Warnstreiks in der norddeutschen Metallindustrie stehen bevor

Hamburg - Die Tarifverhandlungen in der norddeutschen Metallindustrie steuern schon frühzeitig auf eine Eskalation zu. Die Gewerkschaft fühlt sich stark, weil sie neue Mitglieder gewinnen konnte. Die Arbeitgeber finden die Verschärfung durch Warnstreiks überflüssig.

Vor der zweiten Verhandlungsrunde für die 140000 Beschäftigen in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie verschärft die IG Metall die Gangart. Unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht sollten in der Nacht zum Donnerstag die Spätschichten in verschiedenen Betrieben die Arbeit niederlegen, kündigte Bezirksleiter Meinhard Geiken am Freitag in Hamburg an.

Mit flächendeckenden Warnstreiks im Norden sei ab Februar in mehreren Wellen zu rechnen. Sollten die Tarifverhandlungen im Bezirk Küste dann immer noch keinen zufriedenstellenden Verlauf nehmen, sei die Gewerkschaft auch auf einen Arbeitskampf vorbereitet. Der Arbeitgeberverband Nordmetall kritisierte die Ankündigung als eine völlig überflüssige Verschärfung der Tarifrunde. „Die Warnstreiks haben viel mit Mitgliedergewinnung, aber wenig mit der konkreten Verhandlung zu tun“, sagte Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger. „Wer eine faire Lösung will, darf jetzt die Lage der Firmen nicht noch mutwillig verschärfen.“ Geiken dagegen erklärte, in der ersten Verhandlungsrunde habe sich gezeigt, dass die Positionen der Tarifparteien weit auseinanderliegen.

Die Arbeitgeber hätten speziell zu Altersteilzeit und Bildungszeit offensichtlich ganz andere Vorstellungen als die IG Metall Küste. Die Tarifverhandlungen für die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und das nordwestliche Niedersachsen werden am nächsten Mittwoch in Bremen fortgesetzt. Die IG Metall Küste fordert eine Erhöhung der Entgelte um 5,5 Prozent und verweist auf die positiven Perspektiven der Branche. „Es ist auch unsere Aufgabe, die Kaufkraft der Arbeitnehmer und damit die private Nachfrage zu steigern“, sagte Geiken. Dagegen verwies Fickinger auf Risiken: „Die Russland-Krise trifft immer mehr Unternehmen, durch die Wahl in Griechenland droht die nächste EU-Misere, aber die IG Metall tut gerade so, als könnten wir die Korken knallen lassen.“

2014 hat die IG Metall Küste unter dem Strich rund 1500 neue Mitglieder gewonnen und damit die Zahl der organisierten Arbeitnehmer in der Branche auf rund 177000 gesteigert. Bei den jungen Leuten unter 27 Jahren habe der Zuwachs zehn Prozent betragen. „Seit dem Rückgang durch die Krise 2008 und 2009 ist es uns gelungen, die Zahl der Mitglieder stabil zu halten und sogar leicht auszubauen“, sagte Geiken. „Das gibt uns zusätzliche Kraft für die Tarifrunden.“
dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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