Im Schatten des Ghosn-Skandals

Nissan will Konzernführung reformieren

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Aktionärsversammlung der Nissan Motor Co.: Der japanische Renault-Partner will die Konzernführung reformieren. Foto: Kyodo

Nissan leidet unter dem Skandal des unter anderem wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen angeklagten ex-Verwaltungschefs Carlos Ghosn. Nun will der Konzern das Vertrauen widerherstellen.

Yokohama (dpa) - Der japanische Renault-Partner Nissan will die Konzernführung reformieren, lehnt aber eine Fusion mit dem französischen Autobauer weiterhin ab. Eine Integration mit Renault sei "keine gute" Idee, sagte Nissan-Chef Hiroto Saikawa bei einer Aktionärsversammlung.

Falls nötig wolle man die Struktur der gegenseitigen Kapitalverflechtung mit Renault auf den Prüfstand stellen, um sie angesichts der harten Konkurrenz stabiler zu machen. In Kreisen des japanischen Autokonzerns kursiert die Ansicht, dass die gegenwärtige Kapitalstruktur unausgewogen ist. Renault hält 43 Prozent an Nissan, während die Japaner nur 15 Prozent der Anteile an Renault halten und kein Stimmrecht haben - obwohl Nissan vergangenes Jahr 5,6 Millionen Autos verkaufte, rund 1,5-Mal so viel wie Renault.

Renault zielt auf eine Integration mit dem japanischen Allianz-Partner ab. Doch Nissan will sich stärker auf eine Verbesserung der eigenen Bilanz konzentrieren. Der Konzern leidet unter dem Skandal des unter anderem wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen angeklagten früheren Verwaltunsgratschefs Carlos Ghosn, der kürzlich gegen Kaution aus der Untersuchungshaft in Japan frei kam und sich derzeit auf seinen Prozess vorbereitet.

Um das Vertrauen in Nissan wiederherzustellen, segneten die Anteilseigner einen Reformplan zur Unternehmensaufsicht ab, der die Einrichtung von drei Aufsichtsratsausschüssen vorsieht. Renault hatte dem in letzter Minuten unter der Bedingung zugestimmt, dass neben Renault-Chairman Jean Dominique Senard auch Renault-CEO Thierry Bollore den Ausschüssen angehört. Mit der Reform will Nissan die bisherige Führungsstruktur ablösen, bei der Ghosn eine enorme Machtfülle auf sich vereint hatte. Sie zielt auf eine klare Trennung zwischen dem ausführenden Management und der Konzernaufsicht ab.

Künftig soll ein Ausschuss Nominierungen von Führungskräften überwachen, einer die Entlohnungen und ein weiterer sich mit den Revisionsaufgaben befassen. Dabei sollen Direktoren von außerhalb des Konzerns eine wichtige Rolle spielen. Nissan steht vor der Herausforderung, seine Ertragslage zu verbessern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war der Nettogewinn der Gruppe um 57 Prozent auf ein Neun-Jahres-Tief von 319 Milliarden Yen (2,6 Mrd Euro) geschrumpft.

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