Spiele-Anbieter muss sich wandeln

"Pokémon"-Fieber zwingt Nintendo in eine neue Realität

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Der absolute Renner der 90er Jahre: Der Gameboy von Nintendo (l.). Der neue Hype ist die "Pokémon Go"-App für Smartphones.

Tokio/Berlin - Der weltweite Erfolg des Spiels „Pokémon Go“ zeigt, dass populäre Figuren aus dem Nintendo-Universum auch auf dem Smartphone funktionieren. Für den japanischen Spiele-Anbieter wächst damit aber auch der Druck, sich schneller zu wandeln.

Update vom 15. Dezember 2016: Am heutigen Donnerstag erscheint "Super Mario Run" für Apple-Geräte. Nach "Pokemon Go" könnte es für Nintendo der zweite große App-Hit des Jahres 2016 werden. Wir haben bereits zusammengefasst, was Sie zu "Super Mario Run" für iPhone, iPad und iPod Touch wissen müssen.

Noch nie zuvor hat eine Smartphone-App so schnell Börsenwert geschaffen. In weniger als zwei Wochen seit dem Start des Spiels „Pokémon Go“ hat sich der Aktienkurs der japanischen Spiele-Anbieter Nintendo nahezu verdoppelt. Auslöser für den Sprung war die Erleichterung der Investoren, die zuvor immer mehr den Glauben an den Gameboy-Erfinder verloren. Vor „Pokémon Go“ hatten sie die Aktie so tief in den Kurskeller gedrückt, dass sie erst nach einer Woche steilen Aufstiegs wieder das Preisniveau von Sommer vergangenen Jahres erreichte.

Ein Happy End statt des befürchteten „Game Over“ für Nintendo also? Nicht so schnell, warnen Analysten. Denn der große Erfolg beim ersten Auftritt populärer Nintendo-Figuren auf Smartphones setzt den Traditionskonzern auch unter massiven Zugzwang, sein Geschäftsmodell schneller zu reformieren.

Bisher sperrte sich Nintendo gegen den Sprung auf Mobiltelefone und brachte seine Spiele nur für die eigenen Konsolen heraus. Wer mit „Pokémon“ oder „Super Mario“ spielen wollte, musste auch Geld für eine Wii, Wii U oder eine DS-Konsole für unterwegs hinblättern. Dazu gehörte auch, dass Konsolen-Spiele für 40 bis 60 Euro verkauft werden. Bei Smartphone-Games ist der Markt dagegen so, dass man bestenfalls nur ein paar Euro dafür verlangen kann. Meistens werden sie sogar kostenlos angeboten und die Entwickler versuche, das Geld mit dem Verkauf virtueller Artikel oder Abkürzungen im Spiel hereinzuholen.

Mit „Pokémon Go“ begibt sich Nintendo schließlich auf diesen Weg des Wandels. Der erste Schritt wurde jahrelang hinausgezögert. Es wurde jedoch immer deutlicher, dass auch ein Unternehmen mit einer millionenfachen Fangemeinde die Realität nicht mehr ignorieren kann: Smartphone und Tablet werden immer mehr zum Spielgerät der Wahl.

Bei Nintendo fielen zuletzt in dem Ende März abgeschlossenen vergangenen Geschäftsjahr die Verkäufe der verschiedenen DS-Konsolen um gut 22 Prozent auf 6,79 Millionen Geräte. Und mit 48,5 Millionen DS-Spielen wurde fast ein Drittel weniger verkauft als ein Jahr zuvor. Und die große Wii U zum Anschluss an den Fernseher gilt ohnehin als Flop im Vergleich zu den Konkurrenz-Konsolen Playstation 4 und Xbox One.

Es war also an der Zeit, sich zu bewegen. Weil es eine neue Welt mit eigenen Regeln ist, holte sich die Nintendo-Beteiligung Pokémon Company den Spiele-Entwickler Niantic Labs ins Boot, der schon unter dem Dach von Google das Geodaten-Spiel „Ingress“ entwickelt hatte. Und der Erfolg von „Pokémon Go“ weckt bei Investoren die Hoffnung auf mehr. „Die Leute haben jetzt höhere Erwartungen an die fünf weiteren Spiele, die Nintendo bis kommenden März in Aussicht gestellt hat“, sagte David Gibson, ein Analyst bei Macquarie Securities, der „Financial Times“.

Wenn es Super Mario oder Zelda schließlich in Smartphone-Apps gibt, werden die Nutzer sicherlich ebenso begeistert sein. Aber wie werden sich dann das Hardware-Geschäft und die Verkäufe von Konsolen-Spielen entwickeln? Und wie groß werden die Einnahmen aus dem neuen Geschäft? Nintendo will jedenfalls auch das Konsolen-Geschäft nicht aufgeben und kündigte für kommendes Jahr die nächste Konsole mit dem Code-Namen „NX“ an, über die bisher noch nichts bekannt ist.

dpa

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