Porsche: Mit neuen Aktien gegen Schulden

Stuttgart - Die stark verschuldete Porsche-Holding bietet bei ihrer dringend benötigten Kapitalerhöhung über knapp fünf Milliarden Euro die Aktien mit einem hohen Abschlag an. Wie viel das Stück kosten soll:

Die die von den Milliardärsfamilien Piëch und Porsche kontrollierte Porsche SE steht unter Zeitdruck, da der Gang an den Kapitalmarkt vorerst nur noch bis Ende Mai möglich ist. Zudem müssen die Stuttgarter schon im Juni einen Teil der Schulden zurückzahlen. Mit der jetzt angepeilten Ausgabe von bis zu 131,25 Millionen Aktien für 38 Euro - rund ein Drittel unter dem Kurs vom Freitag - steigt das Kapital um 75 Prozent, wie das Unternehmen am späten Sonntagabend in Stuttgart mitteilte.

Mit dem Nettoerlös von knapp fünf Milliarden Euro will Porsche die Schulden deutlich unter zwei Milliarden Euro drücken. Der Schuldenabbau gilt neben der Klärung einiger juristischer Probleme als der wichtigste Baustein für die geplante Fusion mit Europas größtem Autobauer Volkswagen, an dem die Porsche SE derzeit etwas mehr als die Hälfte der Stimmrechte und rund ein Drittel des Kapitals hält.

Der Volkswagen AG gehört wiederum knapp die Hälfte des operativen Geschäfts Porsches. Die Konzerne sind derzeit dabei, die Beteiligungen zu entflechten - der geplanten Fusion der Porsche SE mit der Volkswagen AG tauchen jedoch immer neue juristische Hürden auf, die das Vorhaben in Gefahr bringen.

Porsche Panamera S Hybrid

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Die Wolfsburger haben allerdings die Option, im Falle einer gescheiterten Fusion der Porsche SE mit der Volkswagen AG den Rest des operativen Geschäfts, der Porsche AG, komplett zu übernehmen. De facto wird Porsche derzeit schon als zehnte Marke des Volkswagen-Konzerns geführt - so steht zum Beispiel an der Spitze der Porsche SE schon seit längerem der VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.

Das Ringen um eine gemeinsame Zukunft dauert nun schon seit September 2007 an, als der deutlich kleinere Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche ankündigte, den deutlich größeren Autohersteller Volkswagen übernehmen zu wollen. Die Wolfsburger wehrten sich dagegen.

Doch lange Zeit sah der deutlich kleinere Sportwagenbauer Porsche wie der sichere Sieger aus. So gelang des den beiden früheren Porsche-Machern Wendelin Wiedeking und Holger Härter 2008 über waghalsige Finanzkonstruktionen, den Stuttgartern den Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien zu sichern. Doch aufgrund des sogenannten VW-Gesetzes, das dem Land Niedersachsen als Anteilseigner besondere Rechte gibt, bekam Wiedeking Volkswagen nicht ganz unter seine Kontrolle - der Griff in die vollen VW-Kassen blieb ihn damit verwehrt.

131,25 Millionen neuen Anteile zu je 38 Euro pro Stück

Wiedeking und Härter lösten mit ihren Finanzspekulationen zudem bei der VW-Aktie bis dahin nie gesehene Kurskapriolen aus und brachten damit zahlreiche Banken und Hedgefonds in arge Bedrängnis. Diese schlugen dann in der Finanzkrise zurück, ließen Finanzierungen platzen und klagen immer noch gegen die Kursverluste von damals. Die Träume des ehrgeizigen Wiedekings, sich den größeren Konkurrenten unter den Nagel zu reißen, platzten. Er und sein Finanzvorstand mussten den Platz räumen und Volkswagen war in der Folge am Drücker.

Bei der bereits in dieser Woche startenden Kapitalerhöhung können die Altaktionäre die bis zu 131,25 Millionen neuen Anteile - je zur Hälfte Stamm- und Vorzugsaktien - für 38 Euro das Stück kaufen. Bei den börsennotierten Vorzugsaktien liegt der Bezugspreis damit rund ein Drittel unter dem Kurs vom Freitag. Das Papier ist bereits seit einigen Wochen unter Druck, nachdem Porsche selbst das Gelingen der Fusion mit Volkswagen in Frage stellte. In den ersten Monaten des inzwischen gescheiterten Übernahmeversuchs hatte die Porsche-Vorzugsaktie zeitweise noch knapp 185 Euro gekostet.

Die Anteilseigner haben ein Vorkaufsrecht. Je einer gehaltenen Aktie dürfen sie 0,75 neue kaufen - die Zahl der Aktien steigt damit um 75 Prozent auf 306,25 Millionen. Die Familien Piëch und Porsche sowie der Golf-Staat Katar, die alle Stammaktien besitzen, haben sich verpflichtet, ihre Bezugsrechte auszuüben. Sollten die Eigentümer von Vorzugsaktien bei dem Angebot nicht komplett zugreifen, garantieren die Banken die Abnahme der Anteile. Die Bezugsfrist für die neuen Aktien soll bereits am 30. März beginnen und bis zum 12. April laufen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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