Deutsche Bahn feiert Passagier-Rekord

Berlin - Bei der Bahn purzeln Rekorde. Der Vorstand legt vor allem für den Personenverkehr glänzende Zahlen vor. Prompt kommen auch schon Vorschläge aus der Politik, wofür der Gewinn verwendet werden sollte.

Die Deutsche Bahn hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres so viele Zugreisende transportiert wie in keinem Halbjahr zuvor und dabei prächtig verdient. Die Zahl der Fahrgäste stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf mehr als eine Milliarde. Nicht berücksichtigt sind dabei die Ergebnisse der 2010 erworbenen Bahn-Tochter Arriva. “Wir sehen, dass wir mit interessanten Angeboten die Menschen zum Umstieg vom Auto auf den Zug bewegen können“, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahresbilanz.

Auch beim Umsatz und Ergebnis verbuchte der Konzern einen neuen Rekord: Die Einnahmen legten zwischen Januar und Ende Juni um 3,3 Prozent zu auf 19,5 Milliarden Euro. Das ist der höchste Halbjahresumsatz in der Geschichte der Deutschen Bahn. Das gilt auch für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit): Es stieg um 16,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Nach Steuern stand ein Ergebnis von 794 Millionen Euro unterm Strich, ein Plus von 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Für das gesamte Jahr bestätigte der Vorstand trotz einer sich abschwächenden Konjunktur die Ergebnisprognose aus dem Frühjahr von operativ mehr als 2,6 Milliarden Euro. “Wenn im zweiten Halbjahr eine Rezession vermieden werden kann, dürfen wir davon ausgehen, dass der Konzern auch für das Gesamtjahr 2012 neue Rekordzahlen bei Umsatz und Ergebnis zeigen wird“, sagte Finanzvorstand Richard Lutz.

Schuldenabbau steht an oberster Stelle

Laut ihrem im Frühjahr beschlossenen Strategieprogramm “DB 2020“ will die Deutsche Bahn ihren Jahresumsatz bis zum Jahr 2020 auf 70 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Davon sollen zehn Milliarden Euro durch Zukäufe kommen. Zu etwaigen konkreten Übernahmeplänen äußerte sich der Vorstand am Donnerstag nicht. “Oberstes Ziel ist der Schuldenabbau“, sagte Grube. Akquise sei erst ein Thema, wenn der Schuldenstand unter 15 Milliarden Euro sinke. Ende Juni belief sich der Schuldenberg des Konzerns auf gut 16,9 Milliarden Euro netto, für das Jahresende erwartet der Vorstand etwa 16,6 Milliarden - so viel wie 2011.

Angesichts der Rekordzahlen forderte CSU-Chef Horst Seehofer von der Deutschen Bahn höhere Investitionen in Bayern. Der Ministerpräsident nannte mehrere Projekte, die wegen fehlenden Geldes im Bundesverkehrsetat seit Jahren schleppend oder gar nicht vorankämen wie etwa den Ausbau des Bahnknotens München und die Elektrifizierung der Strecken Nürnberg-Marktredwitz-Hof und Regensburg-Marktredwitz-Hof.

Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, hat den Bund als Eigentümer der Bahn aufgefordert, die erwarteten hohen Gewinne in diesem Jahr in den Schienenverkehr zu investieren. Dringend notwendig seien die Anbindung aller deutschen Großstädte an den Fernverkehr, der Ausbau des Güterverkehrs und mehr Investitionen in den Lärmschutz, sagte Beckmeyer der “Saarbrücker Zeitung“ (Freitag).

Pünktlichkeit verbessert

Verbessern konnte die Bahn nach eigenen Angaben auch die Pünktlichkeit ihrer Züge: Der durchschnittliche Wert lag 2011 bei 92,9 Prozent. Im Januar dieses Jahres waren 96,5 Prozent aller Züge pünktlich, der Tiefstwert lag im Februar bei 94,3 Prozent.

Nicht ganz so rosig wie im Personenverkehr sah das Geschäft mit dem Güterverkehr aus. Hier verhinderte die Konjunkturabschwächung nach Bahnangaben bei DB Schenker einen spürbaren Ergebniszuwachs. Im internationalen Logistikgeschäft gab es einen Umsatzzuwachs von knapp einem Prozent. Im europäischen Schienengüterverkehr blieb der Umsatz leicht unter Vorjahresniveau. “Vor allem in der Stahlindustrie und beim kombinierten Verkehr hat die Transportnachfrage nachgelassen“, sagte Grube zu den Gründen.

Einen deutlichen Rückgang verbuchte der Konzern bei seinem Busverkehr. Die in Personenkilometern gemessene Verkehrsleistung ging im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 um sieben Prozent zurück, wofür die Bahn in ersten Linie sinkende Schülerzahlen in Deutschland verantwortlich macht.

dpa

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