verfahren nun auch für den Einkauf von Hotelkontingenten durch Reiseveranstalter übernommen, die Finanzämter der anderen Bundesländer hätten sich dieser Argumentation angeschlossen

Nach dem Bericht der „WirtschaftsWoche“ hat die Tui bereits angedroht, den Hoteleinkauf für Pauschalreisen ins Ausland zu verlagern, sollte die Regelung nicht zurückgenommen werden. Dazu sagte die Tui-Sprecherin: „Die Branche droht nicht, sondern will im Dialog eine faire Lösung für die Betriebe und ihre Mitarbeiter erreichen.“

dpa

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