Buch erzählt aus Leben eines Mitläufers

Die Nazi-Vergangenheit von Porsche: Gute Geschäfte unterm Hakenkreuz

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Adolf Hitler begutachtet auf der Rückbank sitzend den ersten Wagen vom Typ Käfer, der 1936 bei der „Gesellschaft zur Vorbereitung des deutschen Volkswagens“ in Stuttgart nach den Entwürfen des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche (Mitte, ohne Kopfbedeckung) gebaut wurde.

Porsche steht heute für PS-starke Autos und Geländewagen. Ein neues Buch enthüllt die Anfänge der Firma: Firmengründer Ferdinand Porsche entwickelte auch Kübelwagen, Panzer und anderes Militärgefährt für die Nazis.

Stuttgart - Für Ferdinand Porsche war das Treffen mit Hitler ein Wendepunkt. Nach schlechten Geschäften hoch verschuldet, trat der Autoingenieur im Mai 1933 beim Reichskanzler an. Es ging um hohe Staatssubventionen, die Hitler eigentlich komplett Daimler-Benz geben wollte. Der damals 57-jährige Porsche stimmte den Reichskanzler um, ein großer Teil der Subventionen floss in ein Rennwagenprojekt mit Beteiligung von Porsche - damit bewahrte Hitler die erst 1931 gegründete Stuttgarter Konstruktionsfirma womöglich vor dem Kollaps. Der Firmenchef blieb auch danach Profiteur des Nazi-Regimes, wie ein neues Buch belegt. Die Geschäfte florierten unterm Hakenkreuz.

Das nun erschienene Buch „Porsche - Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke“ ist die erste umfassende wissenschaftliche Arbeit zu den Anfängen der Firma Porsche in der Nazizeit. Hauptautor ist der renommierte Historiker Wolfram Pyta, Leiter der Forschungsstelle Ludwigsburg zur NS-Verbrechensgeschichte. Zusammen mit Nils Havemann und Jutta Braun sichtete er umfangreiches Material aus Archiven in Deutschland, Frankreich und Österreich. Die Autoren geben tiefe Einblicke in die starken Verstrickungen Porsches in das NS-Regime.

Die Firma Porsche hatte damals ein ganz anderes Geschäftsmodell als der heutige Sportwagen- und Geländewagenbauer. Die „Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH“ baute keine marktreifen Fahrzeuge, sondern sie war nur mit Entwürfen, der technischen Vorarbeit und Prototypen beschäftigt. Das Nürnberger Unternehmen Zündapp zum Beispiel bestellte eine Schwingachse und die Zwickauer Auto Union besagten Rennwagen, für den 1933 die so wichtigen Subventionen eingestrichen wurden.

War Ferdinand Porsche ein Nazi? Jein. Zum einen war er seit 1937 zwar Mitglied der NSDAP, Huldigungen des Regimes nahm er gern entgegen - Hitler erhob ihn gar in den „Genieadelsstand“, so die Autoren. Zum anderen übernahm Porsche nicht die menschenverachtende Ideologie der Nazis, die in seiner Firma eingesetzten Zwangsarbeiter wurden nicht so schlecht behandelt wie anderswo. Er sei ein „im Kern unpolitischer Technokrat“ gewesen und ein „Opportunist reinsten Wassers“, so die Autoren. Als „politischer Konjunkturritter“ suchte Porsche die Nähe zum Regime, weil er dadurch Rückenwind für seine Geschäfte bekam.

Wann immer sich lukrative Aufträge von Seiten des Staates anboten, griff er zu - ob Traktoren, Schwimmwagen, Panzer oder anderes Kriegsgefährt. Sein größter Auftrag war die Entwicklung des Volkswagens, der Käfer-Vorläufer wurde zunächst „KdF-Wagen“ genannt (KdF steht für Kraft durch Freude). Hitler wollte mit dem Billig-Auto die Massen motorisieren. Wegen des Krieges blieb das Projekt aber unvollendet, auf Basis des Volkswagen-Prototypen entstand stattdessen ein Kübelwagen fürs Militär - davon wurden gut 50 000 hergestellt.

Das Buch gibt Einblick in das Leben eines Mitläufers, der zwar kein aktiver Nazi war, sich aber von geradezu gruseliger Kälte zeigte in Anbetracht der Unrechtsherrschaft. So erreichten ihn 1943 zwei Hilfeschreiben eines früheren, jüdischen Kollegen, dem die Deportation ins Vernichtungslager drohte. Dem Buch zufolge hätte Porsche ihm mit wenig Aufwand und ohne eigenes Risiko helfen und womöglich retten können. Warum tat er es nicht? Vermutlich wollte er „sich besser auf nichts einzulassen, was auch nur den Anschein politischer Brisanz besaß“. Der frühere Kollege starb später im Holocaust.

Kurios ist ein Frankreich-Kapitel: Ende 1945 gab es in der Pariser Regierung Pläne, Porsche für die Entwicklung eines französischen „Volksautos“ zu verpflichten, welches von Renault gebaut werden sollte. „Man male sich an dieser Stelle einmal aus, wie sich der europäische Automobilmarkt entwickelt hätte, wenn Frankreich mit Hilfe der Porsche KG einen Volkswagen à la française hergestellt hätte“, so die Autoren. Sie bezweifeln, dass sich dann die Marke VW so erfolgreich in Europa hätte etablieren können.

Doch Konkurrent Jean-Pierre Peugeot bekam Wind von der Sache und diffamierte Porsche als Kriegsverbrecher. Als der inzwischen 70-Jährige in die französische Besatzungszone reiste, wurde er dort nicht als neuer Chef eines ambitionierten französischen Großprojekts verpflichtet, sondern auf Basis haltloser Vorwürfe verhaftet. Erst 1948 wurden er von den Franzosen rehabilitiert. Porsche starb drei Jahre später - und der von ihm entwickelte Volkswagen wurde als Käfer zur Erfolgsgeschichte im Nachkriegsdeutschland.

dpa

Das Sachbuch „Porsche - vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke“ erschien im Siedler-Verlag. Es hat 505 Seiten und kostet 28 Euro, als E-Book 22,99 Euro.


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