Insolvente Fluggesellschaft

Regierung hofft auf rasche Lösung für Air Berlin

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Air-Berlin-Maschinen auf dem Flughafen Tegel in Berlin. Foto: Paul Zinken

Der Poker um die Zukunft von Air Berlin läuft. Die Regierung hofft auf eine rasche Lösung. CSU-Chef Horst Seehofer wünscht sich eine Übernahme durch die Lufthansa. Doch die Wirtschaftsministerin betont: "Damit hat die Bundesregierung nix zu tun".

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung setzt auf rasche Ergebnisse der Übernahmegespräche bei der insolventen Air Berlin. "Wir warten jetzt mal ab und hoffen, dass es schnell geht", sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) am Samstag in Berlin.

Air Berlin verhandele mit der Lufthansa, mit Easyjet, mit Ryanair. "Ryanair will jetzt sogar die ganze Air Berlin kaufen", sagte Zypries. Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl komme ins Spiel und wolle die ganze Air Berlin kaufen. Die Ministerin resümierte: "Es gibt jetzt genug Interessenten. Und wie das dann tatsächlich läuft, damit hat die Bundesregierung nix zu tun und ich persönlich auch nicht."

Vor einer Woche hatte Zypries allerdings erklärt, sie würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernehmen würde. Air Berlin äußerte sich am Wochenende nicht dazu, mit welchen möglichen Partnern derzeit Gespräche geführt werden - auch nicht dazu, wie nahe man dabei einer Lösung ist. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer sprach sich für eine Übernahme durch die Lufthansa aus. "Ich bin dafür, im Rahmen des Rechts die Lufthansa zu stärken. Durch die Übernahme von Air Berlin können wir eine noch stärkere Lufthansa bekommen", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntag).

Unterdessen kann sich auch Niki Lauda, Ex-Formel-1-Star, Luftfahrtunternehmer und Gründer der Air Berlin-Tochter Niki, eine Übernahme seiner einstigen Gesellschaft vorstellen. "Ich habe einen Brief an den Insolvenzverwalter von Air Berlin geschrieben, in dem ich mein Interesse an FlyNiki bekunde", sagte Lauda der österreichischen "Kronen-Zeitung". "Jetzt bin ich gespannt, was passiert, ob ich überhaupt zu den Verhandlungen eingeladen werde."

Allerdings müsse er erst einen Blick in die Bücher der Niki werfen. "Erst einmal will ich die gleiche Chance haben wie die Lufthansa, die das von langer Hand geplant hat", sagte Lauda, der eine mögliche Übernahme durch die deutsche Airline schon zuvor scharf kritisiert hatte. Wie Ryanair-Chef Michael O'Leary fürchtet Lauda eine beherrschende Stellung der Lufthansa vor allem im deutschen Markt.

Der irische Billigflieger hatte die Lufthansa-Pläne und die Umstände der Air-Berlin-Pleite samt staatlicher Bürgschaft über 150 Millionen Euro scharf als "abgekartetes Spiel" kritisiert und auch Beschwerde beim Bundeskartellamt und bei der EU-Wettbewerbskommission eingelegt.

Zypries verteidigte erneut den Überbrückungskredit für Air Berlin. Falls die Bundesregierung das Unternehmen nicht durch den Kredit in die Lage versetzt hätte, weiter fliegen zu können, hätten die Flugzeuge auf dem Boden bleiben müssen und Urlauber wären nicht zurück nach Deutschland gekommen. Zudem bleibe so der Wert des Unternehmens und der Flugrechte von Air Berlin erstmal erhalten.

Der Kredit ist einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge aber noch nicht unter Dach und Fach. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Sonntag, es laufe alles planmäßig, man sei in der "technischen Umsetzung". Dem Blatt zufolge ist weder der Vertrag unterschrieben noch bisher Geld geflossen.

Der CDU-Wirtschaftsrat schloss sich unterdessen einer Forderung von Zypries an und forderte die Regierung angesichts der Air-Berlin-Pleite auf, die umstrittene Ticketsteuer zur Stabilisierung des Luftverkehrsstandorts abzuschaffen. "Die Politik hat mit Luftverkehrssteuer selbst die Rahmenbedingungen für die Branche deutlich verschlechtert, die sie einseitig mehr belastet als fast alle ihre europäischen Mitbewerber", sagte der Generalsekretär des Verbandes, Wolfgang Steiger, der Deutschen Presse-Agentur.

Das Finanzministerium hatte den Vorschlag der Wirtschaftsministerin allerdings bisher nicht unterstützt, es bestehe nicht die Absicht, die Steuer zu streichen. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) begrüßte den Vorstoß von Zypries.

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